# taz.de -- Wechsel von Torhüter Atubolu: Glückliches Ende im Transfertheater
       
       > Freiburgs Keeper Noah Atubolu hatte sich bei seinen Wechselwünschen
       > selbst überschätzt. Jetzt kommt er zumindest noch per Leihe in Frankfurt
       > unter.
       
 (IMG) Bild: Glück im Unglück: Freiburg erspart sich eine Dauerdebatte um Atubolu
       
       Bei der Pressekonferenz des SC Freiburg vor dem zweiten Play-off-Match
       gegen Motherwell am Donnerstagabend um den Einzug in die Conference League
       saß neben Trainer Julian Schuster auch Vincenzo Grifo auf dem Podium. Der
       gebürtige Pforzheimer lebt – unterbrochen von eineinhalb Jahren in
       Mönchengladbach und Hoffenheim – seit Sommer 2015 in Freiburg. Entsprechend
       gut kennt er sich aus in der Stadt.
       
       Grifos touristische Expertise für die 1.500 schottischen Fans, die sich aus
       der Nähe von Glasgow in den Breisgau aufgemacht hatten, war also gefragt.
       Der 33-Jährige empfahl höflich Stippvisiten an Münster und Martinstor sowie
       „gutes Eis, gute Dönerläden und gute Brägele“.
       
       [1][Noah Atubolu] hätte da sicher noch ein paar ausgefallenere Tipps parat
       gehabt als Gelato, Fleisch vom Spieß und badische Bratkartoffeln. Doch
       während der SC gegen Motherwell den Sprung in die Ligaphase der Conference
       League fix machen wollte, hatte der gebürtige Freiburger anderes zu tun. Am
       Mittwochabend zum Beispiel reiste der Keeper nach Frankfurt, wo er am
       Donnerstag bei der Eintracht den Medizincheck absolvierte.
       
       Die wohl wildeste Aufführung im nationalen Transfertheater dieses Sommers
       fand somit doch noch ein glimpfliches Ende: Frankfurt linderte kurz vor
       Ligastart seine Not auf der Torhüterposition. Freiburg erspart sich eine
       Dauerdebatte um den wechselwilligen, aber nicht fündig gewordenen Atubolu
       und den für stattliche zwölf Millionen Euro aus Bremen geholten [2][Mio
       Backhaus]. Und dessen Vorgänger entgeht einem zumindest fünfmonatigen
       Spießrutenlauf als mutmaßlicher Freiburger Tribünengast.
       
       ## Keine Einigung mit Premier League
       
       Zwar malte sich Atubolu, einer der vielen potenziellen künftigen
       Nationalkeeper, im Mai sicher Glamouröseres aus als einen Wechsel vom
       Liga-Siebten der Vorsaison zum Liga-Achten – auf Leihbasis, mit späterer
       Kaufpflicht. Aber mehr war für ihn aktuell eben nicht drin. Eine
       Vertragsverlängerung mit seinem Ausbildungsverein, zu dem er mit 13 vom
       Freiburger FC kam, hatte er im Frühjahr konsequent abgelehnt. Der Sportklub
       reagierte Ende Mai mit der Verpflichtung von Backhaus. Und Atubolu wartete
       auf lukrative Angebote, bevorzugt aus der zahlungskräftigen englischen
       Premier League.
       
       Mindestens zwei Offerten aus dem dortigen Mittelstand gab es dem Vernehmen
       nach auch. Zu einer Einigung kam es jedoch nicht. Später war von Neapel,
       Juventus Turin und Marseille die Rede. Klubs, die ab September allesamt in
       Champions oder Europa League mitmischen.
       
       ## Klub auf Selbstfindungskurs
       
       Nun aber geht es für Atubolu, auf der Suche nach einem lukrativen
       Engagement Anfang Januar extra zur Berateragentur Epic Sports mit Hauptsitz
       in Abu Dhabi gewechselt, nach Frankfurt. Zu einem [3][Klub auf
       Selbstfindungskurs], der im Herbst nicht mal in der drittklassigen
       Conference League mitkicken darf. Häme für den begabten Ballfänger, der
       sich selbst offenkundig überschätzt hat, ist an Freiburger Stammtischen
       allerdings nicht zu hören. Dort machen sie ihm eher Mut, die unerfreuliche
       Wechselsaga soll demnach weniger ein Karriereknick als ein kleiner Umweg
       sein.
       
       Aufgewachsen ist Atubolu in Weingarten, einem Freiburger Stadtteil, in dem
       überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Von
       Epic Sports hat er sich nach dem sommerlichen Transferdebakel wieder
       getrennt – und seinen 2027 auslaufenden Vertrag beim Sportklub gerade doch
       verlängert. Um das Leihgeschäft mit Frankfurt zu ermöglichen.
       
       Atubolu habe „großes Glück“, dass er in Freiburg unter Vertrag stehe,
       betonte Trainer Schuster in der Vorwoche. Denn nicht alle Klubs gingen mit
       einer solchen Situation so um. Und Freiburg-Experte Vincenzo Grifo ließ
       ausrichten: „Noah wird immer ein Teil von uns bleiben, auch wenn er mal weg
       ist.“ Jetzt ist Atubolu tatsächlich fort. Wenn auch nicht ganz so weit wie
       gedacht.
       
       27 Aug 2026
       
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