# taz.de -- Erstes Wohnhochhaus in Berlin: Der Kiez sagt nein
> Auf einer Einwohnerversammlung im Rudolfkiez streiten Bezirk und Senat
> über Pläne für einen Wolkenkratzer. Senator Gaebler muss sich viel Kritik
> anhören.
(IMG) Bild: Der Edge East Side Tower, bekannt als Amazontower gilt als Symbol der Gentrifizierung im Kiez
Seit Monaten sorgt der geplante Bau eines 167 Meter hohen
Wohn-Wolkenkratzers mit insgesamt 1.000 Wohnungen im Rudolfkiez hinter dem
S-Bahnhof Warschauer Brücke für Aufregung bei den Anwohner*innen. Nachdem
der Senat das Verfahren an sich zog, protestierten auch die
Bezirkspolitiker*innen von Friedrichshain-Kreuzberg.
Am Mittwochabend kam es in der Turnhalle der Emanuel-Lasker-Schule zum
Schlagabtausch zwischen den Kontrahenten. Im Rahmen einer
Einwohnendenversammlung stellte Bezirks-Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne)
noch einmal seine ursprünglichen Planungen vor, die an jener Stelle nicht
den Bau eines Hochhauses vorsahen. „Uns ging es darum, Gewerbe auch in
Wohngebieten zu ermöglichen“, so der Bezirkspolitiker. Er verwies darauf,
dass bei den Planungen die Einwohnenden von Anfang an einbezogen waren. Dem
Senat warf er vor, im Interesse der Investoren dem Bezirk die Planungen aus
der Hand genommen zu haben.
Der zuständige Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Christian
Gaebler (SPD), betonte hingegen, dass es ihm darum gehe, schnell Wohnungen
zu errichten. „Alle reden davon, dass wir Wohnungen brauchen, aber nicht in
ihrer Nähe“, sagte er.
Diesen Vorwurf wiesen die zahlreich erschienenen Anwohner*innen
vehement zurück. „Wir wollen nicht verhindern, dass Menschen in unseren
Kiez ziehen. Wir sind aber dagegen, dass hier ein Investor mit Wohnraum
Profite macht und von Politiker*innen dabei unterstützt wird“, sagte
eine Frau, die nach eigenen Angaben seit 20 Jahren im Rudolfkiez lebt, und
bekam dafür viel Applaus. Anwohner Vinzent Illmer kritisiert den „vulgär
hohen Turm, den der Kiez nicht verträgt“. Das Projekt soll den Amazontower
noch einmal deutlich überragen.
## Grundstückspreis unbekannt
„Hier geht es doch um Kapitalinteressen und nicht um Wohnungen“, ist auch
Architekt Carsten Jost überzeugt. Er erhielt auf seine Frage nach den
Kaufpreis für das Grundstück von den anwesenden Investoren keine Antwort.
Er ist aber überzeugt, dass die jetzigen Planungen in dieser Höhe keine
Chance auf Realisierung haben.
Auf der Einwohnendenversammlung wären sie mit großer Mehrheit
durchgefallen. Mehrere Redner*innen erinnerten Gaebler daran, dass er
nach den nächsten Wahlen vielleicht nicht mehr im Amt ist und dann noch
einmal neu über die Planungen diskutiert wird. Doch es gab auch
Befürchtungen, es könnten schon vor den nächsten Wahlen durch beschleunigte
Genehmigungen Fakten geschaffen werden, was auch Gaebler nicht ausschließen
wollte. Dann aber würden Schadenersatzklagen drohen, wenn andere Mehrheiten
sich gegen das Hochhaus entscheiden sollten.
Timo Steinke von der Initiative „Berlin gegen Gentrifizierung“ rief dazu
auf, sich in der nächsten Zeit bei Protesten darauf zu konzentrieren, dass
keine schnellen Fakten geschaffen werden. Er bekam dafür ebenso viel
Applaus wie Redner*innen der Initiative „Kiez ohne Klotz“, die sich
gegründet hat, um die Hochhausplanungen zu verhindern. Auch Gaebler hatte
einige freundliche Lacher. Dabei ging es allerdings um eine Karikatur, die
ihn als Turm-Mann darstellt und die ihm nach der Versammlung
entgegengehalten wurde.
23 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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(DIR) Hochhaus
(DIR) Anwohner
(DIR) Partizipation
(DIR) Schwerpunkt Gentrifizierung in Berlin
(DIR) Felix Weisbrich
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