# taz.de -- Verpackungssteuer für Potsdam: Neue Diskussion kurz vor der Einführung
> Die Gastronomie ist verärgert, Bürger sind verunsichert: Bleibt Potsdam
> mit der Verpackungssteuer allein in Brandenburg oder kippt die Abgabe
> kurz vor dem Start?
(IMG) Bild: In Potsdam verschärft sich kurz vor knapp die Kritik an der Verpackungssteuer
dpa | Kurz vor dem geplanten Start der Verpackungssteuer in der
brandenburgischen Stadt Potsdam reißt die Kritik nicht ab. Die CDU-Fraktion
im Stadtparlament fordert, die Einführung der Abgabe auf Einwegverpackungen
zum 1. Oktober doch noch zurückzunehmen. Auch die SPD auf Landesebene
äußerte die Hoffnung, dass es ein Umdenken gibt, etwa weil die Wirtschaft
und Bürger ohnehin stark belastet seien. Potsdam wäre die einzige Stadt
Brandenburgs mit einer Verpackungssteuer.
Aus der Wirtschaft gibt es seit Längerem verärgerte Reaktionen. Die
Landeshauptstadt wirbt auf ihrer Homepage für die Verpackungssteuer unter
anderem mit dem Slogan „Potsdam isst besser – mit Mehrweg“. Die Abgabe
beträgt 50 Cent pro Einweg-Kaffeebecher und Einweg-Essensschale. 20 Cent
sind es bei Wegwerfbesteck. Die kommunale Verpackungssteuer war
ursprünglich für Juli geplant, wurde aber nach viel Kritik und höherem
Abstimmungsbedarf verschoben.
## SPD-Generalsekretär: Falsches Signal
Der Generalsekretär der Landes-SPD, Kurt Fischer, sagte: „Ich halte in den
jetzigen Zeiten, wo unser politischer Schwerpunkt auf der Bezahlbarkeit des
Lebens, wirtschaftlichem Aufschwung und einem entschlossenen
Bürokratieabbau liegen muss, die Einführung einer Verpackungssteuer für
sehr schwierig.“ Zuvor berichtete die Märkische Allgemeine Zeitung.
Gerade unsere Gastronomie arbeite derzeit in herausfordernden Zeiten, sagte
Fischer. „Weitere Verunsicherung, neue Bürokratie und steigende Preise
durch eine Verpackungssteuer sind in diesem Kontext ein falsches Signal.
Auch deshalb wurden entsprechende Überlegungen außerhalb von Potsdam in
Brandenburg immer verworfen.“
Die CDU-Fraktion wollte für die Sitzung des Stadtparlaments an diesem
Mittwoch einen Dringlichkeitsantrag einbringen, mit dem sie den Verzicht
auf die Abgabe fordert. „Zukünftig sollte der Kämmerer bei der
Haushaltskonsolidierung den Schwerpunkt stärker auf Einsparungen und
Priorisierungen legen, statt neue Steuern und Abgaben zu schaffen“, heißt
es darin. „Potsdam ist zudem im Land Brandenburg die einzige Kommune, die
sich für eine solche Verpackungssteuer entschieden hat. Für Potsdamer
Unternehmen entsteht damit ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber
Betrieben in den umliegenden Kommunen und im benachbarten Berlin.“
Mit der neuen Steuer soll laut Stadt weniger Einwegmüll entstehen und
Potsdam sauberer werden. Die Stadt will die Anschaffung von Mehrweggeschirr
und Spülmaschinen in Gastronomiebetrieben und Vereinen finanziell
unterstützen. Wer auf Mehrweg setzt, zahlt keine Verpackungssteuer.
23 Sep 2026
## TAGS
(DIR) Potsdam
(DIR) Verpackungen
(DIR) Brandenburg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Spricht noch wer vom Klima?: „Sie wissen, dass sie sich was zumuten müssen“
Die Berliner Bewegung „Klimaneustart“ hat mit 300 Leuten über ihre
Klimasorgen gesprochen. Aktivistin Veronika Brugger entwickelte die
Gesprächsform.
(DIR) Müllbekämpfung in Berlin: Räum weg den Scheiß!
Berlin und Müll, das passt zusammen. Damit soll aber bald Schluss sein,
fordern Grüne und Linkspartei. An der Umsetzung hapert es jedoch.
(DIR) Steuer auf Einweg-Verpackungen in Berlin: BUND will mehr Tübingen wagen
Angesichts der globalen Plastikflut fordert die Umweltorganisation den
Senat auf, endlich eine Verpackungssteuer einzuführen. Doch die CDU mauert.
(DIR) Kommunale Verpackungssteuern: Die Münchner Verbotsparteien
CSU und Freie Wähler wollen den bayrischen Kommunen die Möglichkeit nehmen,
Verpackungssteuern nach Tübinger Vorbild zu erheben. McDonald's und Co sind
erfreut.