# taz.de -- Potsdam-Institut über Klimafolgen: Sieben von neun Öko-Grenzen überschritten
       
       > Dem Planeten geht es so schlecht wie noch nie. Eigentlich sind Lösungen
       > aber bekannt, sagen Klimaforscher:innen. Man müsse nur handeln.
       
 (IMG) Bild: Folgen des Klimawandels: die Flut in Nepal, bei der Tausende Menschen starben
       
       afp | Die Gesundheit unseres Planeten ist zunehmend in Gefahr: Wie aus dem
       am Montag vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
       veröffentlichten [1][Planetaren Gesundheitscheck für 2026] hervorgeht,
       nimmt bei allen sieben bereits überschrittenen planetaren Belastungsgrenzen
       die Belastung weiter zu. „Rekordtemperaturen in den Ozeanen, schwere
       Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und extreme Hitze zeigen, dass das
       Erdsystem zunehmend unter Druck steht“, warnen die Autorinnen und Autoren.
       
       Als [2][planetare Grenzen] werden miteinander verbundene Erdsystem-Prozesse
       definiert, die sich innerhalb sicherer Grenzen bewegen müssen, um die
       Stabilität und Widerstandsfähigkeit unseres Planeten zu erhalten. Sieben
       der neun planetaren Grenzen liegen den Angaben zufolge inzwischen außerhalb
       des sicheren Bereichs. Zuletzt war 2025 auch die planetare Grenze für
       Ozeanversauerung überschritten worden.
       
       ## So schlimm wie nie
       
       Alle sieben Grenzen – Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderung
       der Landnutzung, Veränderung des Süßwasserkreislaufs, Veränderung der
       biogeochemischen Kreisläufe, Eintrag menschengemachter Substanzen und
       Ozeanversauerung – sind dem aktuellen Planetaren Gesundheitscheck zufolge
       mittlerweile so stark überschritten wie nie zuvor.
       
       Nur bei der Ozonschicht und der globalen Aerosolbelastung der Atmosphäre
       habe sich die Lage im vergangenen Jahrzehnt verbessert, erklärten die
       Autorinnen und Autoren. Bei den Aerosolen liege die Belastung trotz
       globaler Fortschritte in einigen Regionen aber weiterhin außerhalb des
       sicheren Bereichs.
       
       „Die Diagnose ist eindeutig: Der Druck auf alle planetaren Grenzen, die
       bereits außerhalb des sicheren Handlungsraums liegen, nimmt weiter zu“,
       erklärte PIK-Forscher Boris Sakschewski, der Leitautor des Berichts. Damit
       steige das Risiko „großräumiger, langfristiger und potenziell unumkehrbarer
       Veränderungen“. „Gleichzeitig wird unser Spielraum, diesen Problemen
       wirksam zu begegnen, immer kleiner“, warnte Sakschewski.
       
       ## Eigentlich gibt es Lösungen
       
       „Wir wissen, was zu tun ist, und haben die Möglichkeiten und Lösungen, um
       gegenzusteuern“, fügte PIK-Direktor und Co-Autor Johan Rockström hinzu.
       Wichtig sei jetzt, schnell zu handeln, „um bei allen planetaren Grenzen in
       den sicheren Handlungsraum zurückzukehren“. „Nur so können wir unser Leben
       und unsere Lebensgrundlagen schützen und Wohlstand für alle auch in Zukunft
       sichern“, erklärte Rockström.
       
       In diesem Jahr nahm der Bericht vor allem natürliche Kohlenstoffsenken in
       den Blick: Vegetation und Böden nehmen einen erheblichen Teil der vom
       Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen auf. Wiederholte [3][Hitze,
       Dürren, Brände und die Schädigung von Ökosystemen] können diese Aufnahme
       jedoch verringern und Ökosysteme können sich auf diese Weise in einigen
       Regionen von CO2-Speichern zu CO2-Quellen entwickeln.
       
       Die Autorinnen und Autoren gingen daher der Frage nach, ob Modelle, mit
       denen die Kohlendioxidaufnahme an Land berechnet wird, deren
       Widerstandsfähigkeit möglicherweise überschätzen. „Unser Weg zu
       Netto-Null-Emissionen ist auf funktionierende Kohlenstoffsenken
       angewiesen“, führte Sakschewski aus. „Aktuelle Beobachtungen sind ein
       Warnsignal dafür, dass unser Planet möglicherweise einen Teil seiner
       Fähigkeit verliert, die zunehmenden, von uns verursachten Belastungen
       abzupuffern.“
       
       22 Sep 2026
       
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