# taz.de -- Spezialeinsatzkommando in Bremen: Diskriminierender Polizeichat
       
       > Bei der Eliteeinheit SEK der Polizei Bremen ist eine sexistische
       > Chatgruppe aufgeflogen. Bürgerschaft und Polizeibeauftragte wurden nicht
       > informiert.
       
 (IMG) Bild: Details über die Arbeit des SEK liegen im Dunkeln
       
       Im Bremer Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei hat es offenbar über
       längere Zeit eine interne Chatgruppe mit sexistischen und allgemein
       diskriminierenden Inhalten gegeben. Die Bremer Polizei bestätigte die
       entsprechende Information eines Hinweisgebers; zwei SEK-Beamte seien
       versetzt worden.
       
       „Es handelt sich bei den bekannt gewordenen Inhalten um Äußerungen und
       Darstellungen, die für die Polizei Bremen nicht akzeptabel sind“, sagte ein
       Sprecher der Polizei auf Anfrage. Zwei „Kollegen aus dem SEK“ seien nach
       der Prüfung in andere Bereiche der Polizei Bremen umgesetzt worden. Zudem
       seien disziplinarrechtliche Prüfverfahren gegen alle Mitglieder der
       Chatgruppe eingeleitet worden.
       
       Die Innensenatorin soll noch am selben Tag informiert worden sein, an dem
       auch die Polizeiführung von dem Chat Kenntnis erlangt habe, heißt es aus
       dem Innenressort. Die Inhalte seien sofort auf strafrechtliche Konsequenzen
       hin geprüft worden; als strafrechtlich relevant eingestuft wurden sie dabei
       offenbar nicht, die Staatsanwaltschaft ist bisher nicht involviert. Harmlos
       erscheinen sie der Behörde aber auch nicht: „Die Inhalte dieser Chatgruppe
       verletzen die Würde von Menschen“, sagte Innensenatorin Eva Högl (SPD).
       „Das ist beschämend und nicht hinnehmbar.“
       
       Die Polizei Bremen habe entschlossen gehandelt und „das Richtige getan“, so
       Högl weiter. Weitere disziplinarische Maßnahmen gegen Mitglieder der
       Chatgruppe würden geprüft. Die Innensenatorin, so schreibt sie selbst,
       begleite die Aufklärung eng, jeder Beitrag und jede Beteiligung werde unter
       die Lupe genommen.
       
       ## Geheimhaltung um Eliteeinheit SEK
       
       Polizei und Innenbehörde halten sich darüber hinaus bisher mit
       Informationen zurück: Wie viele Mitglieder die Gruppe hatte, was die
       konkreten Inhalte waren und ob schon weitere disziplinarrechtliche
       Maßnahmen im Gange seien, dazu gibt es noch keine Angaben. Auch wann und
       durch wen die Gruppe aufgeflogen ist und wie schnell die Polizeidirektion
       die Entscheidung zur Versetzung von zwei Mitarbeitern getroffen habe, wird
       nicht bekannt gegeben.
       
       Das liegt womöglich auch daran, dass es sich bei dem betroffenen Kommando
       um das Bremer Spezialeinsatzkommando handelt. Die SEKs der Länder sind die
       Eliteeinheiten der Polizei. Gegründet wurden sie als Konsequenz aus dem
       Olympia-Attentat 1972 in München – eingesetzt werden sollen sie in Krisen:
       bei Geiselnahmen oder Terroranschlägen, aber auch bei Festnahmen besonders
       gefährlicher Straftäter.
       
       Die Struktur des SEK in Bremen ist weitgehend geheim: Es wird nicht
       bekanntgegeben, wie viele Mitglieder das Spezialeinsatzkommando hat oder
       wie viele Einsätze sie jährlich bewältigen müssen. Als die Bürgerschaft
       sich Anfang 2026 mit dem SEK beschäftigte, weil dort die Rufbereitschaft
       weggefallen war, wurden die Antworten zur Organisationsstruktur den
       Abgeordneten nur vertraulich mitgeteilt. Schließlich könnten öffentlich
       bekannte „Informationen zu Einsatzstärken, Einsatzverfügbarkeiten und
       Einsatztaktiken (…) die Funktionsfähigkeit der Polizei gefährden“, hieß es
       zur Begründung.
       
       Von den Behörden nicht informiert wurden bisher die Teile der
       Öffentlichkeit, die die Exekutive überwachen könnten: Medien kamen dem erst
       über einen anonymen Hinweis auf die Spur; auch die taz wurde angeschrieben,
       demnach ist die Chatgruppe Ende August in der Polizei aufgeflogen.
       
       Auch die Abgeordneten der Bürgerschaft hatten erst durch Medienberichte
       Kenntnis von der Existenz der Chatgruppe erlangt. Der SPD-Abgeordnete Kevin
       Lenkeit erklärte gegenüber dem Weser-Kurier sein Unverständnis darüber; der
       stellvertretende Sprecher der Innendeputation hat für die nächste reguläre
       Sitzung des Ausschusses einen Fragenkatalog eingereicht, der aber wohl in
       vertraulicher Sitzung behandelt werden wird.
       
       ## Polizeibeauftragte mahnt Sorgfalt an
       
       [1][Auch die Polizeibeauftragte Sermin Riedel wurde] bisher nicht ins Boot
       geholt. „Ich sehe das durchaus kritisch“, sagt Riedel. „Eine der
       verantwortlichen Stellen hätte mich frühzeitig einbinden sollen.“
       Schließlich sei ja von Anfang an davon auszugehen, dass sie den Komplex
       prüfen werde.
       
       Die Stelle der unabhängigen Polizei- und Feuerwehrbeauftragten wurde in
       Bremen 2022 eingeführt; auch das Auffliegen von sexistischen Strukturen und
       Mobbing bei der [2][Feuerwehr Bremen hatte die Einrichtung in dieser Form
       befördert]. Eine der Aufgaben der Beauftragten ist es laut Gesetz, „Fehler
       und Fehlverhalten in Einzelfällen, die auf eine Verletzung von
       Rechtsstaatlichkeit oder Diskriminierungsfreiheit schließen lassen (…) zu
       erkennen“, aber auch „durch Hinweise und Empfehlungen darauf hinzuwirken,
       dass sie behoben werden und sich nicht wiederholen“.
       
       Die disziplinarische Prüfung des Fehlverhaltens Einzelner sei nun Sache der
       Polizeiführung – entscheidend sei, dass diese „mit Priorität, der gebotenen
       Sorgfalt und in angemessener Zeit durchgeführt werden“. Wichtig und
       sinnvoll sei aber zugleich, „sich die Strukturen drumherum anzuschauen“, so
       Riedel. Schließlich habe die Chatgruppe offenbar längere Zeit unerkannt
       bestehen können.
       
       30 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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