# taz.de -- Konflikte bei Irland-Israel-Spiel: Fußball nur im Abseits
> Das Nations-League-Spiel zwischen Israel und Irland ging 1:1 aus. Nach
> all dem Streit, einer wütenden Pressekonferenzen und einem Spuckvorwurf
> ging es wenig um Sport.
(IMG) Bild: Rudelbildung beim Nationcup-Duell Republik Irland gegen Israel, am 4. 10. 2026
Irlands Fußballer sind im Stich gelassen worden – von ihrer Regierung, von
ihrem Verband und vom internationalen Verband Fifa. Es sind junge Männer,
deren Alltag von ihren Vereinen organisiert wird. Sie müssen sich weder um
ihre Ernährung noch um Einkäufe oder das Eröffnen eines Bankkontos kümmern.
Aber nun sollten sie eine weitreichende politische Entscheidung treffen,
während sie von der ganzen Welt interessiert beobachtet wurden. Am Ende
entschieden sie sich dagegen, die beiden Fußballspiele im
[1][Nations-League-Wettbewerb] gegen Israel zu boykottieren.
Es war eine geheime Abstimmung, aber natürlich ist das Ergebnis
durchgesickert, und damit müssen die Spieler leben. Lediglich Ersatzkeeper
Gavin Bazunu beschloss, den Spielen fernzubleiben. Er wurde dafür in den
sozialen Medien als „Israelhasser“ von Menschen beschimpft, die sein
keineswegs hassvolles Statement offensichtlich nicht gelesen haben.
Die Iren hielten [2][sowohl beim 3:0-Sieg im ungarischen Debrecen] vor acht
Tagen als auch beim „Heimspiel“, das aus Sicherheitsgründen ins serbische
Bačka Topola verlegt worden war und gestern unentschieden ausging, ihre
Köpfe bei der israelischen Hymne gesenkt. Gestern liefen beide Teams mit
schwarzen Armbinden auf – die Iren in Gedenken „all derer, die in diesem
Konflikt ihr Leben verloren haben“, die Israelis in Gedenken an die Opfer
des Hamas-Massakers vom 7. Oktober.
## Sechs israelische Vereine mit Sitz in illegalen Siedlungen
Die Pressekonferenz am Samstag endete im Eklat. Eine israelische
Journalistin beschuldigte Irlands isländischen Trainer Heimir Hallgrímsson,
er befürworte das versuchte Attentat auf den FlyDubai-Flug nach Tel Aviv:
„Die Menschen, die Sie unterstützen – deren Ideologie basiert auf Mord“,
sagte sie.
Ihr Kollege erhob den Vorwurf des Rassismus gegen die irischen Spieler in
Verdrehung der Tatsachen: Es waren die israelischen Fans, die in Debrecen
Irlands schwarze Spieler beleidigt, sowie „IDF“ skandiert hatten. Die Uefa
schloss die beiden israelischen Journalisten von der Pressekonferenz nach
dem Spiel aus.
Schon vor dem ersten Spiel musste Hallgrímsson zur Hamas und zu seiner
Entscheidung, von 2018 bis 2021 in Katar zu arbeiten, sowie zum Spiel
Irlands gegen Nazideutschland im Jahr 1936 Stellung beziehen. Er hatte
zunächst geäußert, man spiele nicht mit Genozid, sondern gegen Genozid,
entschuldigte sich dafür aber mehrmals, und die Entschuldigung wurde von
israelischer Seite angenommen.
Aber die Frage, [3][ob es ein Genozid] ist oder nicht, ist in der Debatte
um das Fußballspiel nebensächlich. Israel hat in der Nations League oder in
sonst einem internationalen Wettbewerb aus anderen Gründen nichts zu
suchen. Fakt ist, dass mindestens sechs Vereine mit Sitz in illegalen
Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten in israelischen
Ligen spielen.
## Am Ende waren alle froh, dass es vorbei war
Das verstößt nicht nur gegen das Völkerrecht, sondern auch gegen die
Statuten der Fifa. Artikel 64.2 dieser Statuten besagt: „Mitgliedsverbände
und ihre Vereine dürfen ohne die Zustimmung eines anderen Mitgliedsverbands
nicht auf dessen Gebiet spielen.“
Wenn nicht mal die Fifa ihre eigenen Regeln durchsetzt, welche Chance haben
dann die Fußballer? Die Spannungen zwischen den Mannschaften waren bei
jedem Zweikampf deutlich zu spüren. In der Halbzeitpause soll ein
israelischer Spieler einen irischen Funktionär angespuckt haben, die Sache
wird von der Uefa untersucht.
Am Ende waren alle froh, dass es vorbei war. Zwei Wochen mit geräuschvollen
und hitzigen Debatten, feindseligen Pressekonferenzen und wütenden
Statements der Regierungspolitiker beider Länder endeten in der bizarren
Stille einer serbischen Kleinstadt, wo das Spiel ohne Zuschauer in einem
leeren Stadion stattfand.
Hallgrímsson forderte die Uefa auf, seine Mannschaft bei künftigen
Auslosungen von Israel fernzuhalten, nachdem die beiden Begegnungen, wie er
sagte, „für uns alle eine harte Probe waren“.
5 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fazit-der-DFB-Laenderspiele/!6218874
(DIR) [2] /Aufregung-in-Irland-vor-Duell-mit-Israel/!6215894
(DIR) [3] /Israel-Resolution-von-Genozidforschern/!6107891
## AUTOREN
(DIR) Ralf Sotscheck
## TAGS
(DIR) Nahost-Debatten
(DIR) Nations League
(DIR) Fußball
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) talkshow
(DIR) Irland
(DIR) Kolumne Press-Schlag
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nahostkonflikt im irischen Fußball: Vom geringen Wert jüdischen Kickens
In Irlands Fußball gibt es eine starke Anti-Israel-Bewegung. Jüdische
Spieler fühlen sich hinausgedrängt.
(DIR) Fußball bewegt Palästina-Frage: Stimmen der Diaspora
Auch wenn es in deutschen Medien sonst kaum vorkommt: Propalästinensische
Proteste bewegen Fußballfans auch während der WM. Nicht nur dank Ägypten.
(DIR) Streit um Fußball-Fans aus Israel: Polizei ließ sich von Vorurteilen leiten
Maccabi Tel Aviv kickte 2025 bei Aston Villa. Ein offizieller Bericht
zeigt: Die Sicherheitsanalyse der Polizei über israelische Fans war falsch.