# taz.de -- US-Einwanderungsbehörde ohne Leitung: Trump zieht überraschend ICE-Top-Personalie zurück
> Trump wollte einen neuen Leiter für die umstrittene Migrationsbehörde
> ICE, die für ihre Razzien berüchtigt ist. ICE inhaftiert mehr Menschen
> als je zuvor.
(IMG) Bild: Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde sind am Newark Liberty International Airport im Einsatz
dpa/epd | US-Präsident Donald Trump hat überraschend seinen
Personalvorschlag für die Leitung der [1][umstrittenen US-Migrationsbehörde
ICE] zurückgezogen. Das Weiße Haus gab auf seiner Website bekannt, dass die
bereits an die Parlamentskammer im Senat eingereichte Nominierung
zurückgezogen worden sei. Gründe wurden nicht genannt. Eigentlich wollte
Trump, dass der ehemalige Staatspolizist Lance Schroyer aus dem Bundesstaat
Oklahoma neuer Leiter wird.
Laut US-Medien zeichnete sich im Senat ab, dass das Verfahren zur
Personalie zäh verlaufen würde. Mit der Rücknahme des Personalvorschlags
bleibt die Leitung einer der zentralen Behörden in Trumps zweiter Amtszeit
weiter unbesetzt. Es ist zudem ein Rückschlag für Trump.
## Medien: keine große Erfahrung
US-Medien berichteten, dass Schroyer keine langjährige Erfahrung im Bereich
Einwanderung vorweise. Trump hatte ihn bei seiner Nominierung im Juni einen
Patrioten genannt. Laut Medien steht Schroyer dem Heimatschutzminister
Markwayne Mullin nahe, der früher Senator in Oklahoma war. Schroyer ist
ehemaliger Marineinfanterist. Der Posten wurde frei, nachdem der Rücktritt
des kommissarischen Direktors Todd Lyons bekanntgeworden war.
Die ICE-Behörde wurde zum [2][Symbol der aggressiven Migrationspolitik von
Trumps zweiter Amtszeit], die im Januar 2025 begonnen hatte. Die Behörde
verantwortete [3][umstrittene Razzien gegen Migranten] in demokratisch
regierten Städten. Die Beamten waren dabei zum Teil vermummt. Das Vorgehen
hatte in den USA eine große Protestwelle ausgelöst.
Richtig heftig wurde der Gegenwind für Trump, als im Januar in Minneapolis
zwei US-Bürger durch Schüsse von Bundesbeamten verschiedener Behörden bei
solchen Einsätzen starben.
## Weitgehend stiller Rekord: ICE inhaftiert mehr Menschen als je zuvor
Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat im August einen neuen Rekord
aufgestellt – nach eigenen Angaben mehr als 50.000 Festnahmen. Präsident
Donald Trump treibt damit sein Vorhaben voran, die größten
Massenabschiebungen der US-Geschichte umzusetzen. Dagegen regt sich
Widerstand: Die katholischen Bischöfe haben Massenabschiebungen verurteilt,
Solidaritätsgruppen unterstützen von Abschiebung Betroffene. Der Widerstand
wirkt jedoch bislang begrenzt.
Beamte hätten „50.925 illegale Ausländer“ festgenommen, mehr als im Juli
(50.208) und im Juni (43.900), hieß es. „Wenn Sie illegal in den USA sind,
gehen Sie jetzt“, warnte Heimatschutzminister Markwayne Mullin Migranten.
„Wir werden Sie finden, verhaften und abschieben.“
Für die aufgegriffenen Menschen sind die Festnahmen eine persönliche
Katastrophe. Sie finden allerdings weniger Beachtung in den Medien. Das war
anders bei den Kundgebungen in Minneapolis in Minnesota und in Los Angeles
im Juni 2025. Damals provozierte die Regierung mit der Nationalgarde.
Vermummte ICE-Beamte traumatisierten Ortsbewohner. In Minneapolis
erschossen Bundesbeamte zwei US-Staatsbürger. Die Schlagzeilen liefen
weltweit.
