# taz.de -- Fastfood-Eröffnung ohne Skandal-Youtuber: Kein Steak-Sandwich für den Frauenschläger
       
       > Ein neuer Fastfood-Laden wollte mit dem umstrittenen Rapper Mois Kunden
       > ins linke Hannover-Linden locken. Nach Protest ringt er um
       > Schadensbegrenzung.
       
 (IMG) Bild: Vergleichsweise harmloser Protest, aber wirksam: Die Fastfood-Kette hat Rapper Mois ausgeladen
       
       Zur Eröffnung des neuen Fastfood-Ladens „Bang Bang“ in der [1][Limmerstraße
       in Hannover-Linden] wartet nicht nur eine lange Schlange vor dem Lokal auf
       ihr Philly-Cheesesteak. Das ist Sandwich mit gebratenem Rindfleisch, Käse
       und scharfer Soße. Auf der anderen Straßenseite haben sich einige Dutzend
       Protestierende versammelt, auf ihren Plakaten steht „Linden ist Links“ oder
       „Kein Platz für Täterschützer“. Ihr Protest richtet sich gegen den Rapper
       Mois, der die Eröffnung begleiten sollte und gegen den Vorwürfe
       partnerschaftlicher Gewalt im Raum stehen.
       
       Die US-Fastfoodkette „Bang Bang“ bewarb ihren lokalen Ableger in Hannover
       gemeinsam mit dem umstrittenen Rapper Mois. In den Werbevideos auf
       Instagram versprach dieser, bei der Eröffnung die ersten 100 Sandwiches zu
       verschenken. Außerdem kündigte er an, einen Monat lang mit dem Laden zu
       arbeiten und die Bewerbungsgespräche für potenzielle Mitarbeiter*innen
       mitzuführen. Einen der Betreiber des Fastfood-Ladens bezeichnete der Rapper
       dort als „guten, langjährigen Freund“.
       
       In der Kritik steht Mois, der mit bürgerlichem Namen Zelemkhan Arsanov
       heißt und den [2][die ARD in einer Podcats-Reihe einen der größten YouTuber
       Deutschlands nennt], wegen exzessivem Drogenmissbrauch, der mutmaßlichen
       Veruntreuung hoher Summen an Spendengeldern, wegen antisemitischer
       Aussagen, frauenverachtendem Verhalten und besonders der Gewalt an seiner
       damaligen Ehefrau Anys. Mois räumte die Gewaltausbrüche gegen sie später
       öffentlich ein.
       
       Seit einigen Monaten kooperiert der Rapper regelmäßig mit verschiedenen
       Fastfood-Restaurants und bewirbt Ladeneröffnungen – relativ erfolgreich,
       wie die Menschentrauben vor den Geschäften in seinen Videos andeuten.
       Diesen Erfolg erhofften sich wohl auch die Geschäftsführer von „Bang Bang
       Hannover“ in der [3][Limmerstraße, dem Zentrum des als linkem Kiez
       bekannten Stadtteils Linden]. Zu Anfang fielen die Reaktionen auf die
       Werbevideos positiv aus: Hunderte Mois-Fans unterstützten die Kooperation
       und kommentierten, die Eröffnung garantiert besuchen zu wollen.
       
       Anfang September verbreitete sich dann rasant ein Text auf Instagram,
       Facebook und [4][Reddit], der Mois’ Fehlverhaltern anprangert und auch
       Saman Hosseinzadeh, den Inhaber des Ladens, kritisierte. Am gleichen Tag
       wurde eine [5][Petition unter dem Titel „Für unser friedliches Linden“]
       veröffentlicht, welche binnen kurzer Zeit rund 2.000 Unterschriften
       erhielt.
       
       Der Unmut über Mois’ geplanten Besuch wurde dann für alle sichtbar: Die
       Klebefolie an der Fassade des Ladens wurde teilweise abgerissen, die
       Fensterfront und das Haus gegenüber mit Graffiti und Sprüchen wie „Kein
       Platz für Täter“, „Antifa Area“ und „Fuck Mois“ übersät und die Schlösser
       des Lokals wurden zugeklebt. „Zu anderen Anlässen sind in Linden schon
       ganze Läden entglast worden – deswegen war das jetzt eher harmlos“, sagt
       Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube (Grüne).
       
       Nach dem Protest distanzieren sich nun die Restaurantbesitzer. Die Videos
       sind mittlerweile alle gelöscht. In einem Statement auf Instagram heißt es:
       „Bang Bang steht gegen Gewalt an Frauen, gegen Antisemitismus und gegen
       jede Form von Diskriminierung und Hass.“ Das Team hätte sich besser über
       die Vorwürfe gegen Mois informieren müssen. Die Zusammenarbeit mit dem
       Rapper sei beendet worden und das Restaurant wolle Teile der Einnahmen
       spenden.
       
       „Dieser Rückzieher mit der Entschuldigung ist lächerlich und ich glaube
       nicht, dass die Anwohnenden das so akzeptieren“, kommentiert
       Bezirksbürgermeister Grube. Eine Bewohnerin des Stadtteils, die an der
       Entwicklung der Petition gegen den Laden beteiligt war, ist optimistischer.
       Sie habe sich auf Einladung persönlich mit den beiden Ladenbesitzern
       getroffen. Die Entschuldigung und Auseinandersetzung hält sie für
       authentisch, die Betreiber hätten eingeräumt, mit der Zusammenarbeit eine
       unbedachte Entscheidung getroffen zu haben. Außerdem sei geplant, einen
       längeren Aufarbeitungsprozess anzustoßen und auch mit Hilfsorganisationen
       gegen Gewalt an Frauen in Kontakt zu treten.
       
       Nachdem die Fassade für die Eröffnung gereinigt wurde, tauchte über Nacht
       wieder etliches Graffiti auf. „Wir haben Mist gebaut, aber was uns jetzt
       hier widerfährt, ist auch nicht korrekt“, kommentiert ein Mitarbeiter von
       Bang Bang. „Wir haben einen Fehler gemacht. Dafür stehen wir gerade und
       arbeiten das auf.“
       
       17 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /50-Jahre-Punk-in-Hannover/!6159309
 (DIR) [2] https://www.ard.de/ardkultur/musik/hiphop/der-absturz-von-mois-einer-der-groessten-youtuber-deutschlands,podcast-der-absturz-von-mois-youtuber-influencer-hiphop-deutschrap-100.html
 (DIR) [3] /Der-Widerstand-war-hier-gross/!5959858/
 (DIR) [4] /Boersengang-von-Reddit/!5999805
 (DIR) [5] https://www.change.org/p/f%C3%BCr-unser-friedliches-ist-linden
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilith Bikowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Gewalt gegen Frauen
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