# taz.de -- Buch über Kunst im öffentlichen Hamburg: Allgemeingut an der frischen Luft
       
       > Aus dem Netz auf die Buchseite: Andrea Möller, die Frau hinter dem
       > „Kunstflâneur“, stellt 63 Kunstwerke im öffentlichen Hamburger Raum vor.
       
 (IMG) Bild: Sol Lewitts „Black Form-Dedicated to the Missing Jews“ steht seit 1989 vor dem Rathaus in Hamburg-Altona
       
       Kostenlos, barrierefrei und rund um die Uhr zugänglich: Der „Kunstflâneur“
       ist laut eigenen Worten „das einzige Online-Magazin für zeitgenössische
       Kunst und Baukultur in Hamburg und Norddeutschland“. Neben
       Social-Media-Bespielung und einen [1][Newsletter alle 14 Tage] tritt zum
       fünfjährigen Jubiläum nun ein gedrucktes Buch: In „Kunst entdecken im
       öffentlichen Raum“ stellt Andrea Möller 63 persönliche Hamburger
       Lieblingsorte vor.
       
       Alle Kunstwerke im Buch (und einige mehr) hatte sie in ihrem Newsletter
       vorgestellt. Neu ist die visuelle Präsentation durch [2][Enver Hirsch], der
       die meisten Orte und Objekte mehrmals aufgesucht hat. Aus der Flâneurs-
       also Fußgängerperspektive, aber auch aus teils stark erhöhtem Standpunkt
       erfasst er in präziser Totale wie in verdichtenden Details das
       Charakteristische jedes Objekts. Mitunter sind vereinzelte, manchmal
       verpixelte, in der Regel aber gar keine Menschen mit im Bild, was den Fotos
       eine etwas entrückte Aura verpasst.
       
       ## Mit Künstler:innen am Bau ging es los
       
       Kunst im öffentlichen Raum hat in Hamburg Tradition. Ab den 1910er-Jahren
       zog Oberbaudirektor Fritz Schumacher (1869–1947) stets lokale
       Künstler:innen für die Ausgestaltung öffentlicher Bauten hinzu.
       Definitorisch war das Kunst am Bau; dafür listet das Buch nun auch einige
       sehr viel jüngere Beispiele, etwa [3][Suse Bauers Arbeit „Blister“] (2018)
       in den denkmalgeschützten „Stadthöfen“ – [4][bekannter unter der
       Bezeichnung „Stadthaus“ und einst Hamburgs Gestapo-Zentrale].
       
       Im Jahr 1981, bewusst als Schritt in eine demokratische Stadtkultur,
       startete Hamburg das Bewerbungsprogramm „Kunst im öffentlichen Raum“ und
       löste damit den verpflichtenden Auftrag zur Kunst am Bau ab. 2013
       [5][stellte die Kulturbehörde dann erstmals eine „Stadtkuratorin“ vor], die
       in konkreten Projekten städtische und gesellschaftliche Fragestellungen
       ausloten soll.
       
       Aber nicht nur das: Vier internationale Gartenbauausstellungen ab 1953,
       Festivals zu Street Art und urbanen Künsten, Freiluftprogramme
       verschiedener Institutionen, auch [6][der Architektursommer] hinterließen
       ihre Relikte im öffentlichen Raum. Manchmal auch ganz beiläufig, etwa die
       Pflanzeninseln von Tita Giese aus dem Jahr 2000. Daneben fand humorvoll
       Irritierendes wie der hochbeinige „Direktor (Herrentasche)“ von [7][Erwin
       Wurm in der Einkaufsmeile Mönckebergstraße] den Weg ins Buch, die vier
       [8][Bojenmänner von Stephan Balkenhol] auf Hamburgs Gewässern und die
       [9][Posse um den einzigen Banksy Hamburgs], entstanden 2002.
       
       Auch kommemorative Plastik, die der Schrecken des NS-Regimes gedenken will,
       führt Möller an: [10][das „Mahnmal gegen Faschismus, Krieg und Gewalt“ von
       Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz] in Harburg, Lilli Fischers Installation
       „Kinder vom Bullenhuser Damm“, die schwarze Wand von [11][Sol LeWitts
       „Black Form – Dedicated to the Missing Jews“] vor dem Rathaus Altona. Oder
       [12][Thomas Schüttes] „Tisch mit 12 Stühlen“ in einer Niendorfer
       Grünanlage, am nördlichen Stadtrand: Elf backsteinerne Throne tragen die
       Namen ermordeter Widerstandskämpfer, der freie zwölfte Platz lädt zur
       Selbstreflexion ein. „Überaus gelungen“, so die Autorin – wenngleich
       „leider recht wuchtig und wenig einladend“.
       
       Ein seltener Anflug von Kritik. Aber das Buch ist Teil der Reihe
       „Wochenender“, Ausflugs-, Hotel- und Restauranttipps verpflichtet. So lenkt
       es den Blick auf oft Unbemerktes und fördert das entschleunigte „Flânieren“
       als zutiefst städtische Mobilitätsform. Und es fordert dazu auf, das große
       künstlerische Allgemeingut einmal wirklich ernsthaft zu würdigen.
       
       17 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bueromoeller.de/projekte/kunstflaneur
 (DIR) [2] /Fotobuch-und-Ausstellung-Behelfsheim/!5713383
 (DIR) [3] https://susebauer.net/wordpress/work/am-bau/wandrelief-in-den-stadthoefen-hamburg-2018/
 (DIR) [4] /Ehemalige-Gestapozentrale-in-Hamburg/!5816104
 (DIR) [5] /Wir-kriegen-viel-Zuspruch-HEUTE-IN-HAMBURG/!200130/
 (DIR) [6] /Wer-soll-sich-das-alles-ansehen/!782115/
 (DIR) [7] /suedwester/!5949526
 (DIR) [8] /Streit-um-Giraffenskulptur-bei-Hagenbeck/!5694439
 (DIR) [9] /Von-Beuys-und-Banksy/!213680&s=banksy+hamburg/
 (DIR) [10] https://stadtkuratorin-hamburg.de/en/research/texts/ein-denkmal-kann-den-faschismus-nicht-bekampfen-das-mussen-wir-selbst-tun
 (DIR) [11] https://gedenkstaetten-in-hamburg.de/gedenkstaetten/zeige/mahnmal-black-form-dedicated-to-the-missing-jews
 (DIR) [12] /Film-ueber-den-Kuenstler-Thomas-Schuette/!5932868
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bettina Maria Brosowsky
       
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