# taz.de -- Wahlkampf in Argentinien: Trumpfkarte Nationalgefühl
> Argentiniens Präsident Milei missbraucht die britischen Falklandinseln
> als nationalistisches Wahlkampfthema, weil seine Umfragen schlecht sind.
(IMG) Bild: Kampf um die Falklandinseln – die Argentinien „Malwinen“ nennt – während der WM im Juli 2026
Was hat die reine Lehre des Anarchokapitalismus mit Nationalismus zu tun?
Nichts. Warum also spielt der argentinische Präsident Javier Milei die
nationalistische Karte aus? Weil ihm das Wasser bis zum Hals steht. Das
Bild passt zu den Falklandinseln – die Argentinien Malwinen-Inseln nennt –,
um die es geht. „Unsere nationale Sache ist heute einer eindeutigen und
dringenden Gefahr ausgesetzt, die eine angemessene Reaktion erfordert“,
erklärte Milei vergangenen Donnerstag in einer landesweit ausgestrahlten
Ansprache. Und: „Las Malvinas son argentinas!“ – „Die Malwinen sind
argentinisch!“
Mileis Umfragewerte sind schlecht, seine Wiederwahl im kommenden Jahr ist
nicht mehr sicher. Die [1][wirtschaftliche Realität, die soziale Härten]
und die politischen Enttäuschungen lassen sich nicht einfach mehr wegreden.
Und so entdeckt und missbraucht der radikale Marktfundamentalist den
Nationalstaat als Wahlkampfinstrument. Der Spruch „Las Malvinas son
argentinas“ ist emotional besetzt und auf dem Festland alltäglich präsent.
Er wird im Kindergarten und in der Schule gelehrt. Er prangt an jedem
öffentlichen Verkehrsmittel, und wer durch die Pampa fährt, kommt alle paar
Hundert Kilometer an einem Straßenschild mit dieser Aufschrift vorbei.
Daran wurde auch bei der Fußballweltmeisterschaft von einigen
argentinischen Spielern mitgewirkt, als sie nach dem Halbfinalspiel gegen
England ein beschriftetes Bettlaken ausbreiteten, das einige Fans ins
Stadion geschmuggelt und über die Absperrung geworfen hatten. Von dieser
Aktion führt ein roter Faden zur „Malwinisierung“ des Präsidenten. Während
die Aktion [2][in der Bevölkerung auf große Sympathie] und Zustimmung
stieß, zeigte sich Milei wenig begeistert davon. Vergangene Woche stellte
er sich an die Spitze der Bewegung. Deren Ziel ist jetzt nicht mehr die
Rückgewinnung der Inseln, sondern seine Wiederwahl.
Doch wer glaubt, das Manöver ist zu durchsichtig und plump, irrt. Als die
Militärdiktatur 1982 vor dem Aus stand, ließ der Juntachef die Inseln
besetzen. „Las Malvinas son argentinas, los desaparecidos también“. Der
Slogan „Die Malwinen sind argentinisch, die Verschwundenen auch“ stand auf
einem Transparent der Mütter der Plaza de Mayo. Das gilt auch heute: Egal,
wie schlecht die Regierung beurteilt wird, sind sich doch alle einig, dass
alles, was gegen die britischen Invasoren unternommen wird, richtig ist.
7 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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