# taz.de -- Umfrage unter Erwerbstätigen: Überstunden wären fein, wenn die Anreize stimmen würden
> Die Mehrheit der Beschäftigten ist laut einer Umfrage bereit, mehr zu
> arbeiten. Die politische Debatte um längere Arbeitszeiten stößt bei
> vielen aber auf Unverständnis.
(IMG) Bild: Mehr ackern? Können sich laut einer Umfrage viele vorstellen – solange die Rahmenbedingungen dafür stimmen
dpa | Die Mehrheit der Erwerbstätigen ist laut einer Umfrage bereit, mehr
zu arbeiten – sofern die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Zugleich
empfindet jeder Zweite nach der Untersuchung des Instituts Appinio im
Auftrag der Jobseite Indeed die politische Debatte um [1][längere
Arbeitszeit] als demotivierend.
Demnach gab mehr als die Hälfte der 1.000 Beschäftigten an, Überstunden
leisten zu wollen, knapp 20 Prozent davon sogar dauerhaft. Dabei arbeiteten
bereits fast drei Viertel der Befragten mehr als im Arbeitsvertrag
vorgesehen. Diejenigen Befragten, die nicht noch mehr arbeiten wollten,
nannten als Gründe das Privatleben, die eigene Gesundheit, fehlende
finanzielle Anreize und familiäre Verpflichtungen.
Die Befragung basiert laut Indeed nicht auf einer Zufallsstichprobe der
Gesamtbevölkerung. Das Geschlechterverhältnis wurde bewusst auf Hälfte
Frauen und Hälfte Männer quotiert, um Vergleiche zwischen beiden Gruppen zu
ermöglichen.
## Anreize können motivieren
„Die reine Fokussierung auf die Erhöhung von Arbeitsstunden greift in der
Debatte um unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu kurz. Viele
Arbeitnehmende sind bereit, viel zu leisten, sofern sie selbst von ihrer
Mehrarbeit auch profitieren können“, sagte Indeed-Expertin Virginia
Sondergeld.
Als Anreize sehen die Befragten demzufolge ein attraktiveres Grundgehalt,
steuerliche Privilegien, flexiblere Arbeitszeiten und Bonuszahlungen. Im
Arbeitsalltag fühlten sich diese aber oft dabei ausgebremst, während ihrer
Arbeitsstunden mehr zu schaffen: Hauptursache war akuter Personalmangel,
gefolgt von unnötiger Bürokratie und langsamen Prozessen, unklaren
Zielvorgaben und mangelhafter Führung sowie zu viele Besprechungen und
veralteter Technik.
## Nicht nur die Arbeitsstunden spielen eine Rolle
Die politische [2][Debatte um längere Arbeitszeiten] stößt nach Angaben von
Indeed bei vielen der Beschäftigten auf Unverständnis. Fast die Hälfte gab
in der Befragung demnach an, davon demotiviert zu sein. Ein Drittel fühlte
sich dagegen dadurch angespornt.
Die Erhöhung der Arbeitsstunden sei nur ein Faktor, um die
Wirtschaftsleistung zu steigern, betonte Sondergeld. Der Zweite sei die
Produktivität. „Diese kann durch Investitionen in Infrastruktur und
Technologie – auch im Bereich künstliche Intelligenz – und
Entbürokratisierung erhöht werden. Im besten Falle werden Mitarbeitende
hierdurch von zeitintensiven Routineaufgaben entlastet und ihre Motivation
sowie Arbeitszufriedenheit steigen.“
12 Sep 2026
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