# taz.de -- Wahlkampf in den USA: Darum setzt Trump auf das Feindbild Kommunismus
       
       > Antikommunismus ist in den USA tief verwurzelt. Vor den Zwischenwahlen
       > beschimpft der US-Präsident die Demokraten als „Kommunisten“. Ist das
       > erfolgversprechend?
       
 (IMG) Bild: Trump-Anhängerinnen feiern ihren Präsidenten beim Parteitag in Dallas
       
       dpa | Glaubt man den Worten von US-Präsident Donald Trump, dann sehen sich
       die USA gerade ihrer wohl größten Bedrohung ausgesetzt: dem Kommunismus. Er
       platziert diese Botschaft ständig – bei einer Veranstaltung an einer Schule
       genauso wie auf der großen Bühne zum 250. Unabhängigkeitstag der USA oder
       beim Nato-Gipfel in der Türkei. Das [1][Feindbild Kommunismus] beschwören
       Trump und seine Republikaner knapp zwei Monate vor den Zwischenwahlen auch
       bei ihrem Parteitag in Dallas im Bundesstaat Texas: Wählt uns, sonst kommt
       die radikale Linke an die Macht, so die Botschaft.
       
       Für Trump scheint dabei wie üblich kein Superlativ drastisch genug:
       „Kommunismus ist die größte Bedrohung für unser Land in seiner Geschichte –
       den Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg, Pearl Harbor und den 11.
       September eingeschlossen“, sagte er etwa im Juli.
       
       Die angebliche Gefahr geht nach Darstellung der Republikaner [2][von den
       Demokraten] aus. Insbesondere deren linke Vertreter setzen sie seit Wochen
       immer wieder mit Kommunisten gleich. Ist das eine Strategie, die sich bei
       den Wahlen im November auszahlen wird?
       
       ## Anknüpfung an historisches Feindbild
       
       Die Angst vor einer kommunistischen Bedrohung hat in den USA eine lange
       Tradition. Hauptsächlich während des Kalten Kriegs war Antikommunismus
       stark ausgeprägt. Die Wähler hätten Kommunisten damals als Feinde
       betrachtet, sagt der Historiker Matthew Dallek von der George Washington
       University der Deutschen Presse-Agentur.
       
       Die aktuelle Situation – rund 35 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion –
       sei jedoch anders. „Es gibt keinen Kalten Krieg.“ Die Vorstellung, dass da
       draußen eine große kommunistische Bedrohung lauere, sei verblasst.
       Gleichzeitig hilft seiner Einschätzung nach aber der jüngste Aufschwung
       einiger linker Demokraten in gewisser Weise, diese Vorstellung
       wiederzubeleben.
       
       ## Gleichsetzung linker Demokraten mit Kommunisten
       
       Bei parteiinternen Vorwahlen der Demokraten vor den Zwischenwahlen haben
       sich einige sehr linke Kandidatinnen und Kandidaten durchgesetzt – etwa
       Abdul El-Sayed, der im umkämpften Bundesstaat Michigan einen Senatssitz
       ergattern will. Der 41-Jährige fordert unter anderem eine allgemeine
       staatliche Krankenversicherung und eine stärkere Besteuerung von
       Superreichen. Als die Nachricht über seinen Sieg die Runde machte, sprach
       Trump prompt von „tollen Neuigkeiten“ für die Republikaner und
       [3][bezeichnete ihn als „kommunistischen Versager“].
       
       Bereits im Sommer 2024, als sich Trump im Wahlkampf um die Präsidentschaft
       mit der Demokratin Kamala Harris konfrontiert sah, setzte er auf diese
       Strategie: „Alles, was wir tun müssen, ist, unseren Gegner als Kommunisten
       oder Sozialisten definieren oder als jemanden, der unser Land zerstören
       wird.“
       
       Historiker Dallek hält die Bezeichnung linker Demokraten als Kommunisten
       für unzutreffend. Dennoch geht er davon aus, dass dadurch die Vorstellung
       heraufbeschwört wird, dass es sich um radikale linke Personen handle. „Ich
       denke, es impliziert, dass sie irgendwie unamerikanisch sind“, sagt er.
       
       ## Was denken die Menschen in den USA?
       
       Um sich der Frage anzunähern, ob oder in welchem Ausmaß das
       Bedrohungsszenario in der amerikanischen Wählerschaft auf fruchtbaren Boden
       treffen könnte, hilft ein Blick auf eine Umfrage des
       Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des britischen Magazins The
       Economist.
       
       Die nach Angaben des Instituts repräsentative Befragung unter rund 1.600
       erwachsenen US-Bürgerinnen und Bürgern ergab Mitte Juli, dass nur eine
       Minderheit von knapp einem Fünftel Kommunisten in den USA aktuell für eine
       große Bedrohung hält. Jeweils etwa ein Viertel sieht in ihnen eine mäßige
       beziehungsweise geringe Bedrohung, während ein Drittel der Befragten
       keinerlei Gefahr ausmacht. Aufgeschlüsselt nach verschiedenen Gruppen zeigt
       sich folgende Tendenz: Vor allem ältere und konservative Befragte halten
       Kommunisten in den USA eher für eine große Bedrohung.
       
       ## Experte: Trump- und Wechselwähler könnten beeinflusst werden
       
       Historiker Dallek, der auch Wahlkämpfe untersucht, geht davon aus, dass die
       Warnung vor einer angeblichen kommunistischen Bedrohung Trumps
       Kernwählerschaft mobilisieren könnte. „Manchmal gehen Trump-Wähler nicht
       zur Wahl, wenn er nicht auf dem Stimmzettel steht“, sagt er über den
       US-Präsidenten. Dallek hält es für möglich, dass Trump-Anhänger sich
       entscheiden, wählen zu gehen, weil sie befürchten, dass ein „Kommunist“
       oder „Sozialist“ gewinnen werden könnte.
       
       Bei den Wahlen Anfang November werden das gesamte Repräsentantenhaus und
       rund ein Drittel des Senats neu gewählt. Aktuell halten Trumps Republikaner
       in beiden Parlamentskammern knappe Mehrheiten. Sollte sich das auch nur in
       einer der Kammern ändern, können Demokraten Gesetzesvorhaben blockieren und
       Trumps Regierung mit Ermittlungen in Ausschüssen unter die Lupe nehmen.
       
       ## Was ist wichtiger: Angst vor Kommunismus oder hohe Benzinpreise?
       
       Experte Dallek verweist neben Trump-Anhängern noch auf eine zweite Gruppe,
       die die Strategie möglicherweise beeinflussen könnte: Wechselwähler. Ihre
       von beiden großen Parteien umkämpften Stimmen sind oft die, auf die es am
       Ende ankommt. Das Etikett „Kommunist“ könnte einige von ihnen dazu bewegen,
       sich gegen die Demokraten zu entscheiden, um kein Risiko einzugehen.
       
       Trump will mit seiner Strategie Kritikern zufolge auch von eigenen
       Problemen wie seinem unpopulären Irankrieg, seiner umstrittenen Zollpolitik
       und der hohen Inflationsrate ablenken. Für die infolge des Irankriegs
       deutlich höheren Benzinpreise, auf die viele Wähler sehr genau gucken,
       dürfte Trump jedenfalls kaum das Feindbild Kommunismus verantwortlich
       machen können.
       
       10 Sep 2026
       
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