# taz.de -- Alternativer Nobelpreis: Kämpferin für eine bessere Technologie
> Künstliche Intelligenz muss nicht konzernorientiert sein, findet die
> Informatikerin Timnit Gebru. Die Preisträgerin will die Technologie
> alternativ denken.
(IMG) Bild: Timnit Gebru in Palo Alto im September 2026
Ja, es ist möglich: Man kann künstliche Intelligenz gleichermaßen ernst
nehmen, ohne ihre Fähigkeiten zu überhöhen – und trotzdem auf Gefahren und
Defizite hinweisen. Wie, das zeigt die Informatikerin Timnit Gebru. Bekannt
wurde sie 2020, als Google ihr [1][als Co-Leiterin des Teams „Ethische KI“
kündigte – wobei Google damals erklärte, Gebru habe selbst gekündigt] – und
mehr als Tausend Mitarbeiter:innen dem Konzern daraufhin
Diskriminierung vorwarfen und Aufklärung forderten.
Doch schon vor ihrer Zeit bei Google war Gebru eine wichtige und relevante
Stimme der KI-Forschung: So zeigte sie in einer Studie, dass
KI-Gesichtserkennung bei Woman of Colour deutlich höhere Fehlerraten hat
als bei weißen Männern. Gebru ist außerdem Mitgründerin der NGO „Black in
AI“, die sich für eine bessere Repräsentation von People of Colour im
KI-Sektor und dessen politischer Regulierung einsetzt.
„Wir durchbrechen den KI-Hype“, das ist das Motto von Gebrus vor vier
Jahren gegründetem Rechercheinstitut Dair, dessen Chefin sie ist. Dair will
KI nicht abschaffen oder die Technologie verdammen, sondern einen
konstruktiven Gegenentwurf erstellen zur zentralisierten und von
Gewinninteressen geprägten Struktur und Arbeit der Tech-Konzerne. Zentral
dafür ist, Menschen zusammenzubringen und ihnen Gehör zu verschaffen, die
in dem Konzerndenken nicht oder nur am Rande vorkommen.
Die Right-Livelihood-Stiftung [2][würdigte] ihre Arbeit nun folgendermaßen:
„Weil sie die bestehende Machtkonzentration im Bereich künstlicher
Intelligenz herausfordert und eine digitale Technologie vorantreibt, die
auf Gerechtigkeit, gelebter Erfahrung und menschlicher Selbstbestimmung
beruht.“ Gebrus Forschung habe dazu beigetragen, die internationale Debatte
um KI auf zentrale Fragen wie die nach Zweck, Verantwortlichkeit und
Regulierung zu lenken.
30 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vorwuerfe-von-schwarzer-KI-Forscherin/!5730475
(DIR) [2] https://rightlivelihood.org/de/the-change-makers/find-a-laureate/timnit-gebru/
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
## TAGS
(DIR) Digitalisierung
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Big Tech
(DIR) Alternativer Nobelpreis
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nobelpreis 2026: Physik-Nobelpreis geht an belgischen Astrophysiker Francis Halzen
Für die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos erhält der in den USA tätige
Geisterteilchen-Forscher Halzen den diesjährigen Nobelpreis für Physik.
(DIR) Mads Pankow über KI: Willkommen in der neuen Mittelmäßigkeit
Was bedeutet „Wahrheit“? Werden Algorithmen bald Gerichtsurteile fällen?
Mads Pankow denkt in „Die wahrscheinliche Wahrheit“ über die Langzeitfolgen
von KI nach.
(DIR) Gewinner des Alternativen Nobelpreises: Menschen in der Krise eine Stimme geben
Den Alternativen Nobelpreis erhalten Initiativen in Georgien, Pakistan, USA
und dem Süden Afrikas. Eine Preisträgerin setzt sich gegen die Übermacht
der KI-Konzerne ein.
(DIR) Forscherin über Künstliche Intelligenz: „KI kann Dinge schlecht verbessern“
Das EU-Parlament will Regeln für künstliche Intelligenz. Die Professorin
Sandra Wachter spricht über Nutzen, Risiken und den Konservatismus von KI.
(DIR) Vorwürfe von schwarzer KI-Forscherin: Proteste bei Google
Die bekannte KI-Forscherin Timnit Gebru verlässt Google im Streit. Grund
ist eine Studie zu Sprachverarbeitung, die dem Konzern nicht passt.