# taz.de -- Tischtennis-TV auf Umwegen: Es geht alles nur mit dem richtigen Zugang
       
       > Tischtennis ist auch beim TV-Konsum ein niederschwelliger Sport.
       > Internationale Turniere werden kostenlos gestreamt. Doch was tun, wenn WM
       > ist?
       
 (IMG) Bild: Wegen der TV-Rechtslage nur eingeschränkt zu sehen: Tomokazu Harimoto aus Japan scheiterte doch wieder an den Chinesen
       
       Neulich saß ich bei einem Darts-Turnier in einer seelenlosen Messehalle im
       sogenannten Pressebereich. Mit meiner Umhängekarte hatte ich überallhin
       Zugang. Während sich draußen vor den Toren Schlangen karnevalesk
       Kostümierter für die Abendsession bildeten, ging ich nach Lust und Laune
       rein und raus; an den Fress- und Trinkständen bekam ich 50 Prozent auf
       alles, am Schlusstag sogar umsonst. Das Publikum wurde einmal am Tag
       ausgetauscht, je nach Sessions, die Arbeitenden mit Access, darunter wir
       Hanseln von der Presse, blieben einfach da.
       
       Am selben Wochenende fanden in London die Team-Weltmeisterschaften im
       Tischtennis statt. Übertragen [1][wurden sie auf Youtube], außer in den
       Ländern, in denen Bezahlsender die Rechte eingekauft hatten. Nun gibt es
       Möglichkeiten, das sogenannte Geoblocking zu umgehen – manchmal ist Youtube
       allerdings seinerseits so schlau und erkennt das.
       
       So hatte ich leider den falschen Rechner dabei, Youtube spielte mir zwar
       niederländische Werbung vor, ließ mich aber nicht in den Livestream. Was
       auch immer ich probierte, und ich probierte wirklich stundenlang irgendwas,
       sogar auf der Website des chinesischen Fernsehens tummelte ich mich, von
       den entscheidenden Spielen bekam ich kein Bild und musste mich mit
       Livetickern begnügen.
       
       Ungefähr zur selben Zeit kam die Meldung, dass der DFL, der Deutschen
       Fußball-Liga, und dem Bezahlsender DAZN „[2][ein Schlag gegen
       TV-Piraterie]“ gelungen sei. Livetv.sx, ein nicht unbekanntes, aber
       „illegales“ Streamingportal, muss demnach „gesperrt“ werden. Unter dem
       entsprechenden Beitrag [3][auf dem Insta-Kanal der Tagesschau] häuften sich
       schnell die Kommentare. In die Feierlaune wollte dort aber absolut niemand
       einstimmen, im Gegenteil.
       
       So mancher sah sich der letzten Möglichkeit beraubt, noch erstklassigen
       Fußball zu sehen, ohne fünf Abos über einen dreistelligen Wert im Monat
       abschließen zu müssen. Die Piraten seien doch eher die Rechteinhaber, so
       der Tenor, und die Rechteverkäufer, besonders DAZN und die DFL, wären doch
       die allerschlimmsten, machten sie nebenbei auch noch den Sport kaputt.
       
       ## Kelle mit drei Bällen
       
       Gut, hier könnte jetzt eine lange Abhandlung darüber folgen, warum gerade
       der Fußball einerseits so freidreht, andererseits trotz allem immer noch
       wie irre konsumiert wird. Stadien sind voll, Abos werden abgeschlossen,
       jedes Dreckspiel wird weggeguckt, isso. Der finanzschwache Pöbel ohne
       Zugang bleibt draußen oder guckt, wo das Loch im Zaun ist, selbst wenn das
       damit einhergeht – so meine Erfahrung –, dass man eh die Hälfte des Spiels
       wegen „Buffering“, also eingefrorener Szenen, verpasst.
       
       Tischtennis ist dagegen ein klassisch niederschwelliger Sport. Im
       1-Euro-Shop gibt es in Plastik eingeschweißte Kellen mit drei Bällen für
       fünf Euro, im Park steht eine Steinplatte, los geht’s. Vereinsleben ist,
       verglichen mit Gyms, gar nicht so teuer, und wenn man das Glück hat, im
       Saarland zu wohnen, konnte man für wenig Geld den amtierenden Olympiasieger
       aus China auch mal in echt am Tisch spielen sehen.
       
       Die internationalen Turniere laufen zu jeder Uhrzeit fast unbeschränkt auf
       Youtube, sogar, wenn sie in Lagos oder in Skopje stattfinden. Nur wenn es
       wirklich wichtig wird, braucht man Tricks oder muss ein Abo abschließen.
       
       Das Finale zwischen China und Japan, jedenfalls das der Männer, konnte ich
       dann doch gucken, weil es in Polen einen Youtuber gibt, der das Spiel live
       von seinem ergonomischen Schreibtischstuhl aus kommentiert hat. Großes
       Originalbild, kleines Eck unten links mit Youtuber Dariusz aus der
       Kommentierzentrale. Ich habe kein Wort verstanden, auch schien er mir weder
       engagierter noch origineller als die Originalkommentatoren, aber sei's
       drum. Auf die auf englisch gemachte Aufforderung, seinen Kanal zu
       abonnieren, habe ich trotzdem nicht reagiert.
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/@wttglobal
 (DIR) [2] https://www.chip.de/news/tv-streaming-sound/dazn-schlag-gegen-pay-tv-piraten_33114aa6-1114-4a7b-bdcc-2d6e5e9de60b.html
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DX_6Zh2gs-U/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) René Hamann
       
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