# taz.de -- China und künstliche Intelligenz: Keine Macht für niemand
       
       > China versucht sich gegen die US-Tech-Szene zu inszenieren. Aber das ist
       > eine Show, der man nicht glauben sollte.
       
 (IMG) Bild: Xi Jinping (Mitte) winkt bei seiner Ankunft zur Eröffnungszeremonie der Weltkonferenz für künstliche Intelligenz in Schanghai im Juli 2026
       
       Es ist jedes Mal furchteinflößend, wenn man daran denkt, über wie viel
       Macht eine Handvoll Tech-Bros aus dem Silicon Valley verfügen. Sie
       kontrollieren große Teile jener Technologie, die [1][das Potenzial hat, die
       Menschheit existenziell zu bedrohen.] Auf der anderen Seite steht die
       zweite KI-Weltmacht: die Volksrepublik China. Staatschef Xi Jinping bemüht
       sich sehr, sein Land als Gegenthese zur Profitgier der [2][US-Tech-Branche]
       zu inszenieren. Als Xi im Juli die „World AI Conference“ in Schanghai
       eröffnete, sprach er davon, künstliche Intelligenz „zum Wohle der
       Menschheit“ weiterentwickeln zu wollen. Es ist ein Angebot an die Welt, das
       zu schön klingt, um wahr zu sein.
       
       Insbesondere Europäer sollten sich von solch luftiger Rhetorik nicht
       blenden lassen. Zwar stehen bei Pekings KI-Geschäftsmodell tatsächlich
       weniger die wirtschaftlichen Renditen im Vordergrund. Umso stärker geht es
       der Staatsführung um politische Kontrolle. Insofern käme es einer
       Orwell’schen Dystopie gleich, setzten sich die chinesischen KI-Entwickler
       weltweit durch. In allen Themenfeldern, die Peking für sensibel erachtet,
       sind DeepSeek, Moonshot AI und Co nicht der Wahrheit verpflichtet, sondern
       den „sozialistischen Werten“ der Partei. Das bedeutet eine politische
       Kontrolle darüber, welche Informationen überhaupt zugelassen werden.
       
       In einer idealen Welt müsste die Europäische Union eine dritte
       KI-Alternative erschaffen und auch mit einem ethischen Regelwerk
       vorpreschen. Doch angesichts des derzeitigen [3][technologischen Rückstands
       Europas] erscheint ein solches Szenario geradezu utopisch. Doch Südkorea
       versucht sich tatsächlich, als dritte KI-Macht zu präsentieren: ein
       demokratischer Staat, der über eine potente Chipindustrie und viel Soft
       Power verfügt. Vielleicht wäre dies ein Ansatz, der die Dichotomie zwischen
       den USA und China mittelfristig durchbrechen könnte.
       
       Denn auch wenn es keineswegs wünschenswert ist, dass eine Handvoll
       Tech-Bros erschreckend viel Macht anhäuft: Die Alternative kann nicht darin
       bestehen, diese Macht einfach einem Parteistaat zu überlassen.
       
       15 Sep 2026
       
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