# taz.de -- Drama um Regierungsbildung in Schweden: Politpoker in Stockholm
> Sozialdemokratin Magdalena Andersson gibt erst mal auf und bricht den
> Versuch ab, eine Regierung zu bilden. Die Hängepartie in Schweden geht
> weiter.
(IMG) Bild: Magdalena Andersson, die schwedische Sozialdemokratin hat die Wahl gewonnen, die Sondierungsgespräche jedoch abgebrochen
Überraschung bei Schwedens oberster Sozialdemokratin: [1][Zwei Wochen nach
der Parlamentswahl] bricht Magdalena Andersson den Versuch ab, eine
Regierung zu bilden. In der aktuellen Lage sehe sie dafür keine
Möglichkeit, teilte sie am Montag mit. Sie gab damit den Sondierungsauftrag
zurück an den Parlamentspräsidenten – und genau um den ging es in ihrer
Begründung.
Die Linkspartei hatte zuvor angekündigt, bei der anstehenden Wahl eines
neuen Parlamentspräsidenten den Kandidaten der Moderaten zu unterstützen,
also den bisherigen Amtsinhaber Andreas Norlén, den die gerade abgewählte
konservativ-rechte Regierung von Ulf Kristersson ins Amt gebracht hatte.
Wie es seine Rolle vorsieht, hatte Norlén nach der Parlamentswahl die
Vorsitzende der Sozialdemokraten mit Sondierungsgesprächen zur
Regierungsbildung beauftragt. Mit einigen Tagen Verspätung, als [2][in dem
äußerst spannenden Rennen] endlich alle Stimmen ausgezählt waren und die
knappe Mehrheit des links-grünen Parteienspektrums mit 176 von 349 Mandaten
feststand.
Von Anfang an war jedoch klar, dass es schwierig bis unmöglich werden
würde, diesen Sieg in eine Regierung umzumünzen, wenn nicht bald jemand von
seinen „roten Linien“ abweichen würde. Neben Sozialdemokraten gehören
Grüne, Zentrumspartei und Linkspartei zum linken Flügel. Die Zentrumspartei
wollte aber gar nicht erst mit der Linkspartei sprechen, bevor die nicht
ihre Ansprüche auf eine direkte Regierungsbeteiligung aufgeben würde.
## Andersson braucht alle linken Parteien für Regierung
Dass sie keine reine Unterstützerpartei einer Minderheitsregierung mehr
sein wolle, hatte die Linkspartei aber ebenso deutlich mit in den Wahlkampf
gebracht wie die Zentrumspartei ihre traditionelle „rote Linie“ gegen eine
Koalition mit Parteien ganz links oder ganz rechts. Die alte Bauernpartei
erklärte sich vorschlagsweise bereit, eine rein sozialdemokratische
Minderheitsregierung zu unterstützen. Zum Regieren braucht Andersson die
Stimmen aller Parteien des linken Spektrums. Statt mit einer überraschenden
Lösung für die feststeckenden Widersprüche kam sie nun aber mit dem Aus –
für diesen Einigungsversuch.
Die Linkspartei wäre in Sachen Parlamentspräsident nun ganz neue
parlamentarische Verbindungen eingegangen, behauptete Andersson – mit den
Moderaten auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Dann sollte doch
eine dieser Parteien das Mandat zur Sondierung bekommen. Die Linkspartei
hingegen betrachtet ihre Entscheidung für Norlén nicht als parteipolitisch.
Sie hatte ihre Unterstützung für ihn zuvor damit begründet, dass es dauern
könne, bis Schweden eine neue Regierung hätte. Ein fester Punkt im
Reichstag mit dem etablierten und erfahrenen Präsidenten sei deshalb gut.
Parteivorsitzende Nooshi Dadgostar betonte am Montag schwedischen Medien
zufolge das Offensichtliche: Andersson sei weiterhin ihre Kandidatin als
Regierungschefin. „Wir blicken mit Zuversicht darauf, dass Magdalena
Andersson das rot-grüne Lager nun auch sammelt.“ Das Verhalten der
Sozialdemokratin gilt in Schweden als Reaktion auf das politische Pokern
der Linkspartei in der Frage der Regierungsbeteiligung. Das ungelöste
Problem im linken Flügel wirkt damit noch komplizierter. Kritik am Vorgehen
der Linken kam nicht nur von den Sozialdemokraten, sondern auch von den
Grünen.
Andreas Norlén jedenfalls wurde am Montag mit 200 Stimmen im Amt des
Parlamentspräsidenten bestätigt. Die Kandidatin der Sozialdemokraten,
Johanna Haraldsson, erhielt 146 Stimmen, sie wird seine Stellvertreterin.
[3][Nun muss der alte und neue Präsident den Auftrag zur Regierungsbildung
neu vergeben.] Klar ist bis jetzt nur: Es gibt niemanden mit eindeutigen
Möglichkeiten.
28 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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