# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Alarmstufe Rot im Dauermodus
> Die ukrainische Hauptstadt Kyjiw wurde in der Nacht zu Donnerstag wieder
> Ziel massiver russische Luftangriffe. Tote sind keine zu beklagen.
(IMG) Bild: Neue Jetdrohnen lassen die bereits schwache Energiestruktur ächzen, und die Verzweiflung in der Zivilbevölkerung steigt
Eigentlich wollten die beiden Nachbarn in der Nacht zum Donnerstag
gemeinsam in der Kyjiwer U-Bahn-Station übernachten. Wieder einmal hatten
die einschlägigen Telegram-Kanäle für die Nacht vor einem „massiven
Luftangriff“ auf die ukrainische Hauptstadt gewarnt. Doch einer der beiden
hatte sich entschieden, in seiner Wohnung zu bleiben und im Korridor zu
schlafen.
Sein Nachbar hatte ihm zuvor noch einen Rat gegeben: „Lass die Wohnungstür
einen Spalt offen. Sollte das Haus getroffen werden und brennen, kann sich
der Türrahmen durch die Hitze so verziehen, dass du die Türe nicht mehr
aufbekommst. Und dann bist du mit dem Rauch und dem Feuer allein.“
Mit seiner Entscheidung, in die Metro zu gehen, sollte der Nachbar recht
behalten. Es wurde eine der lautesten Nächte der vergangenen Wochen in
Kyjiw. [1][Russland griff die Stadt mit ballistischen Raketen und einer
großen Zahl von Drohnen an]. Rund zehn Explosionen waren allein in einem
Teil der Stadt zu hören. An Schlaf war bei dem Donnern und dem Klirren
zerberstender Scheiben nicht zu denken.
Bei den Angriffen wurden Lagerhäuser, ein Bürogebäude, Wohnhäuser und Autos
beschädigt. In einem Hof entstand ein tiefer Krater. Eine Schule und ein
Hochhaus wurden beschädigt, Fenster und Fassadenteile herausgerissen.
Insgesamt meldeten die Behörden am Morgen 18 Verletzte in Kyjiw, darunter
zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren.
## Rechtzeitig in Sicherheit
Betroffen waren auch Anlagen des Wasserversorgers Kyivvodokanal. In einem
Zug wurden Scheiben und Türen beschädigt. Zu Schaden kamen auch ein Depot
und Bahnanlagen. Auch der Bahnhof von Berestyn in der Region Charkiw wurde
vor Sonnenaufgang von einer Drohne getroffen. Glücklicherweise hatten sich
Fahrgäste und Bahnmitarbeiter noch rechtzeitig in Sicherheit bringen
können.
In der Region Odessa wurde ein mehrstöckiges Wohnhaus von einer Drohne
getroffen. Insgesamt wurden in der Region Odessa sieben Menschen verletzt,
darunter eine ältere Frau und ein 13-jähriges Kind. Besonders litten die
zivile Versorgungs- und Logistikinfrastruktur. In letzter Zeit greift
Russland zunehmend Einrichtungen der Lebensmittelversorgung an. [2][Schon
jetzt sind in den meisten Lebensmittelgeschäften der Hauptstadt die Regale
teilweise leer.]
Kurz nach drei Uhr morgens gab es in Kyjiw die ersten Entwarnungen. Der
Nachbar im vierten Stock stand kurz auf, überprüfte die Strom- und
Wasserversorgung und legte sich wieder hin – vorsichtshalber noch in
Straßenkleidung. Doch eine Stunde später heulten erneut die Sirenen auf.
Diesmal zeigte die städtische Warn-App nur die niedrigere Alarmstufe an: Es
wurden Drohnen erwartet.
Bis zum Nachmittag wiederholte sich das Szenario: Alarm, Explosionen,
Entwarnung – Alarm, Explosionen, Entwarnung. Aus Odessa meldete sich eine
Freundin. Eine Druckwelle habe die Fenster ihrer Wohnung aufgedrückt. „Das
geht jetzt schon viele Tage und Nächte so. Ich halte das bald nicht mehr
aus“, sagte sie.
Auch in Russland brennt es. So berichtet der oppositionelle Telegram-Kanal
Astra von einem ukrainischen Angriff auf eine Ölraffinerie in Jaroslawl.
Dabei seien durch herabfallende Trümmer Fenster mehrerer Wohnhäuser und
Autos beschädigt worden.
Der Gouverneur von Rostow am Don meldete einen Brand, eine beschädigte
Transformatorstation und Stromausfälle in vier Stadtbezirken. Verletzt
worden sei niemand. Laut Astra war es zu diesem Brand offenbar im Bereich
der Stellplätze für Flugzeuge und Hubschrauber auf dem Gelände des
Militärflugplatzes „Rostow am Don Zentralny“ gekommen.
17 Sep 2026
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(DIR) Bernhard Clasen
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