# taz.de -- Protest gegen AfD-Büros in Berlin-Mitte: Gegen die schleichende Normalisierung
       
       > Nach dem Rauswurf ihrer Geschäftsstelle in Wittenau hat die AfD neue
       > Büros in Mitte angemietet. Der Kiez leistet jedoch Widerstand.
       
 (IMG) Bild: Bunt gegen Blau: AfD-Gegner:innen protestieren gegen den Einzug der Partei in Berlin-Mitte
       
       Ein kleines aus einer Palette gebautes Podium direkt vor der Tür des
       denkmalgeschützten ehemaligen Verwaltungsgebäudes. Rechts davon sitzen
       RednerInnen vor dem Hauseingang vom benachbarten Bistro. Die Fassade ist
       mit einer Girlande verziert. „Mitte liebt Vielfalt“ hängt in bunten
       Großbuchstaben vor dem Fenster und hellt die grau-gelbe Fassade auf. Hier,
       unweit der Jannowitzbrücke in Berlin-Mitte, soll die AfD bald neue Büros
       beziehen, eine Initiative protestiert am Donnerstagnachmittag dagegen.
       
       [1][Die Partei hatte im September ihre Bundesgeschäftstselle in Wittenau
       räumen müssen], nur der Landesverband der AfD darf wohl in Reinickendorf
       bleiben. Was genau die Partei mit den neuen Räumen in Mitte vorhat, ist
       vorerst unklar, die Bundesgeschäftsstelle solle aber nicht einziehen, hieß
       es.
       
       Die Büroräume wurden von einer Strohfirma der AfD, der Castel del Monte
       Immobilien GmbH, angemietet. Unter Firmennamen zu mieten, ist eine Taktik
       der AfD. [2][Das soll dabei helfen, besser an Immobilien zu kommen, denn
       damit hatte die Partei in der Vergangenheit öfter Probleme.]
       
       ## Bunter Protest
       
       Die Kundgebung vor dem Gebäude ist bunt durchmischt. Nach Angaben der
       Veranstalter protestieren etwa 200 Menschen gegen die AfD. Neben einigen
       Bannern wird auch die Fahne der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
       – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BDA) geschwungen. Auch
       für Musik ist gesorgt – zwischen Redebeiträgen spielt jemand Waldhorn, eher
       schüchtern wird „Bella Ciao“ angestimmt.
       
       Redebeiträge der Initiativen „Mitte liebt Vielfalt“ und „Apollo Nö“ folgen,
       sie fordern „der Angst zu widerstehen“ und ein Verbotsverfahren gegen die
       AfD. Die jungen SprecherInnen erzählen vom vielfältigen Kiez, in dem, trotz
       große Unterschiede, alle auf einen Nenner kommen: In Mitte ist kein Platz
       für die AfD.
       
       Konkret geht es um die 5. Etage in dem Bürobau am Köllnischen Park 1. Als
       die Pläne im Juli bekannt wurden, riefen Anwohner:innen die Initiative
       „Mitte liebt Vielfalt“ ins Leben und starteten eine Petition auf „We Act“.
       Nun wurden [3][knapp 25.000 Stimmen gegen einen Einzug bei den
       Vermieterinnen abgegeben]. Die Forderung: Die Immobilienagentur Arose GmbH
       soll die Vermietung an die AfD und ihre Unterfirmen unterlassen und sich
       öffentlich gegen Rechtsextremismus positionieren.
       
       ## Sorgen der Nachbarschaft
       
       Ansässige im Haus, wie eine Sprachschule und der Arbeiter-Samariter-Bund
       (ASB), sind besorgt um die eigene Sicherheit: „Das sind verschiedene
       Organisationen, die sich alle für eine vielfältige Gesellschaft und für die
       Schwächsten einsetzen, und die AfD steht dem ja wirklich konträr entgegen“,
       so ein Mitarbeiter des Hauses, der lieber anonym bleiben will.
       
       Ein Mitglied der Initiative, das ebenfalls anonym bleiben will, sieht die
       Standortwahl der AfD als bewusste Entscheidung. „Die Strategie ist, sich in
       der Mitte der Gesellschaft zu verorten.“ Das führe nicht nur zu einer
       Normalisierung der in Teilen rechtsextremen Partei, sondern die AfD wolle
       sich als Teil des Bezirks darstellen.
       
       Noch vor der Kundgebung hat das Bündnis der Firma Arose an ihrem Sitz in
       Dahlem die Petition inklusive aller Unterschriften überreicht. Dort blieben
       die Tore aber verschlossen. Den Zutritt zur Eingangstür, geschmückt mit
       vier Überwachungskameras und einem automatischen Eingangstor, hatte die
       Immobilienfirma nach mehrfachem Klingeln verwehrt, also warfen die
       AktivistInnen die Petition in den Briefkasten.
       
       Unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg der Petition will das Bündnis
       weitermachen. Zukünftig planen sie, die Nachbarschaft besser zu vernetzen
       und Räume zu schaffen, an denen unterschiedliche Menschen ins Gespräch
       kommen können – eine Art „Runder Tisch“. Dazu seien alle eingeladen.
       „Solange sie auf dem Boden der Demokratie stehen“, sagt ein Redner der
       Kundgebung.
       
       1 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Vermieter-gewinnt-Klage-gegen-AfD/!6115982
 (DIR) [2] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2026/02/11/die-immobilien-deals-der-afd-tarnfirmen-erpressungsvorwuerfe-und-eine-erfundene-adelige-hans-holger-malcomess-carsten-huetter/
 (DIR) [3] https://weact.campact.de/petitions/afd-einzug-in-berlin-mitte-stoppen
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Mayer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD in Berlin
 (DIR) Berlin-Mitte
 (DIR) Protestbewegung
       
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       entsetzt.