# taz.de -- Festivalleitung über Sparmaßnahmen: „Weimers Sparkurs würde alles zerstören“
       
       > Die Ukraine ist Ehren-Gastland beim Reeperbahn-Festival. Leiter Alexander
       > Schulz berichtet über drastische Fördermittel-Einsparungen beim Festival.
       
 (IMG) Bild: Eingangsbereich des Reeperbahn-Festivals auf dem Heiliggeistfeld 2025
       
       taz: Herr Schulz, 2025 wurde Ihr Hamburger Reeperbahn Festival vom Bund
       noch mit rund 6,2 Millionen Euro gefördert, 2026 bekamen Sie 4,5 Millionen
       Euro, im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 sind nur noch 3 Millionen Euro
       vorgesehen. Können Sie damit noch planen? 
       
       Alexander Schulz: Ursprünglich waren für 2026 auch rund 6,2 Millionen Euro
       Fördergelder vorgesehen – für 15 Monate. Bei uns beginnt der
       Förderungszeitraum jeweils im September des Vorjahres. Im Januar teilte uns
       Kulturstaatsminister Wolfram Weimer dann plötzlich mit, dass er unsere
       Subvention im laufenden Förderjahr kürzen wollte. Weil wir das nicht
       einfach wegstecken konnten, habe ich mich im Februar mit dem
       Kulturstaatsminister und dem Hamburger Kultursenator Carsten Brosda
       getroffen. Die Hansestadt Hamburg hat daraufhin ihren Zuschuss von 800.000
       auf 1,6 Millionen Euro aufgestockt und damit etwa die Hälfte der
       kurzfristigen Reduktion kompensiert.
       
       taz: Auch künftig will Weimer die Stadt Hamburg bei der Finanzierung des
       Reeperbahn Festivals stärker in die Pflicht nehmen, weil sie seiner Ansicht
       nach am meisten von Ihrer Veranstaltung profitiert. 
       
       Schulz: Das Reeperbahn Festival sukzessive auf ein Level mit
       internationaler Bedeutung zu bringen, war eine Entscheidung von Wolfgang
       Weimers Vorgänger:innen. Bernd Neumann und Monika Grütters haben diese
       Entwicklung mit Bundesmitteln überhaupt erst möglich gemacht. Da kann sich
       der Bund nicht einfach zurückziehen und jetzt die finanzielle Verantwortung
       auf die Kommune abwälzen, nur weil wir hier die geeignetsten
       infrastrukturellen Voraussetzungen in Deutschland für dieses Format
       vorfinden. Zumal der Kulturstaatsminister keine Not hat, mit etwa 2,5
       Milliarden Euro ist sein Etatansatz 2027 etwa gleich hoch wie 2026.
       
       taz: Was passiert denn, wenn Ihnen Weimer 2027 3 Millionen Euro zukommen
       ließe? 
       
       Schulz: Ich glaube, dass dieser Haushaltsentwurf parlamentarisch korrigiert
       werden wird. Unsere Aufgabe besteht darin, den Parlamentarier:innen
       deutlich zu machen, was diese Kürzung bewirken würde. [1][Das Reeperbahn
       Festival würde ziemlich schnell von einem internationalen zu einem
       nationalen Marktplatz der Musikwirtschaft degradiert werden.] Wenn 3
       Millionen Euro Fördergelder wegfielen, gäbe es deutlich weniger
       Spielstätten und weniger Konzerte von Talenten. Unternehmen von anderen
       Kontinenten würden sich aufgrund des mangelnden Kosten-Nutzen-Effekts bald
       zurückziehen. Ohne die internationalen Talente würden die Sponsoring- und
       Ticketverkäufe schrumpfen. Binnen kürzester Zeit wäre alles zerstört, was
       über zwei Jahrzehnte in einer öffentlich-privaten Partnerschaft auch mit
       Steuergeldern aufgebaut wurde.
       
       taz: In diesem Jahr kommen viele internationale Musiker:innen nach
       Hamburg. Warum wird die Ukraine als erstes „Ehren-Gastland“ ausgezeichnet? 
       
       Schulz: Trotz des Angriffskriegs und nahezu ohne Budget treibt die Ukraine
       ihren Musikexport weiter voran. [2][Das wollen wir unterstützen, indem wir
       dem Land die Möglichkeit geben, sich international zu präsentieren.] Beim
       Reeperbahn Festival stehen drei ukrainische Musikerinnen auf der Bühne.
       Kazhanna macht eher düsteren Popsound. Ganna, eine der sechs Nominierten
       für den Nachwuchspreis Anchor Award, verbindet ukrainische Folklore mit
       Jazz. Maryna Krut spielt das Zupfinstrument Bandura.
       
       taz: Maryna Krut tritt vor ukrainischen Truppen an der Front auf und
       generiert bei Benefizkonzerten in Europa Geld für ihre Heimat. Ist sie ein
       Einzelfall? 
       
       Schulz: Von Alona Dmukhovska, Leiterin Music Export Ukraine, haben wir
       gelernt, dass praktisch alle ukrainischen Künstler:innen etwas für die
       Armee tun. Das ist eine Art soziales Abkommen: Das Militär beschützt die
       Bevölkerung, die Menschen unterstützen die Streitkräfte.
       
       taz: Abgesehen von den Auftritten an der Front: Liegt der Konzertbetrieb in
       der Ukraine eigentlich brach? 
       
       Schulz: Konzerte finden trotz der Kampfhandlungen weiter statt. 2026 ist
       sogar zum dritten Mal seit Kriegsbeginn in Kyjiw das Atlas-Festival mit
       Zehntausenden Besucher:innen veranstaltet worden. Auf dem Parkplatz
       eines Einkaufszentrums, dessen Tiefgarage teilweise als Luftschutzraum
       dient. Trotz ständiger russischer Drohnen- und Raketenangriffe bleibt Musik
       weiterhin lebendig und spendet Hoffnung.
       
       taz: Immer wieder gastiert der deutsche Künstler Christopher von Deylen
       alias Schiller in der Ukraine. Haben Sie ihn deshalb zum Eröffnungskonzert
       eingeladen? 
       
       Schulz: Christopher von Deylen gilt als ausgewiesener Ukraine-Kenner. Bei
       unserer Eröffnungsveranstaltung wird er nicht bloß seine persönlichen
       Eindrücke von Land und Leuten schildern, sondern gemeinsam mit Julija
       Sanina, Sängerin der ukrainischen Hardrockband The Hardkiss, auftreten.
       
       15 Sep 2026
       
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