# taz.de -- Rassismus im Sport: US-Tennisstar Coco Gauff macht ihr Handy aus
> Nach einem erneuten rassisistischen Shitstorm gegen sie sagt
> US-Tennisspielerin Coco Gauff ihre Teilnahme am letzten WTA-1000-Turnier
> des Jahres ab.
(IMG) Bild: Coco Gauff nach ihrer Niederlage gege Elise Mertens bei den China Open in Peking
Coco Gauff ist 22 Jahre alt, und dies ist ihr Mittel gegen Rassismus: „Ich
schalte einfach mein Handy aus und mache weiter. Ich meine, da kann man
nichts machen.“ Die Profi-Tennisspielerin, die zweimal einen
Grand-Slam-Titel gewonnen hat, hat ihre Teilnahme beim letzten
WTA-1000-Turnier, das im chinesischen Wuhan ausgetragen wird, abgesagt.
Die offizielle Begründung, die sie gibt und die auch von der WTA, der
Frauentennisvereinigung, verbreitet wird, lautet, dass sie physisch schwach
ist. „Nach einem langen Jahr braucht mein Körper etwas Zeit zur Ruhe und
Erholung.“ Das sagte sie, nachdem sie bei den China Open gegen die
Belgierin Elise Mertens mit 6:3, 6:3 verloren hatte. „Ich habe keine
Energie. Ich versuche es, aber ich habe keine Energie“, hatte sie geklagt.
„Ich kann den Ball nicht sehen, ich habe das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu
fallen. Ich werde einfach versuchen, das Match zu Ende zu spielen.“
Was zum Saisonende nachvollziehbar ist, überrascht doch. „Es kommt äußerst
selten vor, dass Gauff Turniere dieser Kategorie auslässt“, schreibt
[1][Ava Wallace], Tennisexpertin von The Athletic. Tatsächlich hat Gauff
seit 2024 keines dieser Turniere verpasst, schließlich gibt es dort
wertvolle Weltranglistenpunkte, und das sportliche Niveau ist knapp unter
dem der Grand-Slam-Turniere angesiedelt.
Tatsächlich ist nicht nur Wallace aufgefallen, dass [2][Gauffs] schlechter
Gesundheitszustand mitgeteilt wurde, nachdem sie zwei Tage zuvor wieder
Opfer eines rassistischen Shitstorms geworden war. Beim Zweitrundenmatch
gegen das 16-jährige chinesische Talent Sun Xinran beim Turnier in Peking
war sie von einer blinkenden LED-Anzeige gestört worden. Sie hob, wie es
die Regel vorsehen, die Hand, um das Spiel zu unterbrechen.
## „Wahnsinnige“ Menge an Hass
Weil sie das tat, als Sun mit einem Volley einen Punkt schlug, der sie in
die Nähe des Satzgewinns gebracht hätte, gab es Unmut. Dabei hat Gauff die
Regeln auf ihrer Seite, und nach Überprüfung wurde ihrem Begehren auch
recht gegeben: Der Ballwechsel wurde wiederholt, Gauff gewann.
Gleichwohl erntete Gauff eine, wie sie mitteilte, „wahnsinnige“ Menge an
rassistischen Kommentaren in Social Media, darunter auch sehr viele
Direktnachrichten. Noch nach ihrer Niederlage gegen Mertens sprach sie
darüber, wie belastend dieser Hass für sie ist.
Seit Gauff in der Weltklasse spielt, ist die Afroamerikanerin Hassattacken
ausgesetzt. Vergangenes Jahr berichtete sie auf einer Pressekonferenz, sie
erhalte Nachrichten „mit dem Schlimmsten, das man sich vorstellen kann.“ Es
habe Morddrohungen gegen sie und ihre Familie gegeben. „Es gab Leute, die
sogar meinem Freund und meinem Freundeskreis Nachrichten schickten.
Beleidigungen, rassistische Kommentare, Nacktfotos, die ganze Bandbreite.“
Nicht nur wegen dieser [3][Erfahrungen], die viele Tennisspielerinnen
machen, hat die WTA eine mithilfe künstlicher Intelligenz geschützte
Überprüfung dieser Hasskommentare eingeführt, die von einer Firma namens
Threat Matrix vorgenommen wird. Erst vor wenigen Wochen wurde der Bericht
für das Jahr 2025 vorgestellt. Mehr als 12.000 beleidigende Beiträge wurden
auf X, Instagram, Youtube, Tiktok und Facebook festgestellt. Das ist eine
etwa gleich hohe Zahl wie 2024. 66 Prozent der üblen Beleidigungen wurden
entfernt. Gegen 12 Personen, denen 35 Konten zugeordnet werden können,
wurde Strafanzeige erstattet. Die meisten der Täter sind Menschen, die bei
Sportwetten verloren haben und dafür die Sportlerinnen hassen.
## Strafanzeigen und Appelle
„Auch wenn die Angriffe von einer relativ geringen Anzahl von Konten
ausgehen, können sie erhebliche Auswirkungen haben“, erklärte der
Spielerrinnenrat der WTA. Gerade Morddrohungen, die ins private Umfeld
gelangen, haben die WTA alarmiert. Der Spielerinnenrat fordert entsprechend
ein „gemeinsames Vorgehen von Social-Media-Firmen,
Strafverfolgungsbehörden, Sportverbänden und der Wettbranche“.
Auch Coco Gauff sieht das so. „Ich wäre aber sehr glücklich, wenn sich
einige der sozialen Medien mit beteiligen würden“, hatte sie vor einem Jahr
gesagt. „Wir sind ja nicht die Einzigen, die betroffen sind. Es sind wir,
Influencer, andere Sportler, die Ziel solcher Kommentare werden.“
Nun, nach der jüngsten Welle der Beleidigungen, scheint Gauff vor allem
frustriert zu sein. „Man kann mich mögen oder anderer Meinung über das
sein, was passiert ist, ohne rassistisch zu sein“, schrieb sie nach dem
umstrittenen Zweitrundenspiel von Peking. „Ich finde es seltsam, dass ich
dafür angefeindet werde, dass ich mich an die Regeln gehalten habe.“ Dass
ihre Gegnerin Sun Xinran empört sei, verstehe sie, aber: „Ich habe mich
nach dem Match für die Situation entschuldigt und sie hat volles
Verständnis gezeigt.“
Jetzt macht Coco Gauff erst mal Pause. Das Handy ist ausgeschaltet.
8 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.nytimes.com/athletic/7668724/2026/10/07/coco-gauff-out-fatigue-wuhan-open-tennis-season/
(DIR) [2] /Im-Spiel--und-Redefluss/!5956517/
(DIR) [3] /Diskriminierung-im-Tennis/!5030585
## AUTOREN
(DIR) Martin Krauss
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