# taz.de -- Schulbildung in Schleswig-Holstein: Wer braucht schon Vektorrechnung
       
       > Nach dem neuesten Pisa-Debakel debattiert der Kieler Landtag nun über
       > Schulthemen – mal wieder. Bildungsmonitor sieht das Land auf Platz 9 von
       > 16.
       
 (IMG) Bild: Kleine Stichprobe aus Schleswig-Holstein in der Pisa-Studie: An neun Schulen sind jeweils 27 Schüler:innen getestet worden
       
       Der neueste Pisa-Schock trifft auch Schleswig-Holstein. Texte verstehen,
       Rechenaufgaben lösen? Bei diesen Aufgaben haben Kinder und Jugendliche an
       deutschen Schulen beim internationalen Vergleichstest wieder schlecht
       abgeschnitten. Deutschland bleibt im unteren Mittelfeld stecken, rund 20
       Prozent der 15-Jährigen [1][scheiterten etwa beim Verstehen einfacher
       Texte]. In seiner aktuellen Sitzung befasst sich das Kieler Landesparlament
       mit der Bildungspolitik. Die Fraktionen von Regierung und Opposition
       schauen schon vor der Sitzung sehr unterschiedlich auf das Thema.
       
       „Schockierend“ nennt SPD-Fraktionschefin Serpil Midyatli die Ergebnisse und
       fordert: „Die Landesregierung muss Bildung endlich zur obersten Priorität
       machen. Der Bildungsabbau der schwarz-grünen Regierung muss dringend
       gestoppt werden.“
       
       Ähnlich sieht es Christian Dirschauer von der Minderheitenpartei SSW: „Das
       Ergebnis zeigt ein katastrophales Bild.“ Er verweist auf Skandinavien, wo
       vieles besser laufe – allerdings „brennt zurzeit auch da die Hütte“. Die
       Schuld aber allein bei Social Media oder bei den Eltern zu suchen, wie es
       zurzeit in der deutschen Debatte passiere, sei zu leicht. „Es gibt nicht
       die eine Lösung, wir müssen an vielen Schrauben drehen.“
       
       Christopher Vogt (FDP) sieht eine Verantwortung der Landesregierung, vor
       allem für den häufigen Unterrichtsausfall. Gekürzt hatte die Regierung auch
       bei Fächern wie Wirtschaft und Politik (WiPo) und beim [2][Sprachunterricht
       für Kinder nicht deutscher Muttersprache].
       
       ## CDU sieht sich auf richtigem Weg
       
       Tobias Koch, Fraktionsvorsitzender der CDU, sieht dagegen vieles bereits
       auf einem guten Weg: „Die Erkenntnisse der neuesten Pisa-Studie überraschen
       nicht. Wir haben die Probleme erkannt und darauf reagiert.“ Als Beispiel
       dafür nannte er die neu eingeführten [3][Tests des Entwicklungsstandes von
       Viereinhalbjährigen (EVI)].
       
       Die Idee ist, dass Probleme etwa bei Sprachverständnis bereits im
       Kita-Alter entdeckt und Kinder rechtzeitig vor Schulbeginn gefördert werden
       könnten – [4][in Hamburg und Bremen gibt es dieses Mittel bereits]. Auch
       andere Förderprogramme für Schulen werden „schon jetzt Antworten auf Pisa
       geben“, glaubt Koch.
       
       Lasse Petersdotter (Grüne) bezweifelt grundsätzlich, ob der internationale
       Test überhaupt die Lage in einem einzelnen Bundesland abbilden kann. In das
       Bundesergebnis werden nur die Ergebnisse einiger weniger Schulen und dort
       jeweils nur einer geringen Zahl von Jugendlichen aus jedem Land einfließen
       – für Schleswig-Holstein seien an neun Schulen jeweils 27 Schüler:innen
       getestet worden. Insgesamt nehmen weltweit rund 760.000 Jugendliche aus 91
       Ländern teil. Die OECD veranstaltet die Pisa-Tests alle drei Jahre.
       
       „Der Schock über die Ergebnisse ist jedes Mal groß, aber zwischen den Tests
       schauen wir bei Schule eben auch auf viele andere Themen wie Kunst,
       Demokratie-Projekte und digitale Kompetenzen, die bei Pisa gar keine Rolle
       spielen“, sagte Petersdotter. Er [5][kritisierte die frühere Landes- und
       heutige Bundesbildungsministerin Karin Prien] (CDU): „Beim Pisa-Ergebnis
       vor drei Jahren hat sie den sozialen Bildungsstaat gefordert – als Mitglied
       des Kabinetts unter Kanzler Friedrich Merz legt sie den Fokus auf die
       Eltern, die angeblich zu wenig für die Bildung ihrer Kinder tun würden.“
       Ein Grund dafür könne sein, dass die Menschen nicht mehr an das Versprechen
       eines Aufstiegs durch Bildung glaubten.
       
       ## Landespolitische Debatte gefordert
       
       Konkreter als Pisa geht der [6][frisch veröffentlichte „Bildungsmonitor
       2026“], der von neoliberalen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“
       beauftragt wurde, auf die Lage in den einzelnen Bundesländern ein. Demnach
       ist Schleswig-Holstein von Platz acht auf Platz neun der 16 Bundesländer
       abgerutscht. Die Studie nennt Vorzüge des Landes wie überdurchschnittliche
       Kompetenz in Mathe und Naturwissenschaften, aber auch Probleme wie geringe
       Drittmittel an Hochschulen oder niedrige Zahlen von Akademiker:innen.
       
       Eine landespolitische Debatte über Bildungsfragen sei also wichtig, meint
       Petersdotter. Es müsse dabei um grundsätzliche Themen gehen:
       „Vektorrechnung ist vielleicht nicht mehr so entscheidend, sondern
       Antworten, wie wir mit KI umgehen.“ Schule müsse „Spaß am Lernen“ wecken.
       
       15 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] /CDU-Politikerin-Karin-Prien/!6084138
 (DIR) [6] https://www.insm.de/bildungsmonitor-2026/schleswig-holstein
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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