# taz.de -- Energiewende in Deutschland: Milliarden für die Flexibilität im Stromnetz
> Das Schluchseewerk plant an seinen fünf Kraftwerksstandorten im
> Schwarzwald das größte Ertüchtigungsprogramm in der fast 100-jährigen
> Firmengeschichte.
(IMG) Bild: Der Schluchsee im Schwarzwald ist ein malerisches Ziel für Touristen, aber auch der größte Stromspeicher Deutschlands
Mit der Energiewende wächst auch der Bedarf an Ausgleichskapazitäten für
die schwankende Erzeugung von Strom. Entsprechend boomt nicht nur der
Ausbau von Batteriespeichern; auch die Betreiber von Pumpspeicherwerken
suchen nach Wegen, ihre Anlagen noch leistungsfähiger zu machen.
[1][Das Schluchseewerk im Schwarzwald], der zweitgrößte Betreiber von
Pumpspeichern in Deutschland hinter Vattenfall, will daher in den kommenden
zehn Jahren mehr als eine Milliarde Euro in seine Anlagen investieren.
„Pumpspeicher sind eine Schlüsseltechnologie der Energiewende“, sagt Bodo
Mayer, Vorstand Technik des Schluchseewerks. [2][Durch die volatile
Einspeisung von Windkraft und Photovoltaik steige der Bedarf an
Flexibilität.]
Pumpspeicher stellen nicht nur kurzfristig große Leistungen bereit, sie
stabilisieren auch die Frequenz und die Spannung im Stromnetz. Sie
operieren an verschiedenen Märkten, zum Beispiel am Spotmarkt, indem sie
bei niedrigen Preisen Wasser den Berg hinaufpumpen und dieses bei hohen
Preisen wieder über die Turbinen lassen. Außerdem stellen sie nötige
Systemdienstleistungen bereit, die von den Übertragungsnetzbetreibern
angefordert und bezahlt werden.
Das Schluchseewerk, eine Tochterfirma der Energiekonzerne EnBW und RWE,
steht nun vor der größten Aktion zur Ertüchtigung seiner fünf Werke in der
fast 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Zum einen werden die
Kavernenkraftwerke Säckingen und Wehr am Hochrhein ausgebaut. Bei diesen
befinden sich die Maschinen in einem künstlichen Hohlraum im Fels. In
Säckingen soll die Erzeugungsleistung von 360 auf 387 Megawatt erhöht
werden, in Wehr von 910 auf 980 Megawatt. „Das Erneuerungsprogramm in Wehr
ist die umfangreichste Instandhaltungsmaßnahme in der Geschichte unseres
Unternehmens“, sagt Vorstand Mayer. Alleine hierfür sei ein „niedriger
dreistelliger Millionenbetrag“ veranschlagt.
Darüber hinaus betreibt das Unternehmen zwischen Schluchsee und Hochrhein
eine einzigartige Speicherkaskade mit drei Stufen, die den Schluchsee zum
größten Stromspeicher Deutschlands macht. Der Betreiber beziffert die
Speicherkapazität des Sees, der – anders als viele andere Speicherseen –
zugleich für den Wassersport genutzt wird, auf bis zu 91 Gigawattstunden.
Eine Gigawattstunde sind eine Million Kilowattstunden.
Die Kaskade besteht aus den Pumpspeichern Häusern, Witznau und Waldshut. In
Häusern soll neben dem bestehenden Kraftwerk ein zusätzliches
Schachtkraftwerk gebaut werden mit einer Leistung von 106 Megawatt. Ein
ähnliches Projekt ist auch in Witznau geplant. „Damit bauen wir nach 50
Jahren zum ersten Mal wieder ein neues Kraftwerk“, sagt Vorstand Mayer.
Auch die Technik ist neu: Erstmals im Anlagenpark des Unternehmens sollen
reversible Pumpturbinen zum Einsatz kommen – Maschinen, die Pumpe und
Turbine zugleich sind. Bislang stehen in den Kraftwerken sogenannte ternäre
Maschinensätze, bei denen die Pumpe und die Turbine zwei Maschinen sind.
Trotz geringfügiger Nachteile, etwa beim Wirkungsgrad oder bei den
Umschaltzeiten zwischen Pump- und Turbinenbetrieb, hätten die Pumpturbinen
bei Neubauprojekten wirtschaftliche Vorteile, so das Schluchseewerk.
13 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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