# taz.de -- das wird: „Der Widerstand war hier groß“
> Ein Film zeigt, wie Hannover-Linden sich gegen Nazis gewehrt hat
Interview Wilfried Hippen
taz: Herr Jost, mit Ihrem Film setzen Sie dem Arbeiterviertel
Hannover-Linden ein Denkmal. Sind Sie Lindener?
Wolfgang Jost: Ja, ich wohne in Linden. Die Limmerstraße ist für mich ein
Erinnerungsort. Ich denke, es ist wichtig, dass wir wissen, was am Ende der
Weimarer Republik und in den ersten Jahren des Nazisystems los war.
War das in Hannover anders als in anderen Städten?
Es gab zwei deutsche Städte, die sich massiv gegen die Nazis gewehrt haben:
Leipzig und Hannover. Der antifaschistische Widerstand nach der
Machtübernahme war hier groß. Die sozialistische Front hatte über 1.000
Mitglieder. Das war schon gewaltig, und an den späteren Verfahren und
Verurteilungen konnte man das auch gut erkennen.
Warum sollte diese Geschichte vom proletarischen Widerstand heute erzählt
werden?
Von 1933 bis 1936 hat sich das NS-System stabilisiert. Diese Geschichten
und wie die Nazis auf den Widerstand reagiert haben, zeigen, mit welchen
Methoden dieses System gearbeitet hat. Wie es die Justiz, den
Beamtenapparat und die Polizei vereinnahmt und alles verboten hat, was eine
politische Gegnerschaft möglich machte. Es ist nützlich, einen Film zu
haben, in dem man sieht, wie so etwas vonstatten geht und wieder geschehen
könnte.
Sie hatten 1991 den Film „Linden: ein Arbeiterlied“ gedreht. Warum die
Fortsetzung?
Im ersten Film haben wir die Geschichte bis zur Machtübernahme erzählt. Der
Widerstand nach 1933 war so komplex, dass er das Thema für einen eigenen
Film ist. Und weil wir analog auf 16 Millimetern gedreht haben, konnten wir
uns das aus Kostengründen nicht erlauben. Aber in meinem Hinterkopf
schwebte immer der Gedanke, dass ich darüber etwas machen wollte.
Und warum dann erst jetzt?
Ich habe in der Zwischenzeit etwas anderes gemacht und mich erst jetzt
daran erinnert. Ich habe dann einen Experten gefunden, der mit mir über
diese Zeit reden konnte. Und ich hatte noch Aussagen von Zeitzeugen, die
wir im ersten Film nicht verwendet hatten. Damit konnte ich dann diesen
Film bauen.
Sie zeigen den Film im Kino im Sprengel, haben ihn aber auch auf
[1][Youtube eingestellt …]
Es geht mir nicht darum, mit meinem Film Einnahmen zu generieren. Ich zeige
ihn Leuten, die sich fürs Thema interessieren. Wenn ich ihn kostenlos
zugänglich mache, trage ich zu seiner Verbreitung auch über den Tellerrand
von Hannover hinaus bei.
28 Sep 2023
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=9eyskeIiYow
## AUTOREN
(DIR) Wilfried Hippen
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