# taz.de -- Regisseurin über Ohnmacht: „Wir wollen Worte finden, um den Faschismus zu bekämpfen“
> Das Stück „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ feiert
> in Bremen Premiere. In Bochum stürmten im Februar Zuschauer*innen die
> Bühne.
(IMG) Bild: Von der Schönheit, Faschisten zu töten: Überspitzung der Frage, was wir gegen einen erstarkenden Faschismus tun können
taz: Alize Zandwijk, was steckt hinter dem Titel „Catarina oder Von der
Schönheit, Faschisten zu töten“ des Theaterstücks von Tiago Rodrigues – ein
Aufruf zur Selbstjustiz?
Alize Zandwijk: Nein. Natürlich dürfen wir nicht Faschisten töten. Und das
sagt das Stück auch nicht. Der Titel ist eine Überspitzung der Frage, was
wir gegen einen [1][erstarkenden Faschismus] tun können. Er verweist auf
die [2][Ratlosigkeit, die viele angesichts aktueller politischer
Entwicklungen] verspüren.
taz: Das Stück erzählt die Geschichte einer portugiesischen Familie und
ihrer ungewöhnlichen Tradition. Nach der Ermordung der Landarbeiterin
Catarina 1954 hat die Familie begonnen, jedes Jahr einen Faschisten zu
töten. Nun lehnen die Jüngsten ab, was jahrzehntelang zelebriert wurde. Wie
kam es zu dieser Tradition?
Zandwijk: Die Tradition wurde eingeführt, weil die Familie der Meinung war,
dass die Demokratie kein Werkzeug dafür bietet, den Faschismus effektiv zu
bekämpfen. Bei dem alljährlichen Familientreffen wird dieser Brauch nun
infrage gestellt: Dürfen wir wirklich Faschisten töten? Und natürlich ist
die Antwort: Nein. Aber daran anschließend kommen weitere Fragen auf: Wie
sind wir in diese politische Situation geraten? Kann man mit Faschisten
reden und, wenn ja, wie? Das sind genau die Fragen, die sich auch eine
linke Politik gegenwärtig stellen muss.
taz: Das Stück endet mit einem fünfseitigen Monolog des Faschisten. Warum
gibt man rechtsextremen, minderheitenfeindlichen und misogynen Aussagen das
letzte Wort?
Zandwijk: Das war natürlich eine bewusste Entscheidung des Autors. Aber ich
finde, sie passt. Sie verweist auf die Realität, die wir oft ignorieren. In
Europa sind faschistische Positionen häufig am lautesten. Auch in immer
mehr deutschen Bundesländern [3][gewinnt die AfD an Zuspruch]. Im Stück
haben wir zuvor viele andere Stimmen gehört. Die Mutter der Familie
verdeutlicht in ihrem abschließenden Monolog, welche patriarchale und
minderheitenfeindliche Gesellschaft eine faschistische Politik visioniert.
Für mich gewinnt der Monolog der Mutter. Aber dennoch bleibt am Ende das
Dilemma, in dem wir uns befinden: dass faschistische Positionen an
Aufmerksamkeit gewinnen und wir uns mit ihnen konfrontieren müssen.
taz: Gibt es Raum, um sich im Anschluss der Aufführung auszutauschen?
Zandwijk: Bei der Premiere nicht. Aber bei allen anderen Aufführungen wird
ein Nachgespräch mit Spieler*innen des Ensembles, der Dramaturgie und
auch mit Expert*innen aus dem Bereich Rechtsextremismus stattfinden. Ich
finde das sehr wichtig.
taz: Im Februar las man, dass Zuschauer*innen bei einer Aufführung
[4][im Bochumer Schauspielhaus auf die Bühne stürmten] und den Faschisten
unterbrechen wollten.
Zandwijk: Ja. Ich glaube, das zeigt sehr gut die Ohnmacht, die man als
Zuschauer empfinden kann, wenn man ihm so unwidersprochen zuhören muss. Im
besten Fall sollten diese Gefühle aber dazu führen, dass man über die
Theateraufführung hinaus aktiv wird.
taz: Sind in Bremen verstärkt Sicherheitskräfte vor Ort?
Zandwijk: Ja. Wir haben viel darüber gesprochen und sind abgesichert.
taz: Theater haben eine lange politische Geschichte. Welche
gesellschaftliche Funktion können sie Ihrer Meinung nach ausfüllen?
Zandwijk: Theater können uns einen Spiegel vorhalten, indem sie drängende
Fragen diskutieren: Wie gehen wir mit der Gefahr von Krieg um? Wie schaffen
wir es, gegen faschistische Politik anzukämpfen? In dem Stück wird die
Frage gestellt, ob man mit Faschisten reden kann. Und anstatt zu sagen, das
können wir nicht, wollen wir Worte finden, um den Faschismus zu bekämpfen.
28 Sep 2026
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## AUTOREN
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