# taz.de -- Neue Blüte im deutschen Tennis: Alex Zverevs später Sommer
       
       > Erst gewinnt er erstmals die US Open, dann führt er das deutsche
       > Davis-Cup-Team ins Final: Alexander Zverev steht auf einem Peak seiner
       > Karriere.
       
 (IMG) Bild: Innig zum Cupsieg? Alexander Zverev und Teamchef Michael Kohlmann
       
       Als selbstständiger Tennisunternehmer reist Alexander Zverev rund zehn
       Monate kreuz und quer durch die Welt, über Kontinente und Zeitzonen hinweg.
       Er ist Chef der Firma Zverev, hat ein Team von Servicekräften und Vater
       Alexander als Coach an Bord, aber er ist dennoch auch ein einsamer Solist.
       Alles kreist um Zverev, den Star, [1][den French-] und US-Open-Champion,
       dessen DNA „zu 90 Prozent ist, auf mich selbst gestellt zu sein“: „[2][Man
       ist manchmal schon sehr allein in dieser Welt]“, sagt Zverev.
       
       Es wundert nicht, wie wohl sich Zverev im Biotop des Davis-Cups fühlt, in
       dem für wenige Tage und Wochen ein sonst nicht gekanntes
       Gemeinschaftsgefühl herrscht, ein vereinter Kampf für ein Ziel. Dem
       29-jährigen Hamburger, der am Wochenende im ostwestfälischen Halle
       Deutschland zu einem umjubelten 3:1-Sieg gegen Kroatien und in die
       Finalrunde in Bologna Ende November führte, geht es dabei nicht anders als
       den Altmeistern Boris Becker und Michael Stich Ende der 80er und Anfang der
       90er Jahre. Die rare Gelegenheit, solidarisch im Team für etwas Größeres
       als nur den eigenen Erfolg zu streiten, ließ Becker und Stich [3][sogar
       individuelle Zielmarken vergessen].
       
       „Davis-Cup-Siege waren für mich genau so viel wert wie Grand-Slam-Titel“,
       sagt Becker, der 1988 und 1989 in überragender Form der wertvolle
       Punktlieferant bei deutschen Siegen gegen Schweden war. Der aber trotz
       Superstarstatus keine Sonderrechte und Privilegien beanspruchte, sondern
       sich wohlfühlte im Vier-Freunde-Team mit Eric Jelen, Carl-Uwe Steeb und
       Patrik Kühnen. Becker war bei diesen Triumphen genauso auf dem Zenit seines
       Könnens wie 1993 Stich, der ein Glanzjahr mit Siegen etwa am Hamburger
       Rothenbaum und bei der ATP-WM noch mit dem Davis-Cup-Erfolg veredelte – in
       Düsseldorf mit dem 4:1 gegen Australien. An seiner Seite damals: Marc-Kevin
       Goellner, Bernd Karbacher, Steeb und Kühnen.
       
       33 Jahre später scheint Alexander Zverev auf den Spuren der beiden Granden
       Becker und Stich unterwegs zu sein. Eine Dekade nach seinen ersten
       Achtungsmomenten im professionellen Tourbetrieb spielt er nun gereift und
       abgeklärt das beste Tennis seines Lebens – und könnte als Nummer eins unter
       Gleichen die schwarz-rot-goldene Auswahl zum vierten Davis-Cup-Coup
       anführen.
       
       Dies könnte auch dabei helfen, sein beschädigtes Image in Deutschland
       aufzubessern. Das Verfahren gegen ihn wegen häuslicher Gewalt, die seine
       Ex-Freundin 2021 anzeigte, wurde gegen eine Zahlung Zverevs (200.000 Euro)
       2024 ohne Urteilsspruch eingestellt. Juristisch gilt er damit als
       unschuldig, seiner Popularität hierzulande kam dies jedoch nicht zugute.
       
