# taz.de -- Repressionen in Russland: Festnahmen und Misshandlungen von Putin-Kritikern
       
       > Im Nachgang zu den Duma-Wahlen in Russland im September rechnet der Kreml
       > mit seinen Kritiker:innen ab. Auch die Kommunistische Partei ist
       > davon betroffen.
       
 (IMG) Bild: Gedenkveranstaltung der KPRF: Gennadij Sjuganow grüßt junge Teilnehmer, die Porträts der Opfer von 1993 zeigen. 4. 10. 2026, Moskau
       
       „Nieder mit dem Zaren!“ Wer sich in Russland traut, laut auszusprechen, was
       andere nur denken, bekommt die Folgen prompt zu spüren. Am Sonntag nahm die
       Polizei in Moskau mehr als 60 Personen, vor allem junge Leute, bei einer
       Kundgebung mit daran anschließendem Demonstrationszug fest. Das ist allein
       schon deshalb eine beträchtliche Größenordnung, weil politische
       Versammlungen in der Hauptstadt im der Regel gar nicht erst genehmigt
       werden.
       
       Aufgerufen zu der Veranstaltung hatte die Kommunistische Partei KPRF
       anlässlich des 33. Jahrestages der gewaltsamen Beendigung eines
       Machtkampfes um den zukünftigen politischen Kurs Russlands. Der damalige
       russische Präsident Boris Jelzin hatte am 4. Oktober 1993 den Befehl
       erteilt, gegen wiederständige Anhänger:innen des
       Volksdeputiertenkongresses und des Obersten Sowjets Schusswaffen
       einzusetzen. Dabei kamen nach offiziellen Angaben 158 Menschen ums Leben,
       tatsächlich dürften es weitaus mehr gewesen sein.
       
       Doch die Gedenkveranstaltung mit rund 2.000 Teilnehmmer:innen lief aus
       dem Ruder, da der langjährige Parteivorsitzende Gennadij Sjuganow seine
       Basis offensichtlich nicht fest genug im Griff hat. Bei der Kundgebung war
       gar der altbekannte, gegen die Kremlpartei Einiges Russland gerichtete
       Slogan „Nieder mit der Partei der Betrüger und Diebe“ aus Zeiten der
       Großproteste gegen unfaire Wahlen in den Jahren 2011 und 2012 zu hören.
       
       Die KPRF zählt zur sogenannten Systemopposition, die zwar moderate Kritik
       an den Verhältnissen üben darf, auf die bei Parlamentsabstimmungen aber im
       Sinne des russischen Machtapparats immer Verlass ist. Ausrutscher erlauben
       sich die Kommunist:innen selten.
       
       ## Aus dem Verkehr gezogen
       
       Allzu eigensinnige Kader, wie der äußerst populäre Kremlkritiker Nikolai
       Bondarenko aus Saratow, werden konsequenterweise aus dem Verkehr gezogen.
       [1][Die russische Wahlkommission hatte Bondarenkos Kandidatur für die
       Dumawahlen am 20. September annulliert]. Das löste in der KPRF Empörung
       aus, der sich die Demonstrierenden durch Solidaritätsaufrufe für Bondarenko
       Luft machten.
       
       Ihre lautstarke Unterstützung galt zudem dem linken Aktivisten Dmitrij
       Morosow, der am vergangenen Freitag festgenommen worden war. Wegen
       angeblichen Drogenbesitzes droht ihm nun eine Haftstrafe bis zu zehn
       Jahren. Dem 27-Jährigen war es wenige Tage zuvor in seiner Heimatstadt
       Ischewsk gelungen, einen Teilsieg gegen die Stadtverwaltung zu erringen.
       Diese hatte zuvor die Genehmigung einer Kundgebung für faire Wahlen unter
       einem Vorwand verboten.
       
       Ein Gericht verfügte, dass ein alternativer Veranstaltungsort gefunden
       werde müsse. [2][Nach dem erwarteten haushohen Wahlsieg von Einiges
       Russland mit 349 von 450 Duma-Mandaten] üben die Strafverfolgungsorgane
       systematisch Vergeltung gegen jene, die ihre Zweifel an der Rechtmäßigkeit
       des Wahlergebnisses in die Öffentlichkeit tragen.
       
       ## Gebrochenes Schienbein
       
       Bereits am 25. September war der Moskauer Politologe Alexander Kynew
       verhaftet worden. Derzeit befindet er sich in einem Haftkrankenhaus. Bei
       der Festnahme wurde ihm ein Schienbein gebrochen. Auf Kynews fundierte
       Expertise als Wahlanalytiker stützen sich viele Medien, denn er ist einer
       der letzten seiner Art, der es wagt, sich so zu exponieren.
       
       Seit Februar listen die russischen Behörden Kynew als „ausländischen
       Agenten“. Dass er Russland damals trotzdem nicht verlassen hat, um seine
       Arbeit weiterführen zu können, brachte ihm unter Exilruss:innen nicht
       nur Lob, sondern auch Häme ein, nach dem Motto: Die Verhaftung geht auf
       sein eigenes Konto
       
       Dem sportbegeisterten und auf einen gesunden Lebensstil bedachten Kynew
       wird die illegale Herstellung, der Vertrieb bzw. die Verbreitung von
       Betäubungsmitteln in großem Umfang vorgeworfen. Darauf stehen zehn bis
       zwanzig Jahre Haft.
       
       5 Oct 2026
       
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