# taz.de -- Antifaschistin über Wahlen in MV: „Das Ergebnis ist beschissen“
       
       > Angesichts der erstarkten AfD warnt Leila Proft von rostock.nazifrei vor
       > steigender Gewalt und rechnet mit Fehlern von SPD und Linkspartei ab.
       
 (IMG) Bild: Ein Plakat bei einer Demo vom Bündnis „Zusammen bewegen“ Anfang September in Schwerin
       
       taz: Wie geht es euch mit dem Wahlergebnis? 
       
       Leila Proft: Wir sind davon ausgegangen, dass es ein scheiß Ergebnis wird.
       Und das ist es auch. Wir haben das zweithöchste AfD-Ergebnis in der
       Bundesrepublik.
       
       taz: Gibt es auch etwas, worüber ihr euch freut? 
       
       Proft: Das Einzige, worüber wir uns freuen, ist, dass CDU und [1][BSW]
       nicht in den Landtag kommen werden. Aber das ist eine bittere Freude. Das
       ist eine Schadenfreude, denn die fährt ja ein Programm, wie es vor fünf
       Jahren die AfD hatte. Das ist scheinheilig und deshalb ist die CDU eben
       nicht mehr wählbar. Und obwohl [2][jetzt eine rot-grün-rote Landesregierung
       kommen dürfte], ist klar: Es wird schwieriger werden – sei es ehrenamtliche
       Arbeit, sei es hauptamtliche, zum Beispiel im sozialen Bereich oder für
       Leute, die in Unterkünften für Geflüchtete arbeiten. Auch das private Leben
       wird schwieriger werden.
       
       taz: Wie zum Beispiel? 
       
       Proft: Es braucht ja keine AfD-Regierung, um den Rechtsruck zu bemerken. In
       meinem Job arbeite ich viel mit der öffentlichen Verwaltung zusammen. Dort
       wird sehr deutlich: Es herrscht ein vorauseilender Gehorsam. Normalerweise
       gibt es vor Wahlen immer „Wahlprüfsteine“. Das sind Fragen und Antworten
       von Interessengruppen an die politischen Parteien. Dabei wurden alle
       relevanten Parteien gefragt, also auch die AfD. Und der Landkreis ist nicht
       mehr bereit, das zu veröffentlichen, weil er Angst hat, dass er damit
       vermeintlich seine Neutralität gefährdet.
       
       taz: Wie zeigt sich die autoritäre Entwicklung auf der Straße? 
       
       Proft: Zum Beispiel bei einer Kundgebung gegen die AfD am Samstag in
       Warnemünde. Die Person, die da moderiert hat, war eine weiblich gelesene
       Person mit bunter Perücke. Die wurde angegriffen. Eine bunte Perücke hat
       schon gereicht! Erst sind Leute kopfschüttelnd vorbeigelaufen. Dann ist
       eine Passantin auf sie zugegangen und hat sie geschubst. Also kein
       Nazi-Kader, eine ganz normale Passantin.
       
       taz: Die AfD ist zwar mit 38,2 Prozent stärkste Kraft geworden. Die
       absolute Mehrheit hat sie aber verpasst und voraussichtlich will niemand
       mit ihr koalieren. Das ist doch immerhin etwas, oder? 
       
       Proft: Das Problem ist, dass die Gewalt weiter zunehmen wird. Vorfälle wie
       die in Warnemünde zeigen, dass die Hemmschwelle für Angriffe sinkt, auch in
       der „normalen“ Bevölkerung. [3][Es ist nachgewiesen: Wenn die AfD hohe
       Wahlergebnisse hat, nehmen die Angriffe zu.] Das haben wir schon nach den
       Kommunalwahlen gesehen. Die Angreifenden sehen sich als die ausübende Kraft
       eines politischen Willens im Land, sie fühlen sich durch die hohe
       Zustimmung zur AfD legitimiert. Und das wird jetzt noch unangenehmer.
       
       taz: Was erwartet ihr denn von SPD und Linkspartei, sollten sie erneut Teil
       der Regierung werden? 
       
       Proft: Na, die sollten endlich soziale Politik machen. Stattdessen gibt es
       kostenlose Kitas für alle, auch für die, die sich die Gebühren leisten
       könnten. Dieses Geld wäre besser woanders investiert. Das
       Bildungsministerium war bisher in linker Hand, aber in den Schulen brennt
       die Hütte! Die haben ein massives Problem mit rechten Schülern und werden
       damit komplett alleingelassen. Es fehlen Lehrkräfte, Sozialarbeitende,
       Ausstattung und vieles mehr. Dabei könnte Bildung unter einer rot-roten
       Regierung doch eigentlich reinste Paradies sein. All diese Dinge müssten
       sich dringend ändern, wenn die Leute nicht noch unzufriedener werden
       sollen. Und es war die rot-rote Regierung, die die die Bezahlkarte
       eingeführt und Geflüchtete damit noch weiter entmündigt hat. Das ist doch
       keine linke Politik!
       
       ## taz: Wieso ist das aus deiner Sicht bislang so gelaufen?
       
       Proft: Das liegt auch sehr stark an innerparteilichen Problemen der
       demokratischen Parteien. Selbst die Linkspartei ist hier in
       Mecklenburg-Vorpommern total verkrustet, immer noch sind hier viele alte
       Kader am Drücker. Dabei könnte die Linke easy mehr Stimmen holen, wenn sie
       endlich die vielen stabilen jungen Frauen, die es hier ja gibt, ranlassen
       würde. Nicht nur, weil die besser wissen, wie Social Media funktioniert,
       was essenziell für Wahlerfolge ist, sondern auch, weil die andere Themen
       setzen und neue Leute aktivieren würden.
       
       22 Sep 2026
       
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