# taz.de -- Transferchaos bei Eintracht Frankfurt: Sprunghafte Deals
       
       > Am letzten Transfertag bastelt Eintracht Frankfurt wild an ihrem Kader
       > herum. Das fällt auf Sportvorstand Markus Krösche zurück. Kommt es zur
       > Trennung?
       
 (IMG) Bild: Einst als Machertyp gefeiert, wird Markus Krösche für seine jüngsten Entscheidungen hart kritisiert
       
       Späte Bastelarbeiten am Kader sind selten ein Indiz für eine kluge
       Personalpolitik. Insofern ist es fast entlarvend, dass auch die
       Presseabteilung [1][von Eintracht Frankfurt] am Deadline Day eine
       Nachtschicht einlegen musste, um alle Abgänge ordnungsgemäß zu
       kommunizieren. Immer nach demselben Muster: Leihgeschäft mit Kaufoption.
       Erst wechselte Linksverteidiger Niels Nkounkou nach Frankreich zur OGC
       Nizza, dann zog es Mittelfeldmann Hugo Larsson zum FC Fulham nach England,
       ehe die Hessen um 1.45 Uhr auch den Abgang von Flügelflitzer Jean-Mattéo
       Bahoya zu Leeds United mit einer Kaufpflicht vermeldeten. Die Deals mit
       Larsson und Bahoya könnte der Eintracht in der Summe fast 50 Millionen Euro
       aus der Premier League bringen – allerdings erst nächsten Sommer.
       
       Die Eintracht war bereits jetzt gezwungen, den aufgeblähten, überteuerten
       Kader auf den letzten Drücker auszudünnen, weil erstmals seit sechs Jahren
       das internationale Geschäft verpasst wurde. Kritisch beäugt wird daher
       Sportvorstand Markus Krösche. Dem einst für seine listigen Deals gefeierten
       Manager wird vorgeworfen, dass Gehaltskosten, Beraterprovisionen und andere
       Aufwendungen ausgeufert sind. Der vor fünf Jahren als Nachfolger für Fredi
       Bobic installierte Sportvorstand ist angezählt. Intern geht der Vorwurf um,
       der einst smarte Macher und geschickte Zocker sei sprunghaft, schwer
       greifbar geworden.
       
       Die Eintracht lebte bei den Megadeals von Omar Marmoush (Ablöse 75
       Millionen Euro) oder Hugo Ekitiké (95 Millionen Euro) bestens davon, dass
       Krösches Verpflichtungen ihren Marktwert in schwindelerregende Höhe
       katapultierten. Doch eine Garantie für derlei Glücksgriffe gibt es nicht.
       Zumal viele Klubs das Frankfurter Geschäftsmodell kopiert haben.
       
       Auf der Spobis in Hamburg, dem größten Sportbusinessevent Europas, hatte
       der 45-Jährige erklärt, warum die Transferpolitik schwieriger geworden sei:
       „Ein vergleichbarer Spieler aus der Kategorie wie Hugo Larsson, im selben
       Alter wie bei seiner Verpflichtung, kostet heute nicht mehr 8, sondern 22
       Millionen Euro. Das ist ein großes Problem für uns.“
       
       ## Fehlgriff bei der Trainerwahl
       
       Sein Standing hat indes auch aus anderen Gründen gelitten. Auf die
       Entlassung des beliebten Trainers Dino Toppmöller folgte der [2][Fehlgriff
       mit Albert Riera]. Im Sommer kostete ein Immobiliengeschäft auf einer
       kroatischen Urlaubsinsel mit der Ehefrau eines Spieleragenten weiteres
       Vertrauen. Dazu irritierte das lange Zögern bei der Verpflichtung eines
       neuen Torhüters, ehe [3][endlich Noah Atubolu] kam, obwohl bekannt war,
       dass Kauã Santos den Ansprüchen nicht mehr genügt.
       
       Und es gelang letztlich nicht, Wunschstürmer Arnaud Kalimuendo noch einmal
       von Nottingham Forest auszuleihen. Großverdiener Ritsu Dōan wollte im
       letzten Moment doch nicht nach Saudi-Arabien wechseln. Dazu wird über eine
       angespannte Beziehung zu Trainer Adi Hütter gemunkelt. Der Österreicher
       hatte nach dem Bundesliga-Auftakt bei Union Berlin (3:3) abgewiegelt: „Wir
       sind ständig im Austausch und haben ein sehr ordentliches Verhältnis.“ Aber
       ist es auch vertrauensvoll?
       
       Krösche wiederum wollte in der Alten Försterei nicht über seine Person
       sprechen. „Lasst es uns beim Fußball belassen.“ Hartnäckig halten sich
       Gerüchte, dass es bald zur Trennung kommen könnte. Präsident Mathias Beck
       verwies bislang auf den bis 2028 laufenden Vertrag. „Es besteht kein
       Anlass, über die Zukunft von Markus Krösche zu spekulieren.“ Das sollen
       nicht alle Kontrolleure so sehen, die über die Vorstandsbesetzung
       entscheiden.
       
       Die Eintracht Frankfurt Fußball AG beschäftigt inzwischen 545 Mitarbeiter,
       der dritthöchste Personalstand in der Liga. Der gewaltige Kostenapparat
       belastet den Klub. Der gesamte Personalaufwand lag laut des offiziellen
       DFL-Finanzreports in der Saison 2023/24 bei 141 Millionen Euro und war
       zuletzt noch mal kräftig gestiegen. Dennoch landete die Eintracht
       vergangene Saison nur auf Rang acht. Womit zwangsläufig derjenige in die
       Verantwortung rückt, der den Kader zusammengestellt hat.
       
       2 Sep 2026
       
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