# taz.de -- Republikaner-Event in Texas: Angstgetöse, Hass und leere Ränge
> Scharfe Attacken gegen die Demokraten, Geld fürs Wählen: Die Trump-Show
> in Dallas ist zu Ende – fünf Lehren aus dem Republikaner-Parteitag.
(IMG) Bild: Glühende Anhängerin der Republikaner in Texas
dpa/taz | Zum Abschluss des Parteitags [1][fordert US-Präsident Donald
Trump] die Menge auf, ihm nachzusprechen: „Wir schwören, dass wir am 3.
November rausgehen und wählen werden“, spricht er ihnen vor. Seine Anhänger
gehorchen – und lachen.
Es ist der erste Parteitag der Republikaner vor den Zwischenwahlen in den
USA – und das Event in Dallas im Bundesstaat Texas endet in gelöster
Stimmung. Doch die heiße Phase des Wahlkampfs ist eingeläutet. Was hat der
Parteitag über die Strategie der Republikaner gezeigt? Und welche Probleme
liegen knapp zwei Monate vor den wichtigen Midterms vor der
Präsidentenpartei?
Fünf Lehren aus der Trump-Show in Texas.
## 1. Trump erklärt Midterms zu Abstimmung über sich selbst
Die zigfach mit Trump-Bildern dekorierten Wände der riesigen
Veranstaltungshalle standen sinnbildlich für die Kernbotschaft, die der
80-Jährige für seine Anhänger im Gepäck hatte: Die Zwischenwahlen sollen
sich um ihn drehen. „Bitte tut so, als würde ich kandidieren“, bittet der
Präsident mehrfach.
Es ist der Versuch, seine Anhängerschaft auch dann zum Wählen zu
mobilisieren, wenn er selbst de facto nicht auf dem Stimmzettel steht. Das
Land ist gespalten wie vielleicht nie zuvor. Und Umfragen zufolge waren
Demokraten jüngst motivierter, zur Wahl zu gehen als Republikaner.
Der Versuch des US-Präsidenten, das durch prominentes Mitmischen im
Wahlkampf zu ändern, ist politisch riskant: Die Mehrheit der Menschen im
Land ist seit Längerem unzufrieden mit Trump. Zeigen sich republikanische
Kandidaten im Vorfeld der Zwischenwahlen an seiner Seite, laufen sie
Gefahr, für seine Politik mitverantwortlich gemacht zu werden.
## 2. Republikaner setzen auf Mobilisierung mit Angst
Neben der Strahlkraft ihres Präsidenten stützen sich die Republikaner in
Dallas vor allem auf ein Instrument zur Mobilisierung: Angst. Redner nach
Redner skizzieren sie ein düsteres Bild der Zukunft ihres Landes, sollte
die politische Opposition bei den Kongresswahlen erfolgreich sein. Die
Demokraten von heute – so die Argumentation – seien nicht länger nur
Vertreter einer linksliberalen Politik. Sie seien „radikal“,
„verrückt“[2][, „Kommunisten“.]
Immer wieder attackieren die Republikaner dabei linke Demokraten, die bei
parteiinternen Vorwahlen vor den Zwischenwahlen Erfolge verbuchten. Die
Botschaft an die eigene Basis: Geht wählen bei den Midterms, es geht um
nichts Geringeres als die Zukunft der USA als freies und sicheres Land.
## 3. Republikaner sehen ihre Felle davonschwimmen
Am 3. November wählen die Amerikanerinnen und Amerikaner rund ein Drittel
der Senatsabgeordneten neu sowie das gesamte Repräsentantenhaus. Für Trump
und die Republikaner steht viel auf dem Spiel: Verlieren sie auch nur in
einer der beiden Parlamentskammern ihre knappe Mehrheit, müssen sie mit
deutlich mehr Widerstand gegen Trumps Politik rechnen. Üblicherweise nutzen
Wähler die Midterms für eine Abrechnung mit der Partei des Präsidenten.
Dass die Dinge für die Republikaner ins Rutschen geraten sind, zeigen auch
ihre ungewöhnlichen Methoden: 5.000 Dollar soll jeder erwachsene US-Bürger
erhalten, sollten die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern
halten, versprach Trump. Der Vorschlag würde über eine Billion US-Dollar
kosten, etwa so viel wie der gesamte US-Verteidigungshaushalt. Das gilt
weder politisch noch finanziell als realistisch.
Beachtlich ist zudem, dass die Republikaner mit ihrem Parteitag in Dallas
ausgerechnet einem Texaner unter die Arme greifen wollten: Der
Trump-Kandidat Ken Paxton will in den Senat einziehen, in der einstigen
Republikanerhochburg Texas wäre sein Sieg normalerweise eigentlich eine
Formsache. Doch Demokraten machen sich Hoffnungen, Trumps Partei den Sitz
abzunehmen. Sollte ihr Kandidat James Talarico gewinnen, wäre er der erste
demokratische Senator aus Texas seit mehr als drei Jahrzehnten.
## 4. Trumps Zollkonflikt und Irankrieg spitzen sich zu
Inhaltlich wollen die Republikaner Akzente in der Innenpolitik setzen, doch
die Konflikte in der Welt spitzen sich aktuell wieder zu – und das kommt
Trump eher nicht zugute. Mitten im Wahlkampf gestand er nun ein: [3][Der
Irankrieg] werde wahrscheinlich erst nach den Midterms beendet. Nach den
Angriffen auf Öltanker stieg der Ölpreis auf den höchsten Stand seit fast
vier Monaten. Just am zweiten Tag des Parteitags der Republikaner erreichte
der landesweite Durchschnittspreis für Diesel in den USA mit 6,00 US-Dollar
pro Gallone (3,785 Liter) ein Rekordhoch. Damit war der Treibstoff nach
Daten des Marktanalyseportals Gasbuddy so teuer wie nie zuvor.
Hinzu kommt der Zollkonflikt mit Kanada, der in den vergangenen Tagen
weiter eskalierte. Gerade Bundesstaaten im Norden der USA leben vom Handel
mit dem Nachbarland. Trumps aggressive Zollpolitik bringt republikanische
Kandidaten dort zunehmend in die Bredouille.
## 5. Jubel trotz leerer Ränge: Trump-Faktor auf der Probe
Dennoch versammelten sich auf dem Parteitag zahlreiche Republikaner mit
Trump-Kappen und -Shirts, die die Politik des Präsidenten nach wie vor in
höchsten Tönen loben. Fast wie auf Knopfdruck brachen sie in Jubel aus,
wann immer Trump oder andere Republikaner auf der Bühne seine Agenda
priesen. Der Parteitag sei ein „riesiger, ausverkaufter Erfolg“ gewesen,
schwärmte Trump nach dem ersten Tag auf seiner Plattform Truth Social.
Tatsächlich blieben aber vor allem am ersten Tag des Events zahlreiche
Ränge leer. Einige Republikaner entschieden sich bewusst gegen eine
Teilnahme und machten stattdessen weiter Wahlkampf in ihren Bezirken oder
Bundesstaaten. Inwiefern sie damit auch Distanz zu Trump wahren wollten,
lässt sich in vielen Fällen nur mutmaßen.
Spekulationen gab es auf dem Parteitag auch dazu, wie die Zukunft der
Partei nach Trump aussehen könnte. US-Vizepräsident J. D. Vance rückte
dabei als Hauptredner des zweiten Tags einmal mehr in den Fokus. „48“ – so
schallte es ihm aus der Menge entgegen, als er auf der Bühne stand. Eine
Anspielung auf den nächsten Präsidenten der USA, der der 48. sein wird.
11 Sep 2026
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