# taz.de -- Argentinien und Großbritannien: Neuer Anlauf im Inselkonflikt
> Argentiniens Präsident Javier Milei will die Malwinen (Falklandinseln)
> von den Briten zurück. Seine nächste Bühne: die UN-Generalversammlung.
(IMG) Bild: Der Konflikt um die Falklandinseln/Malwinen ist international in den Hintergrund getreten, in Argentinien aber omnipräsent
Wenn der argentinische Präsident Javier Milei am Mittwoch an das Rednerpult
der UN-Generalversammlung tritt, wird er die argentinische
Souveränitätsforderung über die Malwinen bekräftigen, die unter dem Namen
Falklandinseln ein britisches Überseegebiet sind. Dass Milei dabei auf den
Rückhalt von US-Präsident Donald Trump setzt, dürfte er in seiner Rede
ebenfalls deutlich werden.
Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach gegen Großbritannien
gestänkert und dabei auch die US-Position zum Inselkonflikt infrage
gestellt. Die Äußerungen des US-Präsidenten lassen sich allerdings eher als
Ausdruck seines Frusts über die mangelnde Unterstützung der britischen
Regierung im Krieg gegen Iran und weniger als aktive Unterstützung der
argentinischen Position zu der Inselgruppe im Südatlantik interpretieren.
[1][„Las Malvinas son argentinas! – Die Malwinen sind argentinisch!“],
sagte Milei Anfang September in einer landesweit ausgestrahlten Ansprache.
Die Inselgruppe liegt 400 Kilometer vor der argentinischen Atlantikküste.
Seit 1833 stehen die Inseln unter Kontrolle Großbritanniens. [2][Bewohnt
werden sie von rund 3.000 Menschen mit zumeist britischer Abstammung.]
Im April 1982 begann die damalige argentinische Militärjunta mit der
Invasion der Inseln, woraufhin Großbritannien Kriegsschiffe entsandte. Die
USA stellten sich hinter Großbritannien. Der Krieg dauerte über zwei Monate
und endete mit der Kapitulation Argentiniens und dem Tod von 649
argentinischen und 255 britischen Soldaten sowie 3 Inselbewohnern.
## Dann also diplomatisch
Seither versucht Argentinien auf diplomatischem Weg, die Inseln
zurückzugewinnen. Das wichtigste Forum dafür ist die UN-Generalversammlung,
auf der Argentinien jährlich die bereits 1965 verabschiedete UN-Resolution
mit stets breiter Unterstützung bestätigen lässt. Diese erkennt einen
Souveränitätsstreit im Kontext einer „kolonialen Situation“ an und fordert
Großbritannien zu Verhandlungen mit Argentinien auf.
Während der Konflikt international weit in den Hintergrund getreten ist,
ist er im argentinischen Alltag omnipräsent. Die Losung „Las Malvinas son
argentinas“ ist emotional besetzt. Sie wird im Kindergarten und in der
Schule gelehrt. Sie steht auf öffentlichen Verkehrsmitteln, und wer durch
die Pampa fährt, kommt alle paar hundert Kilometer an einem Straßenschild
vorbei, auf dem der Slogan prangt.
Auch einige argentinische Spieler erinnerten die Welt bei der
Fußballweltmeisterschaft Mitte Juli an die argentinische Forderung, als sie
nach dem Halbfinalspiel gegen England ein mit der Losung beschriftetes
Bettlaken ausbreiteten, [3][das einige Fans ins Stadion geschmuggelt und
über die Absperrung geworfen hatten.] Doch während die Aktion in der
Bevölkerung auf große Sympathie stieß, zeigte sich die Regierung davon
wenig begeistert.
Anfang September dann jedoch erneuerte die Regierung ihren Anspruch. Den
Anlass lieferte das Projekt „Sea Lion“, bei dem zwei Firmen aus
Großbritannien und Israel mit der Offshore-Erdölförderung rund 220
Kilometer nördlich der Inseln beginnen wollen. „Unsere nationale Sache ist
heute einer eindeutigen und dringenden Gefahr ausgesetzt, die eine
angemessene Reaktion erfordert“, erklärte der Präsident in der Ansprache.
## Milei in der Bredouille
Milei kündigte harte Sanktionen gegen alle Unternehmen an, die sich an „Sea
Lion“ beteiligen, und die Einrichtung einer Marinebasis auf Feuerland, nahe
der Falklandinseln. Dazu muss jedoch ein bereits bestehendes
Sanktionsgesetz verschärft und auf einer seit Langem brachliegenden
Baustelle in der Hauptstadt der Provinz Feuerland, in Ushuaia,
weitergearbeitet werden. Vergangene Woche brachte die Regierung den dafür
notwendigen Gesetzesentwurf im Kongress ein.
Die Reaktion der britischen Regierung kam prompt. Die Sanktionen gegen die
Unternehmen seien „inakzeptabel“ und „rechtlich unbegründet“. Die Inseln
seien „britisch“ und ihre Bewohner hätten das Recht, die natürlichen
Ressourcen im Einklang mit ihrem Selbstbestimmungsrecht zu fördern, hieß es
am Freitag aus London.
Dass der libertäre Präsident die Nationalismuskarte ausspielt, lässt sich
auch anders interpretieren. Mileis Umfragewerte sind schlecht. [4][Das
wirtschaftliche und soziale Klima verdüstert sich zunehmend und seine
Wiederwahl im nächsten Jahr ist nicht mehr sicher.] Dass Milei damit
punkten kann, zeigen die Reaktionen. „Selbst wenn es die schlimmste
Regierung der Welt wäre, wäre alles richtig, was gegen die englischen
Invasoren unternommen wird“, schrieb der Linksperonist und entschiedene
Widersacher Mileis, Juan Grabois.
21 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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