# taz.de -- Boom bei Basketball-WM der Frauen: Vielversprechender Vorgeschmack
> Die WM in Berlin zeigt: Frauenbasketball ist kein Nischensport mehr. Mit
> dem deutschen Halbfinaleinzug erreicht die Begeisterung ein neues Level.
(IMG) Bild: Mitreißend: die deutschen Basketballerinnen und das Publikum feiern den Einzug ins WM-Halbfinale
Sogar Friedrich Merz war in der Halle und hat sich angeschaut, wie Leonie
Fiebich, Nyara Sabally und Frieda Bühner ihre Körbe werfen und [1][von
tausenden Fans gefeiert werden]. Über 220.000 verkaufte Tickets und eine
vorab schon ausgebuchte Arena am Ostbahnhof für das Halbfinale und Finale
hatten da schon alle Rekorde geknackt. Menschen [2][in
Caitlin-Clark-Trikot] laufen einem in Berlin über dem Weg. Für fast zwei
Wochen ist die Stadt im Basketballrausch, denn es ist WM – der Frauen
wohlgemerkt.
Spätestens mit dieser WM ist der Hype nach Deutschland übergesprungen. Der
erstmalige WM-Halbfinaleinzug gegen Europameister Belgien am
Donnerstagabend hat die Euphorie noch einmal auf ein anderes Level gehoben.
So viel Begeisterung hätte sich vor 28 Jahren bei der letzten WM in
Deutschland wohl niemand träumen lassen. Während damals höchstens 1.800
Zuschauer im Publikum saßen, sind es die Tage bei einigen Spielen über
12.000. Basketball boomt weltweit wie kein anderer Frauensport, hat
mittlerweile sogar den bislang umsatzstärksten Frauenfußball abgelöst.
Grund dafür ist vor allem der Boom in der WNBA.
Es ist nicht nur die Kiss-Cam in den Pausen, die [3][für einen gewissen
WNBA-Vibe] sorgt. Sponsoren wie eine bekannte Cornflakes-Marke, ein
Sportartikelanbieter oder eine Pizza-Kette werben um die Wette. Alle wollen
sie profitieren an der aufstrebenden Sportart. Ja, der kapitalistische
Umgang mit dem Sport ist durchaus zu kritisieren, aber er zeigt auch, wie
viel Aufschwung dieser gerade erlebt. Und das liegt sicherlich nicht nur am
Geld selbst, sondern auch an der Qualität, die die Spielerinnen
mittlerweile liefern.
## Zu durchbrechender Teufelskreis
Die mediale Aufmerksamkeit ist ebenso riesig, alle großen Medien berichten
fast täglich vom Turnier. Stars wie Schröder und Nowitzki lassen sich vor
Ort blicken. Natürlich können es einige Boulevardmedien nicht lassen, deren
Anwesenheit fast mehr Aufmerksamkeit zu schenken als den Frauen. Und doch
sind sie nicht da, um die Show zu stehlen, sondern wertschätzend und
unterstützend. Wann sieht man schon mal Deniz Undav am Rande eines
Frauenfußballspiels? Im Basketball läuft da ohnehin einiges besser als im
Fußball. So bekommen Männer und Frauen bei erfolgreichem Abschneiden eines
Turniers die gleichen Prämien vom Deutschen Basketballbund (DBB).
Und trotzdem: Das Bild, das die WM abgibt, bleibt nur ein Vorgeschmack, wie
der Frauenbasketball hierzulande sein könnte. Denn auf nationaler Ebene
werden noch längst keine Arenen gefüllt. Im Gegenteil, selbst
Bundesligaspiele [4][werden noch zum Teil in modrigen Schulturnhallen
ausgetragen]. Vieles im Nachwuchsbereich läuft ehrenamtlich und durch viel
Eigeninitiative. Selbst auf höchstem Liga-Niveau ist die Bezahlung ein
Witz: Nationalspielerin Alexandra Wilke, vergangene Saison zur wertvollsten
Spielerin der Bundesliga gekürt, spielt bei Bundesligist Keltern und
arbeitet nebenher als Lehrerin. Kein Wunder, dass die talentiertesten
Spielerinnen da lieber an US-Colleges und später in der WNBA spielen
wollen. Was die Bundesliga wieder weniger attraktiv macht.
Es ist ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. [5][Das wird noch
viel Geld und Arbeit kosten.] Eins ist sicher: Der Wille ist da und der
Moment ist jetzt. Denn Merz und alle anderen haben dem deutschen Team
sicherlich nicht aus feministischen Gründen beim Spielen zugeschaut oder in
der Hoffnung, dass seine Anwesenheit zu mehr Investitionen und so zu einem
hochwertigeren Basketball verhelfen könnten. Der Hype ist mittlerweile
einfach zu groß, als dass der Kanzler auf solcherart Imagepflege verzichten
könnte.
11 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ruth Lang Fuentes
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