# taz.de -- Straßenbau-Projekt in Reinickendorf: Hoffnung für 116 Bäume
> Das Bezirksamt Reinickendorf hat die Rodungen in der Ollenhauerstraße bis
> Jahresende gestoppt. Die Bäume sollen nach aktuellen Planungen einem
> Radweg weichen.
(IMG) Bild: In diesem Herbst dürfen die Blätter noch ganz natürlich fallen
Die [1][116 zur Fällung vorgesehenen Bäume an der Ollenhauerstraße] in
Reinickendorf können stehen bleiben – jedenfalls bis zum 31. Dezember. Das
hat das Bezirksamt dem Berliner Verwaltungsgericht im Gegenzug zu einer
Fristverlängerung zugesagt: Die Verwaltung sollte eigentlich bis zum 23.
September Stellung in dem Eilverfahren nehmen, das die örtliche
Bürgerinitiative (BI) zusammen mit den NaturFreunden Berlin angestoßen
hatte. Nun hat sie bis zum 16. Oktober dafür Zeit.
Die BI Ollenhauerstraße kämpft seit Monaten gegen die drohende Rodung.
Neben Mahnwachen und Kundgebungen vor Ort [2][hat sie eine Petition
gestartet], die Ende September schon von fast 8.500 Personen unterzeichnet
worden ist. Unter dem Titel „Kahlschlag für Luxus-Straßen-Neubau? NEIN!“
fordert sie ein Moratorium für den vom Bezirk geplanten Umbau der
Ollenhauerstraße sowie eine Umplanung, bei der der Baumbestand erhalten und
verdichtet werden soll – was nach Ansicht der Initiative auch die
Projektkosten von „bis zu 19,5 Millionen Euro“ senken würde.
BI-Sprecher Thomas Rost dankte allen, die den Protest bislang getragen
haben: „Unser Druck-Machen, unsere Beharrlichkeit und vielleicht auch die
Berlin-Wahlen haben eine erste Wirkung erzielt.“ Einen Grund, sich
zurückzulehnen, sieht er allerdings mitnichten. Inhaltlich sei der Konflikt
weiterhin „völlig ungeklärt“ und eine Entscheidung lediglich aufgeschoben.
Der Umbau der maroden Verbindung zwischen dem Kurt-Schumacher-Platz und der
ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, dessen Kosten die Verwaltung
selbst mit 14,5 Millionen Euro beziffert, soll laut Bezirksamt die Straße
nach den Vorgaben des Berliner Mobilitätsgesetzes neu gestalten. Für
Radfahrende ist demnach die Anlage breiter Hochbordradwege vorgesehen,
wodurch die rechte von jeweils drei Spuren auf der Fahrbahn parkenden Autos
zur Verfügung stünde. Bei diesem Konzept stehen jedoch die Bäume im Weg.
## „Die CDU verkennt die Welt“
Angesichts von Hitzesommern, in denen ausgewachsene, schattenwerfende Bäume
dringend benötigt werden, unterstützen auch die RadaktivistInnen von
Changing Cities und dem Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf das
Anliegen der BI. Ragnhild Sørensen von Changing Cities verweist
gleichzeitig auf weitere Fällungspläne wie in der Torstraße oder am
Tempelhofer Damm. „Die CDU verkennt die Welt“, kommentiert sie. Nur für den
Erhalt von Parkplätzen zu kämpfen, greife zu kurz, die Stadt sei „keine
Abstellfläche für Autos“. Die Verwaltung müsse die Fällungen sofort
einstellen – „und der kommenden Regierung das Feld überlassen“.
In der Ollenhauerstraße liegt die Planung nicht in den Händen der
Senatsverkehrsverwaltung, sondern des Bezirksamts. Allerdings haben sich am
20. September [3][auch in Reinickendorf die politischen Gewichte deutlich
verschoben]: Die bislang klar dominante CDU verlor 9 von zuvor 25 Sitzen in
der BVV, die Linke steigerte sich von 2 auf 9 Sitze. Gewachsen ist auch die
AfD, allerdings hatte sich kürzlich auch einer ihrer Bezirksverordneten in
einer Stellungnahme zur Petition gegen die Baumfällungen positioniert.
## Fällungen am Spreeufer
Für zehn große Rosskastanien in Charlottenburg gab es dagegen keinen
Aufschub mehr – die Bäume am Spreeufer wurden vergangenen Freitag unter
Polizeischutz gefällt. Auch hier ging es um einen Konflikt zwischen
eigentlich verwandten Interessen: Die Kastanien standen nach Ansicht der
landeseigenen Berliner Energie und Wärme GmbH ihrer Großbaustelle im Weg,
mit der das Heizkraftwerk Charlottenburg fit für die Klimaneutralität
gemacht werden soll: Wo früher für Fernwärme Kohle verbrannt wurde, sollen
bald Gasturbinenanlagen und elektrische Heißwassererzeuger stehen.
Dabei mussten die Bäume nur weichen, weil an dieser Stelle temporär
Container für die Bauarbeiter aufgestellt werden sollen. Das Bezirksamt
hatte versucht, dies zu verhindern, am Schluss entschied das
Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg dagegen. Umweltstadtrat Oliver
Schruoffeneger (Grüne) teilte mit, die Fällungen seien nicht – wie von der
BEW behauptet – alternativlos gewesen. Bei einer Ortsbegehung mit
Umweltstaatssekretär Andreas Kraus habe man Ausweichmöglichkeiten
angeboten, die offenbar nicht eingehend geprüft worden seien.
„Dies ist eine Niederlage im Zeichen des Klimaanpassungsgesetzes“, so
Schruoffeneger. Der Fall zeige auch deutlich, „dass die übergeordneten
Ziele des Landes Berlin leider bei den landeseigenen Unternehmen noch nicht
mitgedacht werden“.
1 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /In-der-Ollenhauerstrasse-sollen-Baeume-weg/!6197829
(DIR) [2] https://www.openpetition.de/petition/online/berlin-reinickendorf-ollenhauerstrasse-kahlschlag-aller-116-baeume-fuer-luxus-strassen-neubau-nein
(DIR) [3] https://www.wahlen-berlin.de/wahlen/BE2026/Afspraes/bvv/ergebnisse_bezirk_12.html
## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
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