# taz.de -- Ahmad Mansour „Haltung ohne Hass“: Mit geöffneten Armen
> Mansour schildert in vielen Anekdoten aus seiner Beratungspraxis in
> Schulen oder Gefängnissen. Er sieht Streit mit Andersdenkenden als
> wichtiges Element.
(IMG) Bild: Ahmad Mansour: Mit allen reden, auch wenn es ungemütlich ist, hilft
Zwist um politische Grundsätzlichkeiten zieht sich seit Langem durch
Familien, Freundeskreise und andere Nahbereiche menschlichen Lebens, nicht
erst seit Fragen um Corona, den russischen Krieg gegen die Ukraine, Israel
bzw. Gaza und Migration.
Viele plädieren inzwischen, um des lieben Friedens willen, für die Tugend
des Beschweigens: starke Differenzen im Weltanschaulichen unausgesprochen
zu lassen. Der in Berlin lebende, Talkshow-bekannte Psychologe und
Buchautor Ahmad Mansour spricht sich für das Gegenteil aus: Streit. Nicht
als Tugend, sondern als notwendige Voraussetzung, um überhaupt aus den
eigenen, wie er es in seinem Buch „Haltung ohne Hass“ nennt, „Echokammern“
hinauszugelangen.
Mit allen reden, auch wenn es ungemütlich ist, hilft, so Mansour, der
eigenen Bequemlichkeit Unruhe zu gönnen. Der Autor schlägt dies auch in
eigener Sache vor, denn tatsächlich wird der aus der politischen Linken
kommende und als palästinensischer Israeli aufgewachsene Spezialist für
Extremismen aller Art, vor allem des islamistischen, als Diskussionspartner
gern gemieden. Das schildert er, ohne Hass und ohne namentlich zu werden,
in einigen Passagen seines erfrischend coolen Buches, eindrücklich: Er
möchte mit allen reden – aber diese (etwa aus den Kulturszenen) nicht mit
ihm.
## Fruchtbar vielstimmig
Das ist auch deshalb schade, weil Mansour in vielen Anekdoten aus seiner
Beratungspraxis in Schulen oder Gefängnissen schildert, wie fruchtbar
Vielstimmiges sich auf das eigene Denken auswirken kann. Er verwahrt sich
strikt gegen Generalverdächtigungen und kommt deshalb umso intensiver auf
die blinden Flecken der aktivistischen Linken zu sprechen: im religiös
anmutenden Wahn gerade Jugendlicher, der islamistisch drapiert wird, Kerne
von Verzweiflung, Wut, Auswegsarmut zu erkennen.
Die titelgebende „Haltung“, die er, der als junger Mann selbst in
islamistischen Milieus Sinn suchte, als innere Grundlage für nötig hält:
Anerkennung für das Andere, Fremde; Verzicht auf den Anspruch auf letzte
Wahrheiten, Zumutungen aushalten.
Mansour, wie man ihn von Podien kennt, lebt diese Ansprüche vor. Sein Buch
transportiert gelungen die Idee, die eigenen Arme zum Willkommen geöffnet
zu halten. Jan Feddersen
7 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Jan Feddersen
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