# taz.de -- Umweltschützer über Teakholz aus Myanmar: „Deutsche Behörde sieht sich als Partner der Unternehmen“
       
       > Import von Teakholz verbietet sich politisch und gesetzgeberisch. Gemacht
       > wird es trotzdem und Kontrollbehörden schauen weg, sagt Johannes Zahnen
       > vom WWF.
       
 (IMG) Bild: Menschheitsbedrohende Gefahren: Myanmar hat die dritthöchste Entwaldungsrate der Welt
       
       taz: Herr Zahnen, was ist das Problem mit dem Teakholz aus Myanmar, [1][das
       für die Sanierung des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ verwendet wurde]? 
       
       Johannes Zahnen: Der Anteil an illegalem Exportholz ist dort sehr hoch. Der
       Holzhandel wird von den Militärs kontrolliert, der Holzexport vom Staat, in
       enger Verzahnung. Kritiker dieser Praxis müssen um ihr Leben fürchten. Die
       Korruption ist extrem. Die Tatsache, dass [2][in Myanmar] die Holzherkunft
       nicht bekannt gegeben wird, macht einen Import in die EU unmöglich, der
       konform mit der EU-Holzhandelsverordnung ist.
       
       taz: Ein Import von dort hätte sich also eigentlich von selbst verboten? 
       
       Zahnen: Politisch und gesetzgeberisch: ja. Aber für ein Schiffsdeck gilt
       Urwaldteak aus Myanmar technisch als das beste der Welt. Genau das wollte
       man haben. Alternativquellen hätte es gegeben, der WWF hat dazu Vorschläge
       gemacht, das interessierte bei der Bundeswehr aber niemanden.
       
       taz: Sie haben als Klägervertreter für den Deutschen Naturschutzring gerade
       einen Prozess gegen die Behörde verloren, die die Rechtmäßigkeit von
       Holzimporten wie den für die Gorch Fock kontrollieren soll. Wie haben Sie
       das erlebt? 
       
       Zahnen: Ich war schockiert. Wir beschäftigen uns seit 2018 mit diesem
       Thema, und schon damals gab es starke Indizien, dass das Teak, das auf der
       Gorch Fock verbaut wurde, illegal ist. Importeure haben eine
       Sorgfaltspflicht, [3][die Legalität des Holzes sicherzustellen und
       nachzuweisen]. Die ist hier verletzt worden. Hinzu kommt, dass die
       Kontrollbehörde, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, den
       Importeur zwar kontrolliert hat, wobei gravierende Unregelmäßigkeiten
       zutage kamen, ihn aber nur verwarnt hat. Das Holz wurde nicht
       beschlagnahmt. Das hat uns sehr gewundert. Zudem war die Kontrolle der
       Bundesanstalt unvollständig. Sie weigert sich bis heute, zu prüfen, ob das
       Holz legal ist. Das wollten wir vor Gericht erzwingen lassen.
       
       taz: Wie bewerten Sie das Urteil? 
       
       Zahnen: Ich bin fassungslos. Wir hatten beantragt, dass die Behörde die
       umfangreichen Illegalitätsvorwürfe jetzt prüfen muss – und auch
       herausfinden soll, wo das restliche Holz geblieben ist, das damals nicht im
       Schiff verbaut wurde. Das Urteil sagt nun: Eine Umweltorganisation kann
       nicht per Gericht erzwingen, dass eine Behörde die Pflichten aus einem
       Gesetz erfüllt. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Mein Eindruck ist,
       dass die Behörde sich nicht als Kontrolleur sieht, sondern als Freund und
       Partner der Unternehmen.
       
       taz: Es lag also ein Pflichtversäumnis der Behörde vor? 
       
       Zahnen: Und ein Trick: sie prüft nicht alles. Weil sie das nicht tut, kann
       die Illegalität nicht festgestellt werden. Und weil sie nicht festgestellt
       wird, kann die Bundesregierung weiterhin behaupten, das Holz sei rechtlich
       nicht zu beanstanden.
       
       taz: Obwohl sie selbst zugibt, dass es Urwaldholz ist? 
       
       Zahnen: Genau. Die Bundeswehr hat damals erst behauptet, es handle sich um
       FSC-zertifiziertes Plantagenholz. Später musste sie zugeben, dass das nicht
       stimmt.
       
       taz: Laut Interpol hat [4][bis zu einem Drittel des international
       gehandelten Holzes einen illegalen Hintergrund], in den Tropen 60 bis 90
       Prozent. Was ist die Hauptgefahr daran? 
       
       Zahnen: In Myanmar müssen wir vom Äußersten ausgehen: Der Druck auf die
       Teakwälder, primär für Luxusyachten, ist so groß, dass sie in wenigen
       Jahren zerstört sein werden. Myanmar hat die dritthöchste Entwaldungsrate
       der Welt.
       
       taz: Und generell? 
       
       Zahnen: Es geht um menschheitsbedrohende Gefahren. Würden wir [5][die
       Entwaldung stoppen], hätten wir einen großen Schritt gegen die
       Klimaüberhitzung getan. Und die meisten an Land lebenden Tiere und Pflanzen
       leben in den tropischen Urwäldern, da ist die [6][Artenvielfalt bedroht].
       Es gibt mehrere internationale Abkommen dazu. Das sind aber reine
       Lippenbekenntnisse. Ich kann keine nennenswerten Maßnahmen erkennen, das
       wirklich ernst zu machen.
       
       taz: Im Vergleich zur Umwelt hat die Wirtschaft in den letzten Jahren
       politisch fast immer Vorrang gehabt. Oder täuscht das? 
       
       Zahnen: Der Eindruck drängt sich auf.
       
       taz: Nach Jahrzehnten Einsatz für den Waldschutz, wie fällt Ihr Fazit aus? 
       
       Zahnen: Bis 2013 gab es keine Gesetzgebung zum Schutz der Wälder gegen
       illegale Holzexporte. Seither haben wir sie, aber sie hat fast keine
       Wirkung. Wir haben eine EU-Verordnung. Wir haben ein deutsches Gesetz, das
       sie umsetzt. Und wir haben eine Kontrollbehörde. Aber auf allen drei Ebenen
       gibt es Schlupflöcher.
       
       taz: Das Verbandsklagerecht, das der Deutsche Naturschutzring in Köln zum
       Einsatz gebracht hat, steht politisch derzeit stark unter Druck. Fürchten
       Sie, dass es künftig noch stärker ausgehöhlt wird? 
       
       Zahnen: Den Wunsch gibt es sicher. Aber es ist unverzichtbar. Wer soll denn
       die Rechte der Natur einklagen, wenn nicht die Verbände?
       
       23 Jul 2026
       
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