# taz.de -- Opposition in Schweden: Pingpong um Mandate sorgt für Nervenkitzel
> Vier Tage nach der Wahl in Schweden steht der knappe Wahlsieg der
> Opposition um die Sozialdemokraten fest. Die Regierungsbildung wird
> schwierig.
(IMG) Bild: Schleppende Auszählung der Stimmen: knappe Kiste in Schweden
Sie nennen es „Mandat-Pingpong“: Nach der Parlamentswahl in Schweden
trennten so wenige Stimmen die beiden politischen Blöcke, dass es auf jede
einzelne Stimme ankam. Während des tagelangen Auszählens wechselte ein
Mandat mehrfach die Seite. Zwischendurch lag der rot-grüne Block nur einen
Parlamentssitz vorn – mit dann 175 zu 174. Am Donnerstagmorgen kam das
Mandat zurück – 176 zu 173. Und dabei soll es nun bleiben.
Die Opposition um Sozialdemokratin Magdalena Andersson konnte [1][ihren
knappen Vorsprung] also halten. Das Volk habe eine neue politische Richtung
gewählt, „für Zusammenhalt und gegen Spaltung“, sagte sie in ihrer Rede zum
Sieg – als der vier Tage nach der Wahl dann doch feststand. Sie wolle hart
für das Vertrauen auch derjenigen arbeiten, die nicht für eine Regierung
unter ihrer Führung gestimmt hätten.
Es ist ein Sieg, aber absolut kein Triumph. Das gehört zu den großen
Geschichten dieser Wahl: wie die Herausforderin von Ministerpräsident Ulf
Kristersson (Moderate) im Wahlkampf-Endspurt einen lange sicher geglaubten
großen Vorsprung ihres politischen Blocks einbüßte. Dazu trug nicht zuletzt
ihr eigenes historisch schlechtes Ergebnis bei. Die Sozialdemokraten
verloren über zwei Prozentpunkte, und liegen bei 28 Prozent.
## Komplizierte Regierungsbildung steht bevor
Mit dem Ergebnis steht Andersson vor einer ungeheuer komplizierten, nach
aktuellem Stand quasi unmöglichen Regierungsbildung. Neben
„Mandat-Pingpong“ der am zweithäufigsten gehörte Begriff seit Sonntag:
„rote Linien“. Auf ihrer Seite gibt es gravierende Unvereinbarkeiten. Die
Zentrumspartei, trotz eher liberaler Wirtschaftsansichten zu Links-Grün
gerechnet, mit Fokus auch auf Klima und eine humane Migrationspolitik,
zieht ihre roten Linien weiterhin an beiden politischen Außenrändern. Als
kleiner Partner einer Minderheitsregierung unter Andersson würde sie zwar
auf die parlamentarische Unterstützung der Linkspartei setzen wollen – sie
aber auf keinen Fall als Koalitionspartner akzeptieren.
Es galt als eine mögliche Strategie der Sozialdemokraten, über die Mitte
hinaus auch zu den Christdemokraten zu schielen, aber das würde ihnen bei
dem Ergebnis nun nichts nützen. In Zuwächsen gerechnet ist die Linkspartei
Wahlsiegerin, mit einem Plus von 1,6 Prozentpunkten auf jetzt 8,4. Vor
allem in als Problemgegenden geltenden urbanen Vororten konnte sie offenbar
punkten. Selbstbewusst kann sie also erst mal an ihrer eigenen roten Linie
festhalten: Mit einer Rolle als Mehrheitsbeschafferin für eine
Andersson-Regierung werde sie sich nicht begnügen, lautet die.
Jetzt geht es um die Kompromisssuche. Am Donnerstagvormittag lud Magdalena
Andersson die Parteispitzen zu einem gemeinsamen Treffen aller vier
Oppositionsparteien ein, wie schwedischen Medien berichteten.
## Parteichef der Schwedendemokraten will Pause einlegen
„Adjö, Tidö“ hatte die Linkspartei-Vorsitzende Nooshi Dadgostar am
Mittwochabend auf Instagram geschrieben, als im Grunde klar war, dass die
liberal-konservative Minderheitsregierung von Kristersson nicht mehr
aufholen würde. Tidö wird sie nach dem Ort genannt, an dem Moderate, die
Christdemokraten und Liberale vor vier Jahren ihre Zusammenarbeit mit den
rechten Schwedendemokraten ausgehandelt hatten. Sich in die Opposition
verabschieden, das wollte Kristersson nach der Wahl allerdings nicht direkt
– wegen des knappen Rennens.
Er hatte von einer offenkundigen „nicht sozialistischen Mehrheit“ im
Parlament gesprochen und die Absicht signalisiert, darunter eine Mehrheit
hinter sich versammeln zu wollen für eine Fortsetzung als Regierungschef.
Problem: Die Zentrumspartei zieht ihre rote Linie ja auch nach rechts.
Schwedendemokraten zu unterstützen, ist nicht ihr Plan. [2][Und die
Schwedendemokraten?] Deren erstmaliger und dann gleich überraschend hoher
Rückgang – um 3 Prozentpunkte auf nun noch 17,5 – soll nun Parteichef
Jimmie Åkesson dazu veranlassen, eine Pause einzulegen, wie der Sender TV4
am Donnerstag berichtete. [3][Die Schwedendemokraten hatten auf
Ministerposten in einer neuen Tidö-Regierung gehofft.]
Das endgültige Wahlergebnis hätte eigentlich am Mittwoch klar sein sollen –
doch ein Teil der Stimmen, die vorab abgegeben worden waren, verspäteten
sich in der Post. Der Mittwoch ist normalerweise der Tag, an dem diese
Vorab-Stimmen sowie wie die der Auslandsschweden gezählt werden. Nicht
immer sind die entscheidend – dieses Mal schon.
17 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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