## Mitarbeit der Polizei
Wie die Justizplattform themarshallproject.org zusammenfasste, laufen viele
Festnahmen heute anders ab. Häufig werden Migranten bei Behördenterminen
festgenommen. ICE nutzt und bezahlt örtliche Polizeibehörden. Rund 2.000
Polizeibehörden hätten Abkommen mit der Regierung unterzeichnet, für
Immigrationsstops zu sorgen oder inhaftierte Migranten an ICE auszuliefern.
Ein Viertel der Festnahmen im Juli sei im Trump-freundlichen Texas
geschehen.
Heimatschutzminister Mullin sagte bei der Parteiversammlung der
Republikaner in Texas vor wenigen Tagen, „unsere Basis will
Massenabschiebungen“. Doch das Ministerium habe seine Vorgehensweise
verändert „und versucht, die Temperatur zu senken“.
Die Zahl der Migranten, die laut Gesetz abgeschoben werden können, nimmt
zu. Im Juli haben geschätzt 350.000 Menschen aus Haiti, die unter dem
humanitären Programm „Temporary Protected Status“ (TPS) in den USA leben
ihren Schutzstatus verloren. Dieser Schutzstatus erlaubt es Menschen, bei
Naturkatastrophen und anderen akuten Notlagen vorübergehend in den
Vereinigten Staaten zu leben. Das Heimatschutzministerium hat den
Haitianern den Schutzstatus entzogen.
## Zwang zur Fußfessel
Viele Haitianer leben in Springfield in Ohio. Das ist der Ort, über den die
Trump-Wahlkampagne 2024 die Lüge verbreitete, Migranten würden Katzen und
andere Haustiere essen. Nun haben Haitianer Angst vor ICE. Wie die
Ortszeitung Springfield News-Sun berichtete, hat ICE nach Angaben von
Migranten Hunderte Haitianer zum Tragen von Fußfesseln gezwungen.
Das Wall Street Journal schrieb von „verschwindenden“ Arbeitskräften in
Florida. Dort lebt die Hälfte der Haitianer mit TPS-Status. Viele trauen
sich nicht mehr auf die Straße. Besonders Pflegedienste, Restaurants und
Hotels hätten haitianische Arbeitskräfte verloren.
Auch TPS-Begünstigten aus El Salvador droht in sehr naher Zukunft der
Entzug des Schutzstatus. Stichtag war eigentlich der 9. September, doch das
Heimatschutzministerium gab noch keinen festen Termin bekannt. Geschätzt
30.000 Begünstigte aus El Salvador leben in der US-Hauptstadt und
umliegenden Orten.
## Strategien der Regierung
Wenn der TPS-Schutzstatus zu Ende geht, verlieren Betroffene sofort die
Arbeitsgenehmigung, ihren Führerschein und „am wichtigsten, den Schutz vor
der Abschiebung“, sagte der Leiter der Hilfsorganisation Carecen in
Washington, Abel Nuñez, in einem örtlichen Rundfunksender. Die Betroffenen
müssten entscheiden, ob sie eine Abschiebung riskieren oder ihre
langjährige Existenz in den USA und ihre Familien hinter sich lassen.
ICE habe wohl nicht die logistischen Fähigkeiten, die Betroffenen aus Haiti
und El Salvador schnell abzuschieben, sagte Nuñez. Vermutlich werde die
Regierung den Menschen das Leben so schwer machen, dass sie sich „selbst
deportieren“. Das sei eine der Strategien der Regierung Trump.
Nach Angaben des Thinktanks Center for Immigration Studies ist die Zahl der
Menschen ohne Papiere in den USA seit Trumps Amtsantritt im Januar 2025 um
geschätzt 2,3 Millionen auf 13,5 Millionen zurückgegangen. Das
Heimatschutzministerium hat behauptet, mehr als 2 Millionen hätten unter
Trump die USA verlassen. Sie seien abgeschoben worden oder freiwillig
gegangen.
18 Sep 2026
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