# taz.de -- Linker Ladeninhaber in Kreuzberg: Wegen antisemitismuskritischem Aushang attackiert
> Jugendliche sollen den Inhaber des Ladens für Revolutionsbedarf in
> Kreuzberg mehrfach mit Reizgas attackiert haben. Dieser hatte ein
> Nova-Solidaritätsplakat im Fenster hängen.
(IMG) Bild: Hans-Georg Lindenau in seinem Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf in Kreuzberg
Hans-Georg Lindenau, der in Szenekreisen nur HG genannt wird, ist seit
[1][Jahren ein Symbol des rebellischen Kreuzberg], das auch in dem
Stadtteil immer mehr verschwindet. Sein Gemischtwarenladen mit
Revolutionsbedarf war ein Anlaufpunkt für unterschiedliche Linke, aber auch
eine Anlaufstelle für Nachbar*innen. Doch jetzt hat auch HG der
Nahostkonflikt eingeholt. Gleich zweimal wurde HG in seinem Laden von einer
Gruppe von Jugendlichen angegriffen. Das berichtet er der taz.
Am 7. Oktober gegen 19.20 Uhr hätten 5 bis 6 Jugendliche den 67-jährigen
Rollstuhlfahrer in seinem Laden mit Pfefferspray besprüht und ihn
beleidigt. „Am nächsten Tag erschienen die Jugendlichen gegen 19 Uhr erneut
im Laden und haben wieder mit Pfefferspray gesprüht“, sagt er. Nachdem er
laut um Hilfe geschrien habe, seien die Angreifer verschwunden. Doch wenige
Minuten später kehrten sie zurück und schlugen mit Feuerlöschern auf sein
Gesicht ein, was eine blutende Wunde verursachte. Am Freitagabend
beobachteten Passant*innen, wie sich 8 Jugendliche mit E-Scootern vor dem
Laden von HG versammeln und die Eingangstür beschädigten. HG verständigte
die Polizei.
Den Anlass für die Überfallserie sieht HG in einem Flugblatt, das er seit
Anfang Oktober vor seinen Laden geklebt hat. Unter der Überschrift „Kampf
gegen Judenfeindschaft“ wird dort Solidarität mit den Opfern des
Nova-Festivals ausgedrückt. Am 7. Oktober 2023 hatten Mitglieder der Hamas
und ihre Verbündeten das Festival überfallen und Besucher*innen
misshandelt und ermordet. Das Flugblatt zeigt zwei Fotos, auf denen die
Tafel der Getöteten zu sehen ist. Daneben steht die Parole „Wir werden
wieder tanzen“. Sie stammt von Überlebenden des Festivals, die damit
deutlich machten, dass sie sich dem Terror nicht beugen wollen. HG hatte
das Flugblatt bei dem kleinen linken Verlag Olga Benario bestellt, der
israelsolidarische Materialien verbreitet.
## Vom Nova-Festival und vom Tag der offenen Moschee
„Ich habe diese Plakate neben einer Einladung zum Tag der offenen Tür in
den Berliner Moscheen am 3. Oktober geklebt, um deutlich zu machen, dass
ich mich dafür einsetze, dass jüdische und muslimische Menschen friedlich
zusammenleben und feiern können sollen“, begründete HG die Plakataktion.
Unmittelbar danach begannen die Bedrohungen. „Seit dem 3. Oktober kam die
Gruppe von mindestens 5 Jugendlichen täglich in meinen Laden. Sie machten
deutlich, dass sie nicht in friedlicher Absicht kamen. Doch ich schrie so
laut, dass sie verschwanden“, berichtet HG gegenüber der taz. Er hält es
auch für keinen Zufall, dass die Jugendlichen am 7. Oktober, dem Jahrestag
des Hamas-Überfalls, zuschlugen. HG vermutet, dass die Angreifer aus einem
islamistischen Umfeld kommen.
Mittlerweile hat die Abteilung Politischer Staatsschutz beim LKA die
Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und
Beleidigung übernommen.
HG, der bereits [2][im letzten Jahr Opfer einer Überfallserie] war, hofft
aber auch auf Unterstützung von solidarischen Kund*innen. „Ich brauche
Geld, um die von den Angreifern zerstörte Tür zu reparieren. Die
Versicherung übernimmt die Kosten nicht“, sagt er.
12 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Montagsinterview-M-99-Betreiber-HG-Lindenau/!5129491
(DIR) [2] /Ueberfall-auf-Kreuzberger-Urgestein/!6085545
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
## TAGS
(DIR) Antisemitismus
(DIR) Linke Szene
(DIR) Islamismus
(DIR) Angriff
(DIR) Leben mit Behinderung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Überfall auf Kreuzberger Urgestein: Solidarität mit HG
Der Inhaber des „Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ in Kreuzberg
wird überfallen und verletzt, kann die Räuber jedoch in die Flucht
schlagen.
(DIR) Legendärer Kreuzberger Laden gerettet: Revolution bleibt im Angebot
Der Mietvertrag ist unterschrieben, der Umzug steht bevor: Hans-Georg
Lindenau bleibt mit seinem M99-Laden nach langem Kampf in Kreuzberg.
(DIR) Montagsinterview M-99 Betreiber H.G. Lindenau: "Ick lass mir net vertreiben"
Hans-Georg Lindenau verkauft seit 25 Jahren im Kreuzberger
"Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf" Sturmmasken, Bücher und
Szenezeitschriften. Und er schwärmt von veganer Sahnetorte.