# taz.de -- Energiewende: Aufstehen gegen die Gaskostenfalle
       
       > Gas und Öl werden wieder teuer. Trotzdem bremst Wirtschaftsministerin
       > Reiche den Ausbau von Wind und Solar.
       
 (IMG) Bild: Chefbremserin von ministerialer Seite: Katherina Reiche
       
       Die Wahlergebnisse von [1][Sachsen-Anhalt] stecken uns allen noch in den
       Knochen, wir hoffen, dass es am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und
       Berlin besser ausgeht, und für die Tage danach raunt das politische Berlin
       über ein mögliches Kanzlerbeben. Es fällt aktuell schwer, sich auf
       Energiefragen zu konzentrieren.
       
       Nur: Leider läuft die Öl- und Gaspreiskrise mit unverminderter Wucht
       weiter. Die Straße von Hormus ist immer noch zu, die Meerenge Bab al-Mandab
       jetzt unter Kontrolle der Huthis, und die saudische Ost-West-Ölpipeline
       wurde von irakischen Milizen bombardiert. Wenn Ihnen jetzt der Kopf
       schwirrt und Sie in Ihrem Diercke-Atlas nachschauen müssen, wo das alles
       ist: Das ist sehr verständlich. Auch ausgewiesene Expert:innen des
       arabischen Raums geben keine verlässlichen Prognosen mehr darüber ab, was
       wo passieren wird, seit US-Präsident Donald Trump im März den Irankrieg
       gestartet hat.
       
       Eines aber ist konstant: Öl und Gas werden teurer, erneuerbare Energien
       billiger. Hierzu drei Zahlen: Benzin und Diesel kosten aktuell rund 2,50
       Euro. Für die Älteren unter uns: Das sind 5 Mark, und das war vor 20 Jahren
       mal eine grüne Forderung. Jetzt kommt der Preis ganz ohne ökologische
       Steuerreform – aber das Geld fließt in Richtung Ölkonzerne statt in
       sinnvolle Zwecke. Parallel hat sich der Gaspreis an der Börse seit Anfang
       des Jahres mehr als verdoppelt und ist wieder auf dem Niveau des
       Krisenwinters 2022/23. Demgegenüber sind die ohnehin günstigen
       Windstromkosten nochmals gesunken, Wind- und Solarstrom gibt es jetzt für
       nur 5 Cent pro Kilowattstunde.
       
       ## Auf zur Demo gegen Reiche!
       
       Was hat das mit der deutschen Energiepolitik zu tun? Leider sehr viel. Denn
       nicht nur hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche es versäumt, die
       Gasspeicher vor dem Winter ordentlich befüllen zu lassen. Die
       CDU-Politikerin hat zudem zwei Gesetze vorgelegt, die Anfang Oktober im
       Bundestag zur Abstimmung stehen: das Netzpaket und eine Reform des
       Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Die Details sind kompliziert (wer mehr
       wissen will, wird auf meinem Blog fündig), aber im Kern laufen sie auf
       zweierlei hinaus: Zum einen soll das Netzanschlussrecht für neue Wind- und
       Solaranlagen überall dort entfallen, wo das Stromnetz „nur“ 95 Prozent des
       Stroms abtransportieren kann. Damit wird ein großer Teil des Windzubaus
       bedroht, gerade in Norddeutschland.
       
       Und zum anderen sollen neue Solaranlagen auf Hausdächern für ihren
       eingespeisten Strom keine Vergütung mehr erhalten. Das führt dazu, dass
       Dachsolaranlagen sich nur noch lohnen, wenn man den Strom fast komplett
       selbst verbraucht. Folge der beiden Gesetzentwürfe: Die Erneuerbaren werden
       ausgebremst, teures Gas treibt die Strompreise, Deutschland bleibt abhängig
       von unsicherem Öl und Gas, Kommunen verlieren Einnahmen.
       
       Diese Kolumne will ja mit einem „Was tun?“ enden. Dieses Mal möchte ich Sie
       motivieren, sich politisch zu engagieren. Falls Sie in Berlin wohnen: Am 9.
       Oktober ist am Brandenburger Tor eine Großdemonstration gegen Reiches Pläne
       geplant. Für alle anderen: Kontaktieren Sie Ihre örtlichen
       Bundestagsabgeordneten von CDU, CSU und SPD und sagen Sie ihnen, dass das,
       was da auf dem Tisch liegt, so gar nicht in Ihrem Interesse und dem Ihrer
       Region ist. Man ist ja leidgeprüft mit dieser Regierung – aber es wäre
       schon aberwitzig, ausgerechnet mitten in der Öl- und Gaspreiskrise die
       Erneuerbaren abzuwürgen. In diesem Sinne: Jetzt aktiv werden!
       
       17 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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