# taz.de -- Behörde erteilt Erlaubnis: Auf der Suche nach Bodenschätzen im Harz
> Die Behörden erteilen einer Firma Aufspürerlaubnis für Rohstoffe.
> Zunächst sollen neue Suchmethoden getestet werden.
(IMG) Bild: Der Harz ist vor allem als Tourismusregion bekannt – hier der wasserarme Oderteich im Nationalpark Harz
Der Harz war mal eine Goldgrube. Mehr als 1.000 Jahre lang – und bis zur
Mitte des vorigen Jahrhunderts – förderten Bergleute in dem Gebirge
wertvolle Erze. Mit den Erlösen illuminierten vor allem die Fürsten in
Hannover und Braunschweig ihre herrschaftlichen Häuser. Nach dem Zweiten
Weltkrieg begann der Niedergang, zuletzt waren nur noch einige Bergwerke
für Touristen geöffnet.
Könnte es nun ein Revival geben für den Bergbau im Harz? In der vergangenen
Woche hat Niedersachsens Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG)
einer Firma aus dem sächsischen Freiberg eine sogenannte
Aufsuchungserlaubnis erteilt. Die Beak Consultants GmbH darf in den
kommenden vier Jahren im westlichen Teil des Harzes nach Bodenschätzen
suchen.
Das im Bergbau-Deutsch Erlaubnisfeld genannte Gebiet umfasst eine Fläche
von knapp 500 Quadratkilometern, darunter die Städte Osterode (im Süden),
Bad Harzburg (im Nordosten), Goslar und Langelsheim (im Norden) und Seesen
(im Westen). Die Bergbaustadt Clausthal-Zellerfeld mit ihrer Technischen
Universität liegt inmitten des Erlaubnisfeldes.
Die Genehmigung gilt dem LBEG zufolge bis zum 14. September 2030 und
bezieht sich auf rund 50 Rohstoffe, etwa Aluminium, Arsen, Blei, Chrom,
Eisen, Gold, Lithium, Phosphor, Platin, Quecksilber, Silber, Wismut,
Wolfram, Zink und Zinn. Bei einer Aufsuchungserlaubnis handelt es sich im
Bergrecht um die Genehmigung, in einem festgelegten Gebiet nach bestimmten
Stoffen und Substanzen zu suchen. Technische Maßnahmen oder gar eine
Förderung sind damit noch nicht verbunden oder genehmigt. Für solche
Tätigkeiten sind bergrechtliche Betriebspläne erforderlich, für deren
Zulassung unter anderem ein gesondertes Beteiligungsverfahren nötig ist.
## Wissenschaftliche Zwecke
Bodenschätze abbauen will Beak zunächst auch gar nicht, vielmehr verfolge
man vorrangig wissenschaftliche Zwecke. Zusammen mit Projektpartnern würden
neue Methoden getestet, um mineralische Rohstoffe tief im Untergrund
aufzuspüren. Unter anderem sind Messflüge mit Hubschraubern geplant, um
geophysikalische Daten aus der Luft zu sammeln. Die gewonnenen Daten will
Beak mit eigener KI-gestützter Software analysieren und dann präzise Karten
erstellen.
Umweltschützer aus der Region geben sich denn auch entspannt. „Das ist eher
ein Forschungsprojekt, in dem man Techniken zur Mineralprospektion in
Gebieten mit bekannten Vorkommen eicht und weiterentwickelt“, sagte der
Geologe Friedhart Knolle vom BUND Westharz der taz. „Es hat keine
unmittelbaren ökologischen Auswirkungen.“
Ob es später doch wieder zu einem klassischen Untertage-Bergbau kommt,
falls die Suchteams fündig werden, erscheint offen. Einem echten Neustart
stehen erhebliche Hürden gegenüber. Große Teile der historischen Bergwerke
und Anlagen stehen unter strengem Schutz, das frühere Silberbergwerk
Rammelsberg und das Oberharzer Wasserregal – ein gigantisches, ab dem 16.
Jahrhundert von Bergleuten künstlich geschaffenes System aus Gräben,
Teichen und unterirdischen Wasserläufen – zählen sogar zum Unesco-Welterbe.
Zudem ist der Harz heute eine wichtige Tourismusregion, weite Teile gehören
zu einem Nationalpark. Ein neuer Bergbau in großem Stil würde wohl auf
Widerstand in der Bevölkerung stoßen. Und: Die Erschließung neuer, tieferer
Schächte und Stollen wäre extrem kapitalintensiv und würde sich nur bei
dauerhaft hohen Weltmarktpreisen lohnen.
28 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
## TAGS
(DIR) Bergbau
(DIR) Harz
(DIR) Wissenschaft
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