# taz.de -- Neue Leiterin der bpb: Eine Schulleiterin an der Spitze der Bundeszentrale
> Nina Hauer soll Chefin der Bundeszentrale für politische Bildung werden.
> Sie wäre die erste Frau in dieser Position. Und wo steht sie politisch?
(IMG) Bild: Nina Hauer, Archivfoto vom Oktober 2009
Zuletzt gab es um die Führungsposition der Bundeszentrale für politische
Bildung (bpb) heftige [1][Diskussionen]. Nachdem der vorherige Leiter Sönke
Rix nach nur sechs Monaten zurückgetreten war, hatte die Behörde davon
gesprochen, sich neu ausrichten zu wollen. Man wolle wieder mehr
Linksextremismus und Islamismus zum Thema machen, hieß es. Auch deswegen
ist es überraschend, auf wen sich die Koalition jetzt geeinigt haben soll.
Die SPD, die das Vorschlagsrecht hat, will dort ihre
Ex-Bundestagsabgeordnete Nina Hauer platzieren. Hauer saß von 1998 bis 2009
im Bundestag. Und das, obwohl die taz ihre politische Karriere schon
wesentlich früher für beendet erklärt hatte. Denn Hauer war Teil der
Juso-Aktion, die als Lobo-Affäre bekannt wurde.
## Ein Hundeopfer
Was war passiert? Hauer war bereits als Schülerin 1987 der SPD beigetreten.
Bald engagierte sie sich bei der Nachwuchsorganisation der SPD (Jusos) und
war zeitweise auch Vorsitzende des Bezirksverbandes Hessen-Süd. Als solche
kündigte die Jungsozialistin 1994 drastische Maßnahmen an, um gegen die
hessische Abschiebepraxis zu protestieren. Ihr Verband forderte, keine
Kurd:innen mehr in die Türkei abzuschieben. Die Jusos drohten: Sonst
werde man einen Hund namens Lobo vergiften und dessen Kadaver vor den
Landtag werfen.
So weit kam es dann doch nicht: „[2][Mischlingsköter Lobo lebt –
Parteikarriere ruiniert]“, titelte die taz kurz darauf. Mit Letzterem lag
der Kollege wohl falsch. Hauer trat zwar als Juso-Vorsitzende ihres
Verbandes zurück, von einer ruinierten Karriere kann aber nicht die Rede
sein.
Denn nur wenige Jahre später wurde Hauer, mittlerweile Lehrerin und 31
Jahre alt, direkt in den Bundestag gewählt. Es ist die erste Wahl, die die
SPD so deutlich gegen die CDU gewinnt. Es reichte erstmals für eine
rot-grüne Regierung unter SPD‑Kanzler Gerhard Schröder.
Davor war die SPD 16 Jahre in der Opposition gewesen. Wie sich es sich
anfühlt, Teil einer Regierungsfraktion zu sein, wollte die taz von ihr im
[3][Interview 1998 wissen]. „Eine traumhaftere Einstiegsmöglichkeit kann
ich mir gar nicht vorstellen“, sagte Hauer damals. Sie wolle ein
„sozialpolitisches Reformprojekt“.
## Mehr als zehn Jahre im Bundestag
Elf Jahre lang blieb sie Abgeordnete, zeitweise auch Parlamentarische
Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion und Obfrau im Finanzausschuss.
Hauer setzte sich für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, für bessere
Ganztagsschulen und mehr Transparenz bei Vorstandsgehältern börsennotierter
Unternehmen ein.
Kurz war sie bei der parlamentarischen Linken, doch die verließ sie nach
einer Rede von Oskar Lafontaine. Dann trat sie den „Netzwerkern“ bei, einer
von drei Strömungen in der SPD. Ein Schritt, den viele SPD-Linke ihr nie
verziehen haben. Die Gruppe unterstützte Schröders Agenda 2010 weitgehend.
Der Spiegel bezeichnete sie einmal [4][als „Covergirl“ für Schröders
diffusen Begriff der „Neuen Mitte“], mit dem die SPD neue Wählerschichten
gewinnen wollte.
Mit der Bundestagswahl 2009 endete Hauers Zeit im Bundestag. Ihr
Landesverband verbannte sie auf einen hinteren Listenplatz. Ganz zufrieden
mit ihrer Zeit im Parlament scheint sie selbst nicht gewesen zu sein. Aus
einem [5][Beitrag der Berliner Republik], der Zeitung der Netzwerker,
spricht etwas Desillusioniertheit.
Nach einem kurzen Ausflug in die Privatwirtschaft arbeitete Hauer wieder
als Lehrerin an einer Berliner Schule. Seit einigen Jahren ist sie
Schulleiterin. Führungskompetenz und politische Bildung sollte Hauer also
mitbringen. Außerdem wäre sie die erste Frau, die die bpb leitet.
24 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bundeszentrale-fuer-Politische-Bildung/!6201919
(DIR) [2] /Mischlingskoeter-Lobo-lebt--und-die-Parteikarriere-ist-ruiniert/!1570049/
(DIR) [3] /quotJunge-Leute-fordern-Veraenderungenquot/!1314808/
(DIR) [4] https://www.spiegel.de/politik/die-ausgemusterten-a-8989f4a1-0002-0001-0000-000067398811
(DIR) [5] http://www.b-republik.de/archiv/zugewandt-auch-unter-zugzwang
## AUTOREN
(DIR) Clara Dünkler
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