# taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Wie ist die erste lebende Zelle entstanden?
       
       > Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
       > beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Sam, 5 Jahre alt.
       
 (IMG) Bild: Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff – Chemie erklärt, was in unserer Atmosphäre ist und woraus unsere Zellen bestehen
       
       Überall [1][spucken Vulkane Feuer]. Dicke schwarze Wolken verdecken die
       Sonne. Und unten in den Ozeanen blubbern heiße Quellen auf dem Meeresboden.
       So soll unsere Erde vor sehr, sehr langer Zeit ausgesehen haben: vor
       ungefähr vier Milliarden Jahren. In dieser Zeit, vermuten Forscherinnen und
       Forscher, fing auf unserem Planeten das Leben an.
       
       Wie das genau passiert ist, lässt sich schwer sagen. Es war ja niemand
       dabei, der zugeschaut hat. Sicher ist aber, dass keine Zauberei
       [2][dahinter steckte, sondern Chemie]. In der Chemie geht es um die
       verschiedenen Stoffe, die sich miteinander verbinden und aus denen auch
       heute alle Dinge gemacht sind.
       
       Es gibt mehrere Ideen, wie das Leben entstanden sein soll. Der Forscher
       Stanley Miller hat vor 70 Jahren einen Versuch dazu gemacht: Er füllte
       Wasser und ein paar Gase in eine Glasflasche. Dann erhitzte er die
       Mischung. Nach ein paar Tagen fand er darin winzige Stoffe, die sozusagen
       die Bausteine für Lebewesen sind.
       
       Andere Forscherinnen und Forscher glauben, nicht etwa Blitze, sondern die
       heißen Quellen im Meer haben das Leben auf die Erde gebracht. Dort war es
       warm, und im Gestein gab es ganz viele winzige Löcher. Darin könnten sich
       die Bausteine zusammengefunden haben. Vielleicht so lange, bis Stoffe
       entstanden, die sich selbst vervielfältigen konnten. Sich vermehren zu
       können, das ist einer der Hinweise für Leben. Und dann kam vielleicht Fett
       dazu. Fett und Wasser mögen sich nicht und vermischen sich kaum. Das siehst
       du an den Fettaugen, die auf der Suppe schwimmen. So ein winziges
       Fettbläschen könnte die Bausteine des Lebens umhüllt und geschützt haben.
       Fertig war die erste Zellwand. Mit Stoffen innen drin, die sich
       vervielfältigen können. Vielleicht ist so die erste lebende Zelle
       entstanden.
       
       Forscherinnen und Forscher nennen die erste echte, sich selbst vermehrende
       Zelle LUCA. Das ist eine Abkürzung. Auf Deutsch bedeutet sie „letzter
       gemeinsamer Vorfahre“. Luca ist sozusagen die Ur-Ur-Ur-Ur-Oma von allem,
       was heute lebt: von Quallen, Fischen, Pflanzen, Dinos – und von dir. Du
       bist heute auf der Welt, weil es jeder einzelne deiner Vorfahren geschafft
       hat, alt genug zu werden, um sich zu vermehren, bevor er oder sie oder es
       gestorben ist. Immer wieder, vier Milliarden Jahre lang. Hätte das in
       dieser langen Lebenszeit deiner Ur-ur-ur-Ahnen nur ein einziges Mal nicht
       geklappt, würde es dich nicht geben. Unglaublich, oder?
       
       16 Oct 2026
       
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