# taz.de -- „Bittere Bilanz“ für Meeressäuger: Walschutzgebiet im Südatlantik scheitert erneut an Blockade
       
       > Seit den 1990ern wird um ein Schutzgebiet im Südatlantik gerungen. Wieder
       > fehlte bei der Walfangkommission die Mehrheit. Umweltschützer sind
       > empört.
       
 (IMG) Bild: Keine Mehrheit für Wale und Delfine – das gezielte Töten der Meeressäuger kann weitergehen
       
       dpa | Die Einrichtung eines neuen Walschutzgebiets im Südatlantik ist bei
       der Konferenz der Internationalen [1][Walfangkommission] (IWC) im
       australischen Hobart erneut gescheitert. Der von [2][Argentinien, Brasilien
       und Uruguay] schon Ende der 1990er Jahre eingebrachte Vorschlag verfehlte
       die erforderliche Dreiviertelmehrheit um vier Stimmen, wie Teilnehmer
       berichteten. Es wäre weltweit das dritte Schutzgebiet für Wale nach einem
       in der Antarktis und einem im Indischen Ozean gewesen.
       
       Deutschland stimmte für das Schutzgebiet. Wichtige weitere Unterstützer wie
       Finnland und Luxemburg seien nicht vor Ort auf der Insel Tasmanien gewesen,
       während die Gegner ihre Blockade aufrechterhalten hätten, teilte die
       Umweltschutzorganisation Greenpeace mit.
       
       „Das geplante Schutzgebiet im Südatlantik – mehr als doppelt so groß wie
       die USA – hätte den Meeresschutz einen wichtigen Schritt vorangebracht und
       das Momentum für weitere Schutzmaßnahmen geliefert“, sagte Franziska
       Saalmann, Meeresbiologin bei [3][Greenpeace], die die Verhandlungen vor Ort
       begleitete. „Diese Konferenz hätte ein historischer Erfolg zum 40.
       Jahrestag des Walfang-Moratoriums werden können“, betonte sie.
       
       Doch auch im 80. Jahr des IWC-Bestehens werde der weltweite Schutz der Wale
       von den immer gleichen Ländern ausgebremst – darunter Norwegen, aber auch
       durch die Elfenbeinküste und mehrere Karibikstaaten.
       
       ## Japan schmiedet Walfang-Allianz
       
       Nach ihrem Austritt aus der IWC 2019 hat die Walfangnation [4][Japan] nach
       Einschätzung von Umweltschutzorganisationen eine Allianz aus einigen
       afrikanischen und karibischen Staaten geschmiedet, die nun die Interessen
       Tokios in der Kommission vertritt.
       
       „Es ist empörend, dass Walfangnationen und ihre Unterstützer diesen
       Vorschlag in einer Region, in der sie nicht einmal selbst Wale jagen,
       weiterhin blockieren“, sagte Matt Collis, Experte beim International Fund
       for Animal Welfare (IFAW). Seit mehr als zwei Jahrzehnten stelle sich eine
       Minderheit gegen den Willen der Mehrheit der Anrainerstaaten.
       
       Rund 300 Delegierte aus mehr als 60 Mitgliedsstaaten hatten seit Montag
       über den Schutz und die Nutzung von Walen beraten. Die Kommission, der
       insgesamt 89 Staaten angehören, wurde 1946 gegründet – ursprünglich, um den
       stark industrialisierten Walfang zu regulieren und die Bestände zu
       erhalten. Trotz des 1985/86 in Kraft getretenen weltweiten Moratoriums für
       den kommerziellen Walfang halten Norwegen, Island und Japan bisher an der
       kommerziellen Jagd fest.
       
       Norwegen betonte erneut, Wale müssten grundsätzlich nutzbar sein. Die
       [5][isländische Regierung] hatte zuletzt hingegen angekündigt, im kommenden
       Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den kommerziellen Walfang in
       isländischen Gewässern dauerhaft beenden könnte.
       
       ## Schweiz zieht eigene Resolution zurück
       
       Die Schweiz hatte bereits am Mittwoch eine von ihr selbst eingebrachte
       Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen zurückgezogen – noch
       bevor die bereits angesetzte Arbeitsgruppe über Änderungen am Text
       verhandeln konnte.
       
       „Das Verhalten der Schweiz ist absolut nicht nachvollziehbar und ein
       schwerer Schlag für den Artenschutz: Die Resolution hätte die erforderliche
       Mehrheit problemlos erreicht“, sagte die Meeresschutz-Expertin Mona
       Schweizer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Die Gründe für den
       Rückzug blieben unklar.
       
       Greenpeace sprach von einem „völlig unverständlichen Schritt“. Über 100.000
       Delfine und Kleinwale würden jährlich durch gezielte Jagd getötet – denn
       das Moratorium für kommerziellen Walfang gelte nur für Großwale. Daran
       werde sich nun auch weiterhin nichts ändern. „Für ein Jubiläumsjahr ist das
       eine bittere Bilanz“, betonte Pro Wildlife.
       
       2 Oct 2026
       
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