# taz.de -- US-Vermittler in Moskau und Kyjiw: Diplomaten als Fans
       
       > US-Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner haben Gespräche in Russland
       > und der Ukraine geführt. Viele Fragen bleiben offen, immerhin ist von
       > „neuen Ideen“ die Rede.
       
 (IMG) Bild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Steve Witkoff und Jared Kushner am 6. September in Kyjiw
       
       Nach einer viel beachteten Vermittlermission, [1][die die Unterhändler von
       US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner], am Freitag
       nach Moskau und anschließend nach Kyjiw geführt hatte, haben die
       Beteiligten die Ukraine wieder verlassen. Zurück bleiben offene Fragen und
       das Gefühl, dass der Krieg noch über den Winter hinaus andauern wird. Ein
       Durchbruch konnte dabei nicht erzielt werden.
       
       Immerhin soll es neue Vorschläge geben und die USA wollen offenbar das seit
       Monaten unterbrochene trilaterale Gesprächsformat zwischen Washington,
       Moskau und Kyjiw wiederbeleben. Da bei den Verhandlungen in Kyjiw auch
       Vertreter europäischer Länder mit am Tisch saßen, ist davon auszugehen,
       dass die Europäer in künftige Verhandlungen wieder mehr einbezogen werden
       sollen.
       
       Konkrete Ergebnisse oder Vorschläge wurden nicht bekannt. Der
       US-Sondergesandte Witkoff sagte lediglich auf einer Pressekonferenz in
       Kyjiw, Russland und die Ukraine müssten zu Kompromissen bereit sein. Weder
       das offizielle Moskau noch das offizielle Kyjiw erklärten konkret, was in
       Moskau und Kyjiw besprochen worden ist.
       
       Man habe in Moskau neue Ideen gehört, zitiert das ukrainische Portal
       obozrevatel.com Steve Witkoff, der jedoch nicht näher ins Detail gehen
       wollte. Ähnlich unkonkret äußerte sich Putin-Berater Juri Uschakow. Witkoff
       und Kushner hätten „eine Reihe von Ideen zu möglichen Wegen für eine
       Einigung skizziert“, sagte er.
       
       ## Nur Mutmaßungen
       
       Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, die amerikanischen Vermittler
       hätten „einige neue Ideen“. Diese müssten nun geprüft werden. Viel
       Konkretes wurde allerdings auch in Kyjiw nicht bekannt. Welche Forderungen
       die US-Unterhändler aus Moskau für die ukrainische Seite im Gepäck hatten,
       lässt sich daher bislang nur vermuten.
       
       Wahrscheinlich ging es dabei unter anderem um den Abzug der ukrainischen
       Truppen aus dem Donbass, einen neutralen Status der Ukraine sowie
       weitergehende Rechte für die russische Sprache. Selenskyj sagte
       anschließend, derzeit sehe es danach aus, dass der Krieg auch im Winter
       weitergehen werde. Die Ukraine setzt deshalb auf ein amerikanisches
       „Winterpaket“ mit zusätzlicher Unterstützung für die Luftverteidigung und
       den Energiesektor.
       
       „Die Mission ist gescheitert. Leider (oder vielleicht auch zum Glück)
       verlief alles wie erwartet – ohne konkrete Ergebnisse“, formuliert der
       Politologe Wolodymyr Fesenko. Aber so sei nun mal eine Mission. Und
       deswegen müsse sie fortgesetzt werden. „The show must go on“, fährt er fort
       und schiebt nach, dass man vielleicht mal die Hauptdarsteller auswechseln
       solle.
       
       Zuvor hatte er den „unterwürfigen“ Auftritt von Steve Witkoff gegenüber
       Wladimir Putin kritisiert. Bei dem Treffen mit Putin im Kreml am 5.
       September 2026 hatte Witkoff gesagt, er und Jared Kushner hätten sich vor
       dem Gespräch darüber unterhalten, dass sie sich im Ruhestand an all die
       unglaublichen Geschichten im Rahmen ihrer Arbeit zurückerinnern würden –
       und die Treffen mit Putin werde dabei ganz oben stehen.
       
       ## Angst vor weiteren Angriffen
       
       Ähnlich negativ über den Moskau-Besuch der beiden äußerte sich der Aktivist
       Mustafa Nayyem. Natürlich müssten Diplomaten höflich sein, so Nayyem auf
       seiner Facebook-Seite. Aber ein Diplomat dürfe nicht wie ein Fan wirken.
       „Ich habe Angst“ kommentiert Serhij Jagodsinski, Blogger und Professor an
       der Europäischen Universität in Kyjiw. Denn mit der Abreise von Kuschner
       und Witkoff am Montag [2][dürfte auch die völlige Ruhe, die während ihres
       Aufenthalts in Kyjiw geherrscht habe, vorbei sein].
       
       Drei Tage lang hatten die Bewohner von Kyjiw und Moskau keine Luftangriffe
       zu befürchten, hatten sich doch Putin und Selenskyj verpflichtet, für die
       Dauer der dreitägigen Gespräche die jeweiligen Hauptstädte nicht
       anzugreifen. In den vergangenen Tagen waren die Geschäfte und
       Einkaufszentren in Kyjiw bei strahlendem Sommerwetter so voll wie schon
       lange nicht mehr.
       
       7 Sep 2026
       
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