# taz.de -- Eigenständige Frauenfußballliga: Komplizierte Kompromisse
       
       > Eine vom DFB losgelöste eigenständige Frauen-Bundesliga wird es wohl erst
       > im Herbst 2027 geben. Zuvor muss aber ein TV-Vertrag ausgehandelt werden.
       
 (IMG) Bild: Der FC Bayern, hier beim Torjubel am Sonntag gegen den FC Barcelona, ist auch für die künftige Frauenliga von allergrößtem Wert
       
       Christian Wück durfte sich bestätigt fühlen. Mit 60.000 Augenzeugen im Camp
       Nou sah der Bundestrainer am Sonntag, wie sich [1][beim
       Champions-League-Aus des FC Bayern] beim FC Barcelona (2:4) ein Grundmuster
       der deutschen Fußballerinnen wiederholte: Wie bereits im EM-Halbfinale und
       in den Nations-League-Endspielen war die spielerische Übermacht der
       Spanierinnen letztlich zu erdrückend. Insgesamt haben aber die
       Bundesligisten Bayern, VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt international
       eine ordentliche Visitenkarte abgegeben und ordentlich Punkte für die
       Uefa-Fünfjahreswertung geholt.
       
       Damit der Abstand zu den starken Teams aber nicht wächst, hat die
       Frauen-Bundesliga FBL e.V. weitreichende Pläne. Präsidentin Katharina Kiel
       will Mitte Juni auf der nächsten Mitgliederversammlung des Ligaverbandes
       die nächsten Pflöcke für die Eigenständigkeit einschlagen. Ähnlich wie die
       Männer 2000 wollen sich die Frauen endgültig [2][vom Deutschen Fußball-Bund
       (DFB) abnabeln]. Dafür braucht es einen Grundlagenvertrag. „Unser
       Vertragsentwurf geht dem DFB in dieser Woche zu“, sagte Kiel dem
       Fachmagazin Kicker. Aus dem e.V. müsse eine Kapitalgesellschaft werden.
       „Die Struktur kann aber erst mit Leben gefüllt werden, wenn der
       Grundlagenvertrag steht.“
       
       Problem: Dafür bedarf es der Zustimmung auf dem DFB-Bundestag, der regulär
       erst wieder für den Herbst 2027 angesetzt ist. Die 34-Jährige erkennt darin
       einen „Bremsklotz“, weshalb erst 2027/28 ein eigenständiger Betrieb
       zustande kommt. Zuvor ist jener Fernsehvertrag neu zu verhandeln, den der
       heutige DFB-Generalsekretär Holger Blask mit dem Rückenwind der Frauen-EM
       2022 aufgesetzt hatte. Damals war der Jubel groß, dass sich zwölf Klubs
       jährlich rund fünf Millionen Euro teilen und alle Spiele bei zwei
       Streamingdiensten laufen.
       
       Inzwischen erhofft sich die auf 14 Vereine erweiterte Liga deutlich mehr
       Geld. Erst einmal ist zu klären, wer die vom DFB in den Herbst verlegte
       Ausschreibung verantwortet. Die Direktorin von Eintracht Frankfurt nennt es
       eine Option, diesen Deal selbst zu verhandeln, „dafür brauchen und erwarten
       wir die Kooperation des DFB“. Wie groß aber ist die Kompromissbereitschaft
       bei einem Verband, der brüskiert wurde, als Klubbosse wie Jan Christian
       Dreesen (FC Bayern), Axel Hellmann (Frankfurt) oder Dirk Zingler (Union
       Berlin) das auf dem DFB-Bundestag von Präsident Bernd Neuendorf verkündete
       Joint Venture öffentlichkeitswirksam platzen ließen; zu einem Zeitpunkt
       Anfang Dezember, als gerade die gesamte DFB-Spitze im Flieger zur
       WM-Auslosung saß. Blask unterdrückte seinen Ärger nur mühsam.
       
       ## „Flickenteppich von Anstoßzeiten“
       
       Der Geschäftsführer findet heute, er habe alles für einen Kompromiss getan.
       Der DFB-Chefstratege scheint skeptisch, ob Liga-Chefin Kiel die Marktlage
       richtig einschätzt. Sie würde gerne am Sonntag eine Frauen-Konferenz
       installieren. Ihr ist der zerstückelte Spielplan zuwider. „Wir haben jetzt
       einen riesigen Flickenteppich von Anstoßzeiten. Das werden wir ändern.“
       Nach ihrem Wunsch würde Freitag später gespielt, Montag gar nicht mehr.
       
       Um Sky als Bieter mit seiner Zweitligakonferenz ab 13.30 Uhr nicht
       auszuschließen, dürften die zeitgleichen Paarungen Frauen-Bundesliga am
       Sonntag frühestens um 15.30 Uhr beginnen – dann aber laufen bei DAZN die
       Sonntagsspiele der Männer-Bundesliga.
       
       Kiel bekräftigte, dass die Vereine „zwischen 700 und 800 Millionen Euro in
       den nächsten acht Jahren“ in den Frauenfußball investieren wollen, während
       die vom DFB kolportierte Summe von 100 Millionen Euro gar nicht stimmen
       würde, weil darin „Zuwendungen für die 2. Liga, Schiedsrichterwesen und
       andere Kosten“ inbegriffen wären. Nur irgendwann muss mal Schluss mit den
       Vorhaltungen sein.
       
       Es braucht schnelle Effekte, sprich höhere Erlöse, um den Exodus von
       Spielerinnen zu stoppen. Der Wechsel von Nationalspielerin Vivien Endemann
       vom VfL Wolfsburg zum FC Liverpool liefert einen Vorgeschmack darauf, dass
       bald weitere Leistungsträgerinnen in die Women’s Super League (WSL) folgen
       könnten. Kiel ist zwiegespalten: Wie im Männerfußball würden das viele Geld
       der dortigen Investoren einerseits den Wettbewerb verzerren, andererseits
       gebe es dort „mehr Mut bei der Umsetzung bestimmter Themen“, woraus für sie
       folgt: „Vom Aufbau der WSL können wir uns einiges abschauen.“
       
       4 May 2026
       
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