       „Das verdammte Ding endlich zu gewinnen“, ist Zverevs erklärtes Ziel. Und
       es müsste schon viel passieren, um den zweimaligen Grand-Slam-Champion vom
       Mitwirken bei der Endrunde in Italien (24.–29.11.) abzuhalten, selbst wenn
       er darauf verweist, „dass ich noch eine Menge Tennis in diesem Herbst vor
       mir habe“.
       
       ## Enges Fenster
       
       Zverev weiß genau, dass es für seine noch offenen Tennislebensträume ein
       eng begrenztes Zeitfenster gibt – sowohl für die Übernahme der
       Nummer-1-Position in der Weltrangliste wie auch für den Davis-Cup-Sieg. Im
       Teamwettbewerb ist die Lage klar: Zverev in seiner Schlagkraft im Hier und
       Jetzt und auch das Weltklasse-Doppel Kevin Krawietz/Tim Pütz sind gegen
       jeden Gegner für die nötigen Siegpunkte gut. Aber da sich Tim Pütz mit
       Rücktrittsgedanken trägt, ist das Duo in dieser Saison womöglich letztmals
       unter deutscher Fahne aktiv.
       
       Zverev sollte mit soliden Auftritten in den nächsten Wochen das Fundament
       für den Sprung auf den Tennisgipfel legen können. Er ist fit wie nie, die
       Belastungen der Tour meistert er 2026 souveräner denn je. Er ist ohnehin
       als Vielspieler bekannt, der lieber auf den Centre Court schreitet, als zu
       trainieren oder zu pausieren.
       
       Gegen den Willen seines Teams setzte er schon den Start in Halle durch,
       eine „absolut richtige Entscheidung“, wie Zverev findet: „Ich nehme nach
       den Tagen mit unserer Truppe noch mal richtig Rückenwind mit, das war
       großer Spaß.“ Nur zu gerne würde Zverev auch ein echtes Finale spielen, so
       wie einst seine Vorgänger Becker und Stich, schließlich hält er den neuen
       Modus des Weltverbandes für „totalen Mist“: „Richtige Heimspielatmosphäre,
       das war das, was hier in Halle passiert ist.“ Und nicht ein irgendwie
       gesichtsloses Endturnier in der Fremde.
       
       Kurios genug, dass Zverev zweimal in dieser Saison zu Pflichtterminen in
       der beschaulichen Provinz von Halle anrückte – immer dann, wenn er vorher
       einen Grand Slam-Titel eingestrichen hatte. „Das kann vorn mir aus so
       weitergehen“, sagte Zverev, „vielleicht bringt mir der Sieg jetzt mit dem
       Team auch Glück für die nächsten Aufgaben.“
       
       22 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Alexander-Zverev-gewinnt-French-Open/!6185233
 (DIR) [2] /Haeusliche-Gewalt-Vorwuerfe-gegen-Alexander-Zverev-Nicht-unser-Sascha/!6185215
 (DIR) [3] /Hunde-bei-den-French-Open/!6184037
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jörg Allmeroth
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Tennis
 (DIR) Davis-Cup
 (DIR) Alexander Zverev
 (DIR) Bologna
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Häusliche-Gewalt-Vorwürfe gegen Zverev: Nicht „unser Sascha“
       
       Die deutsche Presse feiert den French-Open-Sieg des Tennisspielers
       Alexander Zverev. Haben die nicht ein Detail vergessen?
       
 (DIR) Alexander Zverev gewinnt French Open: Der Beharrlichste
       
       Alexander Zverev triumphiert nach etlichen Anläufen in Paris mit 29 Jahren
       erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier. Der Weg dahin war einer mit vielen
       Turbulenzen.
       
 (DIR) Hunde bei den French Open: Tiere mit Akkreditierung
       
       Hunde gehören zu den wichtigsten Accessoires im Tennissport. Alexander
       Zverevs Dackel und Aryna Sabalenkas Spaniel sind die Hingucker des
       Turniers.