# taz.de -- Wahlkampf in den USA: US-Gericht lehnt Trumps Briefwahl-Einschränkung ab
> Der Oberste Gerichtshof hat den Eilantrag des US-Präsidenten
> zurückgewiesen. Bürgerrechtler sahen darin Einflussnahme und begrüßen die
> Entscheidung.
(IMG) Bild: Raleigh, North Carolina, 3. September: Mitarbeiterinnen der Wahlbehörde von Wake County bereiten Briefwahlunterlagen für den Versand vor
afp | Weniger als zwei Monate vor den Kongresswahlen in den USA hat
Präsident Donald Trump im Streit um die Briefwahl eine juristische
Niederlage erlitten. Mit deutlicher Mehrheit lehnte der [1][Oberste
Gerichtshof] Trumps Eilantrag zu deren Einschränkung am Montag ab. Die
Bürgerrechtsvereinigung ACLU begrüßte die Entscheidung als „großen Sieg für
das Wahlrecht, die Wahlintegrität und die Demokratie“.
Das Gericht begründete seine Entscheidung mit Schwierigkeiten bei der
Umsetzung der von Trump [2][per Dekret] angeordneten Regelung. Mehrere
Bundesstaaten, darunter North Carolina, haben bereits damit begonnen, die
Wahlunterlagen an Wähler zu verschicken.
Der konservative Richter Brett Kavanaugh erklärte, Trumps Vorhaben könne
langfristig zwar rechtmäßig sein, doch „die Wahlbehörden in den
Bundesstaaten und Kommunen“ hätten „nicht genügend Zeit“, um die Regelung
vor den Wahlen „angemessen umzusetzen“. Nur zwei Richter des neunköpfigen
Gremiums waren anderer Meinung.
## Konservative Richtermehrheit gegen Trump
Sechs der neun Supreme-Court-Richter sind Konservative, drei von ihnen
hatte Trump selbst nominiert. Dennoch hat der Gerichtshof Trump in seiner
zweiten Amtszeit bereits eine Reihe von Niederlagen bereitet.
„Diese Regierung testet immer wieder die Grenzen ihrer Macht aus, als seien
die Regeln für unsere Wahlen bloße Empfehlungen, die man ignorieren kann,
wenn sie nicht zur Agenda des Präsidenten passen“, sagte ACLU-Vertreterin
Sophia Lin Lakin.
Sie fügte an: „Der Präsident leitet unsere Wahlen nicht, die Post
entscheidet nicht darüber, wessen Stimmzettel zählt.“ Es seien „die Wähler
– nicht das Weiße Haus – die über die Wahlen im November entscheiden“.
## Midterms werden Stimmungstest
Erst vor wenigen Tagen hatte Trump im Streit um die [3][Briefwahl] erneut
eine juristische Niederlage erlitten. Ein Berufungsgericht blockierte
vergangene Woche Donnerstag ein Trump-Dekret, das die Abstimmung per Post
erschweren würde. Das Berufungsgericht für den Bezirk Massachusetts
bestätigte eine Entscheidung der Vorgängerinstanz, gegen die die Regierung
Rechtsmittel eingelegt hatte. Nun lag die Entscheidung in der Frage beim
Obersten Gerichtshof in Washington.
Der US-Präsident hatte ohne Belege immer wieder behauptet, die Briefwahl
führe zu Betrug. Er will sie auf solche Menschen beschränken, die auf
„Staatsbürgerschaftslisten der Bundesstaaten“ stehen. Konkret soll die
US-Post Wahlunterlagen nur noch an Menschen zustellen, die auf Listen
verzeichnet sind, die zuvor von den Einwanderungs- und
Sozialversicherungsbehörden erstellt wurden. Die oppositionellen Demokraten
hatten dagegen geklagt.
Die Wahlen zur Hälfte von Trumps zweiter Amtszeit gelten als der bisher
wichtigste Stimmungstest für den 80-Jährigen. Seinen Republikanern droht im
Repräsentantenhaus eine Niederlage, im Senat könnte es ein Patt geben.
Sollten die Demokraten gewinnen, wollen sie zahlreiche Vorhaben des
Präsidenten blockieren. Sie könnten zudem ein weiteres
Amtsenthebungsverfahren einleiten.
15 Sep 2026
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