# taz.de -- Satire mit Tom Cruise: Warum floppt der Film „Digger“ so dermaßen?
> Auch Social-Media-Kampagnen mit dem publikumsscheuen Tom Cruise erhöhen
> nicht die Zuschauerzahlen. Was macht Erfolg oder Misserfolg eines Films
> aus?
(IMG) Bild: Die Zahlen sehen nicht gut aus für Digger
Zugegeben: „Nobody digs Digger“ ist ein arg offensichtliches Wortspiel.
Doch es stimmt. Das ausbleibende Publikum beschert den
Warner-Bros.-Studios, die den [1][neuen Film von Alejandro González
Iñárritu] produzierten, nach aktuellen Berichten einen Verlust von bis zu
250 Millionen Dollar.
Anscheinend will niemand die bittere Satire über einen Ölmagnaten sehen,
dem der Klimawandel und das Ende der Welt am faltigen Popöchen vorbeigehen,
solange er nur seine Katze nominell am Leben erhalten kann. Selbst wenn der
Magnat von einem der bekanntesten Gesichter der Traumfabrik gespielt wird:
„Das Ende von Tom Cruise“ unkt eine Überschrift, ein „historischer
Hollywood-Flop“ oder das „größte Hollywood-Fiasko aller Zeiten“ titeln
andere.
Weil sich über Geschmack nicht streiten lässt, vor allem aber, weil es bei
einem derartig profilierten Projekt um weit mehr geht, sind die
Hintergründe interessant. Was also ist der wahre Grund für den Misserfolg?
Das Branchenblatt Variety macht unter anderem die Risikobereitschaft des
Studios, die sich in der ungewöhnlichen Paarung Cruise/Iñárritu zeigt, und
das Desinteresse des Mainstream-Publikums an künstlerisch Ungewöhnlichem
verantwortlich: „Selbst ein Duo mit einem solchen Renommee erhält
heutzutage keinen Freibrief mehr, um einen Film zu drehen, der sich
dezidiert nicht an ein Massenpublikum richtet“, schreibt die Zeitung.
## Film floppt trotz Tom Cruise
Viele angebliche Analysen weisen zudem darauf hin, dass gerade Filme mit
Tom Cruise üblicherweise den Großteil ihrer Einnahmen international
einsammelten – und auch das scheint bei „Digger“ nicht zu funktionieren.
Die Marketing-Versuche des sonst publicityscheuen Hauptdarstellers, die
sich in seiner Präsenz bei Interviews zeigten, sowie eine neue
Social-Media-Kampagne des Studios, die scherzhaft die schlechten Kritiken
verarbeitete, verpufften ebenfalls.
All das sagt jedoch noch nichts über den Film an sich aus. Denn könnte es –
in einer vorsichtig hoffnungsvollen Lesart – nicht sein, dass das Problem
an „Digger“ mehr inhaltlicher Natur ist? Dass der Film einfach nicht
ankommt, weil der breitbeinige Zynismus von Iñárritus Geschichte, der auch
durch den als größtes Geheimnis seit der Rongorongo-Osterinsel-Schrift
gehandelten Plottwist (der in Wahrheit eine ziemlich unwichtige
Angelegenheit ist) nicht geschmälert wird, vielen potenziellen
Zuschauer:innen schlichtweg aufstößt?
Weil selbst Sandra Hüller in einer anstrengenden, unkomischen Schrei-Rolle
ihn nicht retten kann? Weil in Zeiten, in denen zynische,
menschenverachtende Milliardäre die Erde schröpfen, niemand mehr Filme über
zynische, menschenverachtende Milliardäre sehen will, die die Erde
schröpfen?
## Andere Satiren sind erfolgreicher
Sondern vielleicht lieber ebenfalls außergewöhnliche Satiren über
trottelige, aber gutherzige Ex-Partisanen, die rechten Militärfreaks ans
Bein pinkeln? Oder, apropos Rongorongo, eine auf den Osterinseln spielende
Satire, die zwar einerseits Ignoranz, andererseits aber auch Freundschaft
und Todesangst thematisiert?
Paul Thomas Andersons „[2][One Battle After Another“], der Film mit der
starken Linken, hatte bekanntlich im letzten Jahr einen Siegeszug durch
Kinos und Preisverleihungen angetreten; Martin McDonaghs „Wilde Horse Nine“
mit einem menschen-, aber eindeutig auch USA-verachtenden, todkranken
CIA-Agenten versucht es aktuell.
Und da die USA kulturell eh nicht der Nabel der Welt sind, könnte man
nebenbei darüber jubilieren, dass ein Film wie „Vaterland“, der zu Messiaen
und Bach-Musik behutsam die Verletzungen eines Volkes und einer Familie
verarztet, hierzulande gerade die 500.000-Zuschauer:innen-Marke geknackt
hat. Das freut einen dann auch wieder für Sandra Hüller.
19 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jenni Zylka
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