# taz.de -- Album „Keine Angst“ von Danger Dan: Noch mehr Weimarer Republik
       
       > Danger Dan lässt auf seinem neuen Album „Keine Angst“ mit simplen
       > Arrangements die Luft aus den schwergängigen Texten. Schocken tut an
       > seiner Musik nichts.
       
 (IMG) Bild: Der Georg Kreisler des Deutschrap: Danger Dan
       
       Dass ein Chanson mit antifaschistischer Botschaft eine mehrtägige
       Mediendebatte in Deutschland auslösen kann, klingt ein bisschen nach
       Weimarer Republik. Aber genau so war’s: Vor wenigen Wochen hätte der Song
       „Keine Angst“ von Danger Dan eigentlich während einer Folge der Fernsehshow
       „Die Anstalt“ Bühnenpremiere feiern sollen. Nach einem mutmaßlich
       autoritären Eingriff des ZDF-Intendanten kam es dann zum Streisand-Effekt:
       Der Versuch, das Lied aus dem Programm zu entfernen, [1][machte es] [2][im
       Nachgang nur bekannter].
       
       „Zirka elf Meinungsartikel“, die sich „mitunter widersprochen“ hätten, habe
       er zu dem Lied allein in der taz gefunden, sagte [3][der Künstler kürzlich
       im Interview]. Ganz unerklärlich ist das nicht: Das Stück, in dem unter
       anderem einige Tipps für handfesten Widerstand gegen Rechtsradikale
       vorkommen, berührt nicht nur für Linke empfindliche Fragen der
       Selbstverteidigung.
       
       Schon wieder hatte Danger Dan also einen Nerv getroffen: Auch sein
       Soloalbumdebüt von 2021, „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ –
       das erste Werk abseits seines Rap-Trios Antilopen Gang – thematisierte
       Faschismus und Antifaschismus, es wurde zum Chartshit und war auch vom
       Feuilleton gefeiert.
       
       Letzte Woche ist nun Danger Dans zweites Album, „Keine Angst“, erschienen –
       und wirkt auf den ersten Blick so, als würde es den Erfolg exakt
       fortsetzen: „Die meisten meiner Freunde“ ist ein bittersüßer Auftakt mit
       Stakkato-Akkorden und einem Songtext, der das Spannungsfeld zwischen
       Privatem und Politischem aufmacht. Dass der Künstler den Jakobsweg gelaufen
       ist und sich dabei nicht selbst gefunden hat, erfährt man hier; genauso
       wie, dass es bei „Nicht weiß, was die Liebe wirklich ist“, um
       Vaterlandsliebe geht. So weit, so 2021.
       
       ## In guter deutscher Liedermachertradition
       
       Das darauffolgende Lied „Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen“ entwirft
       auf Textebene die tragisch-komische Vorstellung einer Welt, in der
       Rechtsextreme so belächelt, geringschätzt und belästigt würden, wie es für
       viele Frauen leidlicher Alltag ist. Derart verfolgen viele der Songs auf
       dem Album eine Idee um ihrer selbst willen, locken beim Hören manchmal in
       poetische Fallen, die dann humoristisch aufgelöst werden – und stehen damit
       in guter deutscher Liedermachertradition („In der Roten Rose“, „Der
       Versicherungsvertreter lebe hoch“).
       
       Immer wieder wird die leicht schunkelige Stimmung aber unterbrochen: „Dass
       es hier so schön ist“ beschreibt eine fortschreitende Augenerkrankung des
       Künstlers und seinen Umgang mit der Prognose, eines Tages erblinden zu
       können. Ein andere Introspektive avancierte sogar zur Schlagzeile:
       [4][„Rapper Danger Dan spricht über sein Coming-out“], meldete dpa und
       meinte damit den Song „Warum es nicht geklappt hat“. Davon kann nur
       schockiert sein, wer dem Mann zuvor weder zugehört noch -geschaut hat.
       Schon in „Tesafilm“ (2021) singt Danger Dan davon, Jungs zu küssen – und im
       Videoclip von „Verliebt“ (2015) der Antilopen Gang knutscht er [5][mit]
       [6][Monchi].
       
       Das war schon vor knapp zehn Jahren höchstens für arg konservative Gemüter
       ein Schock. In „Warum es nicht geklappt hat“ geschieht aber viel mehr:
       Danger Dan beschreibt ein Verhältnis zu einem Mann, das er erst
       rückblickend überhaupt als romantisch begreift – und reflektiert in der
       Erkenntnis zugleich sein Männerbild und die latente Homophobie des früheren
       Ichs: „Wo ich herkomme war ‚Homo‘ ’ne Beleidigung […] Bei den Rappern war
       das damals unser Szenecode, dabei war ich eigentlich nie besonders hetero.“
       
       Solche autobiografisch-politischen Stücke gelingen Danger Dan ohne
       Moralismus und Bierernst, musikalisch bleibt „Keine Angst“ allerdings über
       weite Teile mehr ein vertontes Poesie- als Pop-Album. Witzige,
       liebenswürdige und politisch kampfeslustige Momente schafft der Künstler
       vor allem textlich. Sein musikalischer Dilettantismus, den er selbst gern
       betont, ist dem nicht abträglich: Dass die Arrangements aus Klavier und
       Streichern oft einfach bleiben und sein Stimmumfang Grenzen hat, entfaltet
       gerade bei den thematisch schweren Songs erleichternde Simplizität.
       
       Der zeithistorische Rahmen von „Keine Angst“ lädt derweil nicht zum
       Aufatmen, daran erinnert der siebenminütige Titelsong kurz vor dem Ende
       noch einmal eindringlich – und schafft damit den wohl größten Kontrast zum
       Vorgänger. Spätestens hier dämmert die Erkenntnis: Von gestern ist weder
       „Keine Angst“ noch die Aufregung, die es erzeugt. Von gestern ist nur eine
       Welt, in der solche Musik provozieren kann.
       
       7 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Konzert-von-Danger-Dan-und-Igor-Levit/!6198086
 (DIR) [2] /Konzert-von-Danger-Dan-und-Igor-Levit/!6198086
 (DIR) [3] /Danger-Dan-Moralische-Grenzen-verlaufen-nicht-unbedingt-an-derselben-Stelle-wie-juristische-Grenzen/!6214542
 (DIR) [4] https://www.zeit.de/news/2026-09/26/rapper-danger-dan-spricht-ueber-coming-out
 (DIR) [5] /Punksaenger-Monchi-im-Gespraech/!6206560
 (DIR) [6] /Punksaenger-Monchi-im-Gespraech/!6206560
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konstantin Nowotny
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Danger Dan
 (DIR) Neues Album
 (DIR) Chanson
 (DIR) ZDF-Fernsehgarten
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Danger Dan über sein neues Album: „Es geht um antifaschistischen Selbstschutz“
       
       Der Rapper Danger Dan veröffentlicht Songs über Ängste und die Liebe zu
       einem Mann. Hier spricht er über „Keine Angst“ und das ZDF und linken
       Widerstand.
       
 (DIR) Erinnerung an Komponisten Georg Kreisler: Auf keinen Fall Österreicher
       
       Das Schauspiel Frankfurt erinnert an den Komponisten Georg Kreisler. Seine
       Lieder über das Fortbrodeln der braunen Suppe sind traurig aktuell.
       
 (DIR) Danger Dan über Solidarität: „Grüße an Herrn Schleifer“
       
       Rapper Danger Dan spricht über Solidarität mit Menschen, die von Nazis
       bedroht werden, den Pazifismus von Albert Einstein und seine Beziehung zum
       Klavier.