# taz.de -- Umstrittenes Hochhausprojekt in Berlin: Fakten schaffen nach der Wahl
> Bevor sich der neue Senat konstituiert, droht der scheidende Senat noch
> Baurecht für einen umstrittenen Wohnturm nahe der Warschauer Brücke zu
> schaffen.
(IMG) Bild: Visualisierung des Hochhauses an der Warschauer Brücke
CDU und SPD gehören zu den großen Verlierer:innen der
Abgeordnetenhauswahl. Doch bis ein neuer Senat gebildet ist, bleibt die
alte Regierung im Amt. Diese Übergangszeit könnte die Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung nutzen, um ein umstrittenes Hochhausprojekt im Rudolfkiez
nahe der Warschauer Straße Brücke durchzuboxen.
Nach [1][einem Bericht des Tagesspiegels] strebt der Senat an, die
Planreife für den 167-Meter-Wohnturm in den kommenden Wochen noch vor der
Neukonstituierung des Senats zu erreichen. Auf taz-Anfrage teilt die
Pressestelle der Senatsverwaltung mit, den Bericht weder dementieren noch
bestätigen zu wollen. „Gegenwärtig kann darüber keine Aussage getroffen
werden, wann im laufenden Bebauungsplanverfahren eine Planreife erklärt
wird“, sagt Pressesprecherin Anett Seltz.
Das nur wenige 100 Meter vom Amazon-Tower entfernte Hochhaus wäre mit 167
Metern Höhe nach [2][dem Neuköllner Estrel Tower] der zweithöchste
Wolkenkratzer Berlins. Entstehen dort sollen insgesamt 1.060 Wohnungen,
davon ein Drittel Sozialwohnungen.
Der [3][Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lehnte zunächst die Planungen des
Investors ab], unter anderem mit der Begründung, dass weder ausreichend
soziale Infrastruktur noch Grünflächen für eine derart dichte Wohnbebauung
an dem Standort vorhanden seien. Ursprünglich plante der Bezirk auf dem
Grundstück vierstöckiges Gewerbe in einem zusammenhängenden Konzept mit den
umliegenden Quartieren, [4][dem sogenannten Rudolfband.]
## Senat zieht Planungen an sich
Doch im April vergangen Jahres zog die SPD-geführte Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung (SenStadt) die Planungshoheit an sich und trieb die
Entwicklung nach den Vorstellungen des Investors voran. Dabei wendet die
Senatsverwaltung ein beschleunigtes Bebauungsplanverfahren an. Sollte die
Planungsreife erreicht werden, kann der Investor einen Bauantrag stellen
und mit den Arbeiten beginnen.
Trotzdem gibt es immer noch ungeklärte Fragen. So meldete das
Eisenbahnbundesamt (EBA) schon im Mai Bedenken an. Für das Projekt müsste
ein Teil der angrenzenden Bahnflächen in öffentliches Straßenland
umgewandelt werden. Erst im Juli beantragte die Senatsverwaltung die
Freistellung der Flächen bei der Behörde. „Eine zeitliche Prognose für den
Abschluss des Freistellungsverfahrens ist derzeit noch nicht möglich“, sagt
eine Sprecherin des EBAs.
Laut Tagesspiegel versuchte Noch-Finanzsenator Stefan Evers (CDU), über
Kontakte im Bundesverkehrsministerium Druck auf das Eisenbahnbundesamt
auszuüben in der Hoffnung, die Prüfung würde zugunsten des Investors
ausfallen.
## Mysteriöse Spende
Der Vorhabenträger Atrium Development spendete im Wahlkampf 2023 die Summe
von 20.000 Euro an die CDU. Einen Zusammenhang zwischen dem Hochhausprojekt
und der Spende dementierten sowohl CDU als auch das Unternehmen.
Gegenwind für die Senatsverwaltung kommt auch von den eigenen
Parteikollegen. In der letzten Sitzung des Bauausschusses Ende August
äußerte der SPD-Abgeordnete Mathias Schulz (SPD) starke Zweifel
hinsichtlich der Realisierbarkeit des Projekts, und dass er innerhalb der
Koalition „keine Mehrheit“ für das Projekt sehe.
Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) warnt den
scheidenden Senat davor, das umstrittene Hochhausprojekt in der
Rudolfstraße noch vor der Konstitution der neuen Regierung durchzudrücken.
„Das wäre ein Skandal“, sagt Schmidt der taz. Der Baustadtrat habe
erhebliche Bedenken, was die Rechtmäßigkeit des Verfahrens angehe. „Es
stellt sich die Frage, ob nur gegen Schadensersatz die Verfahren beender
oder aufgehoben werden können. Diese Hypothek einer neuen Regierung
mitzugeben ist unverantwortlich“, sagt Schmidt.
Das Hochhaus bezeichnet Schmidt als „reines politisches
Gefälligkeitsprojekt“, die neuen Koalitionsparteien sollten das Projekt
stoppen.
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/167meter-turm-in-der-rudolfstrasse-berliner-senat-will-kurz-vor-der-wahl-offenbar-noch-baurecht-schaffen-16063553.html
(DIR) [2] /Berlins-erster-Wolkenkratzer/!6044209
(DIR) [3] /Erstes-Wohnhochhaus-in-Berlin/!6172918
(DIR) [4] https://mein.berlin.de/vorhaben/2024-00975/
## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
## TAGS
(DIR) Hochhaus
(DIR) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
(DIR) Schwarz-rote Koalition in Berlin
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