# taz.de -- Ukraine und Landtagswahlen: Wahl der Waffen
> Wem die Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen den russischen Überfall
> am Herzen liegt, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Wahlen vom
> Sonntag.
(IMG) Bild: Zerstörte Häuser in Kramatorsk durch einen russischen Luftangriff. Der Krieg in der Ukraine hatte großen Einfluss auf die Wahlen
Gemischte Gefühle dürften die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und
Berlin bei vielen ausgelöst haben. Selbst im so weltoffenen Berlin stimmte
jeder sechste Wähler für die AfD. Wenigstens war es keine Vollkatastrophe
wie in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen, wo die Rechtsextremen haushoch
triumphierten.
Bedeutet nun der große Erfolg der Linken in der Hauptstadt, dass Liebe und
Gerechtigkeit über den Hass gewonnen haben, wie die linke Spitzenkandidatin
und wahrscheinliche nächste Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp [1][den
bekannten Ausspruch des tschechischen Dissidenten Václav Havel]
(unbewusst?) variierte?
Die soziale Agenda ihrer Partei ist natürlich begrüßenswert. Auch kann man
sich durchaus darüber freuen, dass die amtierende Ministerpräsidentin
Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern qua Beliebtheit ihrer Person den
Erfolg der rechtsextremen AfD dämpfen konnte – ihre „Frau gegen
Blau“-Kampagne war insgesamt erfolgreich. Und dass die CDU dort aus dem
Landtag fliegt, haben sich die Christdemokraten mit ihrer
rückwärtsgewandten Innenpolitik redlich verdient.
Was uns allen jedoch große Sorgen bereiten sollte, ist, dass fortan viele
Russlandversteher in den Parlamenten in Magdeburg, Schwerin und auch im
Abgeordnetenhaus in Berlin sitzen werden.
## Fehlende Stimmen für die SPD
Der Reservistenverband und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)
[2][erwogen] angesichts der sich abzeichnenden AfD-geführten
Landesregierung in Sachsen-Anhalt, den [3][„Operationsplan Deutschland“]
aus der dortigen Staatskanzlei abzuziehen, da ein Abfluss
verteidigungsrelevanter Informationen nach Moskau zu befürchten sei.
Die Organisation HateAid schreibt mit Verweis auf Recherchen des Thinktanks
CeMAS, noch nie habe es bei uns so viel [4][Desinformation aus Russland]
gegeben wie im Vorfeld der drei Wahlen der vergangenen Wochen.
Denn auch der Kreml weiß: Obwohl auf Landesebene keine unmittelbaren
außenpolitischen Entscheidungen getroffen werden, haben die Wahlen der
vergangenen Wochen einerseits indirekte Auswirkungen auf diese,
andererseits beeinflusst der Krieg in der Ukraine das Verhalten der Wähler.
Schwesig meinte am Sonntag, dass die SPD auch [5][wegen ihrer Haltung zur
Ukraine Wählerstimmen an die AfD verloren] habe. In ihrem Bundesland gebe
es viele, die die finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine
ablehnten und sich wünschten, dass wieder Gas durch die
Nord-Stream-Pipelines fließt.
## Die Linke und die Waffen
Schwesig hat, gelinde gesagt, ein interessantes Verhältnis zu Russland. Als
Ministerpräsidentin unterstützte sie offensiv das Kreml-Projekt Nord Stream
2, das Deutschland in noch größere Abhängigkeit von russischem Gas bringen
sollte als bisher.
Zwar verurteilte Schwesig den russischen Angriffskrieg und bezeichnete den
Stopp von Nord Stream 2 infolge der Invasion die Ukraine als gut. Doch im
Untersuchungsausschuss zum Thema verteidigte sie Ende des vorigen Jahres
das Vorgehen ihrer Landesregierung und wälzte alle Verantwortung auf den
Bund ab.
Dabei war es ihre Regierung, die eine dubiose Klimastiftung ins Leben rief,
um die US-Sanktionen zu umgehen und die Pipelines mit Gazprom-Geld
fertigzustellen. Eine naive Russlandpolitik hat die russische Invasion mit
ermöglicht.
Die Linken sind nun keine dezidierten Putinfreunde, aber es scheint sie
wenig zu interessieren, dass in der Ukraine immer mehr Zivilisten ums Leben
kommen.
Der Co-Vorsitzende der Partei Luigi Pantisano sprach sich im
Sommerinterview trotz der verheerenden russischen Luftangriffe auf zivile
Ziele [6][gegen die Lieferung von Waffen an die Ukraine aus.]
Wie viele seiner Genossen versteht er nach über viereinhalb Jahren
Vollinvasion immer noch nicht, dass sich russische Raketen nicht mit netten
Worten vom Himmel holen lassen, sondern nur mit anderen Raketen. Liebe und
Gerechtigkeit haben die Linken für die Menschen in der Ukraine jedenfalls
nicht übrig. Stattdessen kritisieren sie die Schließung des Russischen
Hauses in Berlin, das der Kreml mutmaßlich zu Spionagezwecken nutzte.
Zwar gibt es bei der Linken zwei Gruppierungen auf Basisebene, die für eine
vernünftigere Außenpolitik stehen: die „Russischsprachige Linke“ und die
„Ukrainische Linke Initiative“. Doch die haben wenig Einfluss.
Sollte die Linke mit ihrer steigenden Beliebtheit bald auch im Bund mehr zu
sagen haben, so würde das verheerende Konsequenzen für unser aller
Sicherheit bedeuten. Ich jedenfalls möchte, dass im Ernstfall
Flugabwehrsysteme (ja, die mit den Raketen!) Raketen vom Himmel schießen
und Nato-Partner zur Hilfe kommen können – und dass eine solide
Verteidigungspolitik einen solchen Angriff überhaupt unwahrscheinlich
macht.
Immerhin ist das BSW bei den beiden Wahlen am vergangenen Sonntag, anders
als die ersten Prognosen befürchten ließen, nicht über die Fünfprozenthürde
gekommen. Ein kleiner Anlass zur Freude.
23 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nachruf-Vaclav-Havel/!5105094
(DIR) [2] https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/operationsplan-nato-verteidigungsfall-,bundeswehr-1194.html
(DIR) [3] https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/newsbeitrag/o-plan-bleibt-geheim-bundeswehr-prueft-empfaenger-genau
(DIR) [4] https://www.tagesschau.de/faktenfinder/fakes-wahlen-mecklenburg-vorpommern-berlin-100.html
(DIR) [5] https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-landtagswahl-mecklenburg-vorpommern-100.html
(DIR) [6] https://www.zdfheute.de/video/heute-nachrichten/pantisano-ukraine-waffen-video-100.html
## AUTOREN
(DIR) Yelizaveta Landenberger
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
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(DIR) GNS
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