# taz.de -- Aufschwung bei Eintracht Frankfurt: Unbekannte Trümpfe
> Nach einem schwachen Saisonstart überzeugen Frankfurts Fußballer beim
> Derby in Mainz. Gleich zwei Spieler empfehlen sich fürs deutsche
> Nationalteam.
(IMG) Bild: Pfeilschnell: Frankfurts Jonathan Burkardt (l.) enteilt seinem Mainzer Gegenspieler Jae Sung Lee
Nirgendwo sonst ist ein Besuch [1][von Jürgen Klopp] so alltäglich wie in
Mainz. Der selbsternannte Karnevalsverein weckt Heimatgefühle beim
Bundestrainer, der hier als Spieler und später als Trainer seine schönste,
weil ursprünglichste Zeit im Profifußball erlebte. Ein Besuch der Arena am
Mainzer Europakreisel liegt allein wegen seines Domizils in Wiesbaden wegen
der räumlichen Nähe auf der Hand.
Nun sah der 59-Jährige am Samstag einen verdienten 3:1-Auswärtssieg von
Eintracht Frankfurt beim FSV Mainz 05. Und das von den Fernsehkameras
eingefangene strahlende Lächeln des Hoffnungsträgers Klopp passte mehr zur
prächtigen Stimmung des zahlreichen Gästeanhangs. Wer hatte das nach dem
holprigen Saisonstart der Hessen (3:3 bei Union Berlin, 1:4 gegen den FC
Augsburg) erwartet?
„Ein starkes Statement von der Mannschaft nach der letztwöchigen
berechtigten Kritik. Eine sehr gute Mannschaftsleistung“, bescheinigte
Trainer Adi Hütter, der jedoch überschwängliches Lob vermied. Aus seiner
ersten Zeit von 2018 bis 2021 weiß der Österreicher, wie schnell die
Gefühlswelten im fußballbegeisterten Umfeld dieses Traditionsvereins mit
seiner großen Fanbase wechseln. „Wir haben das Rhein-Main-Duell auch für
die Eintracht-Familie gewonnen“, hielt der 56-Jährige noch fest.
Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass vor der Länderspielpause
noch der Überraschungstabellenführer SC Freiburg ins Waldstadion kommt.
Zwei Tage zuvor wird Klopp erstmals seinen mit Spannung erwarteten Kader
fürs Debüt als Bundestrainer nominiert haben. Besser für eine
Berücksichtigung hätte Jonathan Burkardt kaum werben können als an
ehemaliger Wirkungsstätte. Der 2025 für mehr als 20 Millionen Euro in die
Bankenstadt gewechselte Stürmer vereint – wenn er denn fit ist – enormes
Tempo mit entsprechender Kaltschnäuzigkeit.
## „Mentale Erleichterung“
„Es fühlt sich super an“, sagte der durchsetzungsstarke Torschütze des 2:0
kurz vor der Pause (45.+1), der bereits das 1:0 des überragenden
Doppeltorschützen Can Uzun (9. und 60.) vorgelegt hatte. „Das ist wirklich
wichtig und eine mentale Erleichterung. Wenn du zweimal eingeknickt bist an
den ersten zwei Spieltagen, dann weißt du natürlich: ‚Das darf auf keinen
Fall wieder passieren.‘“
Dass der 26-Jährige als einziger Stürmer startete, war dem Umstand
geschuldet, dass Hütter auf eine Dreierkette umstellte, um für mehr
Stabilität zu sorgen. Ein Schachzug, der sein [2][Gegenüber Urs Fischer] zu
überraschen schien. Überhaupt hatte die Eintracht einige Trümpfe auf dem
Feld, die vorher nicht jeder auf dem Zettel hatte. Das vom FC Bayern
verpflichtete Mittelfeldtalent Noel Aseko überzeugte genau wie Youngster
Jeremiaha Maluze in seinem zweiten Bundesligaspiel als Innenverteidiger.
Auf einmal standen damit wieder sechs deutsche Spieler in der
Eintracht-Startelf. Da hat der viel kritisierte Sportvorstand Markus
Krösche vielleicht doch nicht so viel falsch gemacht mit der
Kaderzusammenstellung?
Was Klopp sicherlich genauso freute wie die starke Vorstellung von
[3][Torwart Noah Atubolu,] der wie der auf die Nationalelf hoffende
Burkardt („Das wäre schon schön: Wer hofft darauf nicht?“) beste Werbung in
eigener Sache betrieb. Nichts ist bei der DFB-Auswahl vor dem Viererpack in
der Nations League gegen die Niederlande, zweimal Griechenland und Serbien
so unklar wie die Torwartfrage. Marc-André ter Stegen und erst recht Oliver
Baumann wären eigentlich aufgrund ihres Alters keine Zukunftslösungen, wohl
aber der vom SC Freiburg in einem Leihmodell mit Kaufoption nach Frankfurt
gewechselte Keeper.
Beim Stand von 1:0 hielt der 24-Jährige gegen Nadiem Amiri bereits seinen
sechsten (!) Strafstoß in der Bundesliga in Folge. Seinen Patzer in der
Vorwoche beim Heimdebüt gegen den FCA steckte Atubolu ungerührt weg. Ihn
scheint die zugedachte Führungsrolle in dem jungen Ensemble der Adlerträger
zusätzlich zu beflügeln. Es sei ihm schwergefallen, den zuletzt zehn Mal
vom Punkt erfolgreichen Nationalspieler Amiri – der auch im
WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay traf – zu verunsichern, sagte Atubolu.
„Ich habe dann meinen Fähigkeiten vertraut.“ Mit Ansage fischte der
tüchtige Tormann den Schuss aus der unteren Ecke. Für Hütter war es der
„Knackpunkt“ im Spiel. Ob es der allgemeine Wendepunkt war, wird sich noch
zeigen. Den Ruf „der launischen Diva vom Main“ bestätigt Eintracht
Frankfurt immer mal wieder gerne.
13 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frank Hellmann
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