# taz.de -- Blutbad in der Oberpfalz: Routinekontrolle mit zwei Toten
       
       > Zwei Mitarbeiter eines bayerischen Landratsamts wollen einen
       > Waffenbesitzer überprüfen. Kurz darauf sind sie tot. Eine Bluttat, die
       > Fragen aufwirft.
       
 (IMG) Bild: Eine trauernde Anwohnerin in stillem Gedenken
       
       Berngau steht unter Schock. Das beschauliche 2.600-Einwohner-Dorf bei
       Neumarkt in der Oberpfalz ist es nicht gewohnt, im Mittelpunkt des
       öffentlichen Interesses zu stehen – schon gar nicht wegen einer Bluttat wie
       der vom Donnerstag. „Wir sind ein eigentlich friedliches Dorf“, wird eine
       Frau vor Ort zitiert. In der Schule von Berngau sind am Freitag
       Krisenteams, um die Kinder zu betreuen und mit ihnen über das Verbrechen zu
       sprechen.
       
       Am Vortag sind zwei Mitarbeiter des Landratsamts nach Berngau für eine
       Routinekontrolle gekommen, eine 54-jährige Frau und ihr 45-jähriger
       Kollege. Sie sollten einen Waffenbesitzer überprüfen. Es wäre eine
       Kontrolle gewesen, wie sie laut Landratsamt regelmäßig und ohne
       Vorankündigung bei allen Inhaberinnen und Inhabern von Waffenbesitzkarten
       stattfindet – „um einen ordnungsgemäßen Umgang und besonders auch die
       vorschriftsgemäße Verwahrung der Waffen zu kontrollieren und zu
       gewährleisten“. Die Kontrollen würden immer zu zweit durchgeführt. Die
       Polizei würde nur in besonderen Verdachtsfällen hinzugezogen. Es ist eine
       Kontrolle, wie es in Bayern laut Innenminister Joachim Herrmann jährlich
       mindestens 60.000 gibt.
       
       Einen Verdacht, dass dieser Einsatz gefährlich werden könnte, gibt es in
       diesem Fall offenbar nicht. Der Waffenbesitzer ist ein 60-jähriger
       Deutscher, der als Sportschütze und Jäger legal zehn Waffen besitzt. Als
       die beiden Kontrolleure gegen 14 Uhr bei ihm eintreffen, nimmt er sie
       offenbar unter Beschuss. Über den genauen Tatablauf wird man auch am
       Freitag noch nichts wissen. Fest steht: Bei der Polizei gehen zu dieser
       Zeit mehrere Notrufe ein. Man habe Schüsse gehört, berichten die Anrufer.
       
       ## Zugriff in der Nacht
       
       Es kommt zu einem Großeinsatz. Bald befinden sich 150 Polizisten vor Ort.
       Über Berngau drehen Hubschrauber und Drohnen ihre Runden, auch ein
       gepanzertes Polizeifahrzeug ist unterwegs. Die Beamten haben schließlich
       Telefonkontakt zu dem Täter, der sich in seiner Wohnung verschanzt hat. Er
       werde nicht widerstandslos aufgeben, lässt er sie wissen. So dauert es bis
       tief in die Nacht, bis es schließlich zum Zugriff kommt. Gegen zwei Uhr
       stürmt die Polizei die Wohnung, es fallen Schüsse, der Mann wird verletzt
       und festgenommen.
       
       Die beiden Mitarbeiter des Landratsamts können jedoch nur noch tot geborgen
       werden. Nach Ansicht der Ermittler wurden sie unmittelbar nach ihrem
       Eintreffen von Kugeln getroffen und starben sofort. Der Täter wird schwer
       verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Anfangs hatte die Polizei von
       leichten Verletzungen am Bein gesprochen. Wann er vernehmungsfähig sein
       würde, ist am Freitag noch unklar. Nach seiner medizinischen Behandlung
       werde er einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der dann entscheiden müsse,
       ob der Mann in Untersuchungshaft komme oder in einer Fachklinik
       untergebracht werde.
       
       Polizeilich war der Täter bisher nicht aufgefallen, wie Innenminister
       Herrmann später mitteilt. Zurückgezogen soll er gelebt haben. Er habe nie
       gegrüßt, sagt [1][eine Anwohnerin der Süddeutschen Zeitung]. Und Tobias
       Meier, der Bürgermeister von Berngau, ergänzt, es sei ihm und anderen
       Menschen im Ort nicht bekannt, dass er in einem Verein oder sonst irgendwo
       engagiert gewesen sei.
       
       Hinweise auf das Motiv des Mannes konnten die Ermittler bislang offenbar
       nicht finden. Herrmann zufolge gibt es bei Staatsschutz und
       Verfassungsschutz keinerlei Erkenntnisse über ihn. Es werde in alle
       Richtungen ermittelt und unter anderem überprüft, ob es eine Vorgeschichte
       des Mannes mit dem Landratsamt gebe. Auch über eine mögliche extremistische
       Gesinnung sei nichts bekannt.
       
       ## Herrmann im Innenausschuss
       
       Ähnliche Vorfälle gab es in der Vergangenheit bereits mit „Reichsbürgern“,
       die Waffen besaßen. Vor ziemlich genau zehn Jahren [2][eröffnete ein
       Reichsbürger im fränkischen Georgensgmünd das Feuer auf Polizeibeamte], die
       ihn entwaffnen wollten. Einen Polizisten tötete er dabei. [3][In Reutlingen
       richtete vor drei Jahren ein Mann in seiner Wohnung eine Waffe auf
       Polizisten], die ihn im Rahmen der Ermittlungen gegen eine des Terrors
       verdächtige Reichsbürgerzelle als Zeugen hören wollten. Beim folgenden
       Schusswechsel wurde ein SEK-Beamter am Arm verletzt.
       
       Das Landratsamt in Neumarkt blieb am Freitag geschlossen, Kondolenzbücher
       wurden dort ausgelegt. Die Gewerkschaft Verdi forderte, Schutz und
       Präventionskonzepte für Beschäftigte im Außendienst zu überprüfen und
       weiterzuentwickeln. „Niemand darf bei der Erfüllung seiner beruflichen
       Aufgaben um sein Leben fürchten müssen“, sagte der Geschäftsführer von
       Verdi Oberpfalz, Alexander Gröbner.
       
       Die Grünen forderten Innenminister Herrmann auf, am kommenden Mittwoch im
       Innenausschuss des Landtags die Hintergründe der Tat darzustellen. An
       diesem Tag wird Herrmann ohnehin vor dem Ausschuss über die Messerattacke
       an einem Gymnasium in Schongau berichten, bei der zwei Mädchen schwer
       verletzt wurden.
       
       Ronja Endres, Vorsitzende der bayerischen SPD, forderte indes, das
       Innenministerium soll prüfen, wie sich der Schutz der Beschäftigten bei
       solchen Einsätzen verbessern lasse: „Ist es vertretbar, Beschäftigte der
       Verwaltung ohne polizeiliche Begleitung zu Kontrollen zu schicken, bei
       denen sie auf Menschen mit Zugang zu Schusswaffen treffen?“
       
       9 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sueddeutsche.de/bayern/berngau-in-der-oberpfalz-jaeger-mit-zehn-waffen-motivsuche-beim-schuetzen-von-berngau-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-261008-930-809866
 (DIR) [2] /Reichsbuergerprozess-in-Nuernberg/!5444846
 (DIR) [3] /Reichsbuerger-schiesst-auf-Polizisten/!5920341
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
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